Politik

Varoufakis' erstes Interview nach Rücktritt Schäuble ist "Dirigent" der Eurogruppe

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Grün sind sich die beiden Politiker nicht, ihre politischen Weltanschauungen sind aber auch grundverschieden: Bundesfinanzminister Schäuble (l.) und Griechenlands Ex-Finanzminister Varoufakis.

(Foto: picture alliance / dpa)

Griechenlands Finanzminister Varoufakis tritt nach dem Referendum zum Spardiktat zurück. Nun spricht er erstmals über die Gründe für diesen Schritt, über die Rolle von Bundesfinanzminister Schäuble und warum wirtschaftliche Argumente in der Krise nichts zählen.

Nach seinem überraschenden Rücktritt als griechischer Finanzminister hat Yanis Varoufakis in einem Interview über seine Zeit bei der Eurogruppe und die Gründe für seinen Rückzug gesprochen. Zudem ging er mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hart ins Gericht: Die Euro-Finanzminister seien "komplett" von ihm dominiert, sagte er dem britischen Magazin "New Statesman". Die Gruppe sei "wie ein äußerst gut gestimmtes Orchester" - mit Schäuble als "Dirigent".

Das Interview mit dem "New Statesman" wurde vor dem jüngsten Abkommen zwischen Griechenland und der Eurogruppe über ein neues Hilfsprogramm geführt. Varoufakis hatte eigentlich für den Fall, dass die Griechen beim Referendum vor über einer Woche über die Gläubigerpläne mit Ja stimmen, seinen Rücktritt in Aussicht gestellt. Die Griechen stimmten indes mit über 61 Prozent gegen die Reformforderungen - Varoufakis trat überraschend trotzdem zurück.

Als Grund nannte er die ablehnende Haltung ihm gegenüber in der Eurogruppe: Wann immer er bei seinen europäischen Ministerkollegen wirtschaftliche Argumente vorgebracht habe, sei er mit "leeren Blicken" bedacht worden. "Ich hätte auch die schwedische Nationalhymne singen können, da hätte ich dieselbe Reaktion erhalten", sagte der Wirtschaftswissenschaftler dem Magazin.

Verletzte Eitelkeit?

Zudem sei sein Abschied von Regierungschef Alexis Tsipras als "potenziell hilfreich" betrachtet worden. Dem britischen Magazin sagte Varoufakis nun, er sei zurückgetreten, weil er bei einem Kabinettstreffen überstimmt worden sei, bei dem er für eine harte Linie gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) geworben hatte. So schlug er unter anderem vor, der EZB die Kontrolle über die griechische Zentralbank abzunehmen sowie Schuldscheine einzuführen. Er sei aber bei zwei zu vier Stimmen überstimmt worden.

Varoufakis zeigte sich zudem erleichtert, die Zeit als Minister hinter sich zu haben. Fünf Monate lang habe er täglich nur zwei Stunden geschlafen. "Und ich bin erleichtert, nicht mehr diesen unerträglichen Druck zu haben, eine Position zu verhandeln, die ich nur schwer verteidigen kann."

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Quelle: ntv.de, bad/AFP