Politik

Reaktion auf Ölpreisdeckel Russland baut "Schattenflotte" aus alten Tankern auf

Ab Montag wollen G7, EU und Australien nur noch maximal 60 Dollar pro Barrel russischen Öls zahlen, das per Schiff transportiert wird. Durchgesetzt werden soll das durch Druck, etwa auf Versicherer. Russland hat jedoch laut einem Bericht reagiert - und kauft alte Tanker.

Russland hat laut einem Medienbericht heimlich eine Flotte aus mehr als 100 alten Tankern zusammengestellt, um westliche Sanktionen gegen Öl-Exporte zu umgehen. Das berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf den Schiffsmakler Braemar und das Analyseunternehmen für die Öl- und Gasindustrie, Rystad Energy.

Laut Braemar hat Moskau demnach direkt oder indirekt mehr als 100 Schiffe gekauft. Rystad Energy berichtet von 103 Tankern, die durch Kauf oder Verlegung aus dem Iran oder Venezuela hinzugekommen seien - beide Staaten sind wie Russland mit westlichen Sanktionen belegt.

In Kreisen der Öl-Schifffahrt ist laut "Financial Times" von einer "Schattenflotte" die Rede, mit der nach Beginn des westlichen Ölpreisdeckels unter anderem China und Indien beliefert werden könnten, die aufgrund der zurückgehenden Importe in westliche Staaten mehr russisches Öl kaufen. Die Tanker seien zwischen 12 und 15 Jahre alt und würden sonst wohl in den nächsten Jahren verschrottet werden, heißt es weiter.

Moskau will reagieren

Die EU, die G7-Staaten sowie Australien haben sich am Freitag als Strafe für den russischen Überfall auf die Ukraine im Februar auf einen Ölpreisdeckel von 60 Dollar (57 Euro) für russische Ölimporte geeinigt, wenn der Rohstoff per Schiff transportiert wird. Die Regelung soll ab Montag greifen. Moskau hat scharfe Kritik an der Vereinbarung geübt und eine Reaktion in Aussicht gestellt, ohne jedoch konkret zu werden. Möglich wäre etwa, dass Moskau Öllieferungen an die beteiligten Staaten einstellt.

Die Maßnahme soll Moskaus Mittel zur Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine einschränken. Durchgesetzt werden soll die Preisobergrenze dadurch, dass Versicherungen und Reedereien sich an russischen Ölgeschäften nur beteiligen dürfen, wenn der Rohstoff für unter 60 Dollar verkauft wird.

Da sich große Firmen aus Angst vor westlichen Strafmaßnahmen an die Regelung halten dürften, muss Russland, das auf den Transport seines Öls durch ausländische Tanker angewiesen ist, auf andere Transportmittel ausweichen. Die "Financial Times" zitiert Händler, laut denen die "Schattenflotte" die Folgen des westlichen Ölpreisdeckels abmildern, aber nicht vollständig aufheben könne.

Quelle: ntv.de, mli

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