Politik

"Sehen Gesellschaft als Beute" Seehofer sagt Clans den Kampf an

Mehrere Bundesländer gehen bereits verstärkt gegen Clankriminalität vor, auch die Bundesregierung will nun nachziehen. Innenminister Seehofer will dafür mehr Personal bereitstellen und mit einem neuen Konzept den Fahndungsdruck erhöhen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer will entschlossener gegen Clan-Kriminalität in Deutschland vorgehen. Der rechtstreue Bürger werde von Clans "als 'Opfer', die deutsche Gesellschaft als Beute und unsere Gesetze und Regeln als nicht verbindlich betrachtet", sagte Seehofer der "Bild"-Zeitung. Daher habe das Bundeskriminalamt ein Konzept entwickelt, um Clan-Aktivitäten zu bekämpfen.

Das Anti-Clan-Konzept mit dem Titel "Blick" (Bund-Länder Initiative zur Bekämpfung der Clan-Kriminalität) ist Teil eines Sieben-Punkte-Plans, um Deutschland sicherer zu machen. Der Innenminister will zudem gegen Aktivitäten im Darknet, ausländische Straftäter und Kinderpornografie vorgehen.

Auf Clans liegt für Seehofer aber ein besonderer Fokus. Diese würden in Deutschland oft von "Kriminalität und Rechtsbruch" leben, betonte er in der "Bild"-Zeitung. "Blick" hat die Aufgabe, nationale und internationale Strukturen aufzudecken und den Fahndungsdruck zu erhöhen. Dafür stellt Seehofer auch mehr Personal in Aussicht.

Allein in NRW mehr als 14.000 Taten

Vor allem in Berlin und Nordrhein-Westfalen hatte sich die Clankriminalität gehäuft. NRW hatte als erstes Bundesland ein Lagebild vorgelegt, wonach im bevölkerungsreichsten Bundesland 6449 Tatverdächtige aus 104 Clans binnen drei Jahren 14.225 Straftaten begingen. Laut Analyse des Landeskriminalamts (LKA) waren mehr als ein Drittel dieser von 2016 bis 2018 registrierten Taten sogenannte Rohheitsdelikte wie Bedrohung, Nötigung, Raub und gefährliche Körperverletzung.

In ihrer Analyse kommt die NRW-Polizei zu dem Schluss, dass Clans im ganzen Bundesland aktiv sind. Ein Schwerpunkt liegt in den Ruhrgebietsmetropolen - allen voran in Essen, aber auch in Städten wie Gelsenkirchen und Recklinghausen. Clans fallen demnach aber auch in den Großstädten am Rhein wie beispielsweise Köln und inzwischen selbst im ländlichen Raum mit Straftaten auf.

Der Berliner Senat hatte nach zahlreichen Raubüberfällen auf Schmuckabteilungen und Geldtransporter, nach Schlägereien und Schießereien einen Fünf-Punkte-Plan gegen die Clans beschlossen. Seit dem Herbst gibt es wöchentliche Razzien in Shisha-Bars und Spielhallen. Luxusautos werden kontrolliert, mehr Häuser und Wohnungen sollen beschlagnahmt werden.

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Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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