Politik

Ministerpräsident schlägt Alarm Ramelow: "In Thüringen brennt die Hütte"

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Ramelow bedauert, dass er nicht mit Kanzlerin Merkel auf einen weiterreichenden Lockdown im Dezember gedrängt hat.

(Foto: dpa)

Lange war Corona kaum ein Thema in Thüringen, viele Landkreise verzeichneten nur wenige Fälle. Jetzt aber hat das Virus den Freistaat fest im Griff. In keiner Stadt und keinem Landkreis liegt die 7-Tages-Inzidenz unter 200, in den meisten weit darüber. Ministerpräsident Ramelow fürchtet, dass das Schlimmste noch bevorsteht.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich mit drastischen Worten gegen Forderungen nach Lockerungen in der Corona-Pandemie ausgesprochen. "Wir müssen einfach der Tatsache ins Auge sehen, dass das Virus jetzt erst anfängt, richtig Fahrt aufzunehmen", sagte der Linke-Politiker am Sonntagabend im ZDF-"heute journal", auch mit Verweis auf die sich besonders schnell ausbreitende englische Variante des Virus.

"Ich merke, dass bei mir in Thüringen gerade die Hütte brennt. Heute ist für mich ein schlimmer Tag. Denn heute haben wir in ganz Thüringen die 300er-Inzidenz überschritten, und alle Landkreise und kreisfreien Städte sind über die 200 gegangen. Es ist kein Platz mehr für Lockerungen und die Debatte von der Lockerung zur Lockerung." Sein Appell an die Thüringer Wirtschaft sei, möglichst alles zu unterlassen, was im Moment nicht notwendig ist. Jetzt komme es darauf an, Kontakte zu minimieren.

Ramelow stört sich auch an dem häufigen Verweis auf Risikogruppen. Damit seien in der Regel ältere Menschen gemeint. "Man übersieht, dass mittlerweile auch viele jüngere Menschen in den Krankenhäusern ankommen und in den Beatmungsbetten liegen", klagt der Ministerpräsident. In Thüringen lasse sich das nicht mehr lange bewältigen.

Impfbereitschaft deutlich gestiegen

Immerhin habe sein Appell an die Beschäftigten des Gesundheitswesens, sich impfen zu lassen, gewirkt. Die Bereitschaft dazu sei in den letzten Tagen "drastisch gestiegen", und dafür sei er sehr dankbar, sagte Ramelow. Dass Thüringen in der Impfstatistik des Robert-Koch-Instituts den anderen Bundesländern hinterherhinkt, erklärte der Ministerpräsident mit technischen Problemen mit der Schnittstelle zum RKI. "Wir haben ein Meldeproblem, aber kein Impfproblem".

Thüringen war von dem Virus lange weitgehend verschont geblieben. Noch Mitte Oktober lag die Sieben-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner bei etwas über 30, inzwischen infizieren sich zehnmal so viele Menschen. Als sich Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten Ende Oktober auf einen Lockdown-Light verständigten, war Ramelow skeptisch. Die Beschlüsse trug er dann trotzdem mit. Auch er habe sich am Anfang von der Hoffnung leiten lassen, sagte Ramelow im ZDF. "Ich muss heute sagen, das war falsch."

Im April soll in Thüringen eigentlich der Landtag neu gewählt werden. Dazu verhandeln laut Ramelow in der kommenden Woche die Parteien. "Und dem will ich nicht vorgreifen. Aber eines ist doch klar: Wir haben auch 30.000 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer, die wir auch schützen müssen. Und insoweit müssen alle Beteiligten darüber nachdenken: Wenn im Januar, Februar keine Bewegung ist, dann werden wir auch das mitentscheiden müssen."

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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