Politik

Ukraine-Krieg bei Maischberger Selenskyj-Berater glaubt an Gegenoffensive im August

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Alexander Rodnyansky (links) sagt: "Wir müssen unser Land verteidigen."

(Foto: "Bild: WDR/Oliver Ziebe")

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Der Berater des ukrainischen Präsidenten, Alexander Rodnyansky, glaubt an eine ukrainische Offensive im August. In der ARD-Sendung "Maischberger" ist auch der russische Oppositionspolitiker Michail Kassjanow zu Gast - und fordert eine Bestrafung für Putin.

Alexander Rodnyansky, der jahrelang in Düsseldorf lebte, ist einer der bekanntesten Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. In der ARD-Talkshow "Maischberger" diskutiert er am Dienstagabend mit einem der bekanntesten russischen Oppositionspolitiker. Michail Kassjanow war von 2000 bis 2004 Ministerpräsident in Russland, bis er bei Präsident Wladimir Putin in Ungnade fiel. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat er das Land verlassen und lebt jetzt an einem unbekannten Ort. Kassjanow muss sich verstecken. Sein Leben ist bedroht. In die Talkshow wird er per Video zugeschaltet.

"Haben Probleme mit dem Nachschub"

Rodnyansky ahnt eine gewisse Kriegsmüdigkeit in Westeuropa. In der Ukraine jedoch könne man davon nicht sprechen. "Wir haben keine andere Wahl, wir müssen unser Land verteidigen", erklärt er. Sicher seien die Menschen erschöpft, und er gibt zu: "Wir haben Probleme mit dem Nachschub, Russland hat unsere gesamten Produktionsstätten zerstört. Deswegen sind wir von der westlichen Unterstützung noch abhängiger als vor Beginn des Krieges." Mittlerweile kämen die Waffen an, vor allem aus den USA, aber auch aus Deutschland und Europa. "Wir hoffen, dass wir den Umbruch schaffen und im August eine Gegenoffensive starten können."

Man dürfe sich nicht vor einem ukrainischen Sieg mehr fürchten als vor einer russischen Niederlage, so der Apell Rodnyanskys an die europäischen Politiker. "Die Ukraine unterstützt die europäische Friedensordnung. Dabei muss auch sie weiter Unterstützt werden. Sonst gibt es den Krieg irgendwo anders in Europa."

Russland sei ein autoritärer Staat und nicht an der Annäherung mit Europa interessiert, sondern allein an der Ausdehnung seines Territoriums. Die Gebietseinnahmen in der Ukraine könnten wieder zurückgedreht werden, aber nur mit Waffen, mit härteren Sanktionen und mit dem Fall des Regimes in Russland.

Die aktuellen Sanktionen zeigten bereits Wirkung, sagt Rodnyansky. "Russland versucht, die Welt mit einer Hungerkrise zu erpressen und so die Sanktionen wieder loszuwerden." Das dürfe nicht passieren. Darum wünscht sich Rodnyansky noch härtere Sanktionen. Die EU könne Strafzölle gegen Russland verhängen oder die Bezahlung für russisches Gas auf einem Treuhandkonto parken. Außerdem fordert er Strafmaßnahmen gegen Unternehmen, die weiterhin mit Russland Handel trieben und sich nicht an die Sanktionen hielten. "Egal was, aber irgendwas muss passieren", sagt der Wissenschaftler.

"Ukraine hat Chance, den Krieg zu gewinnen"

Der russische Oppositionspolitiker Kassjanow ist sich sicher: "Die Ukraine kann diesen Krieg gewinnen, das wollen wir alle." Wenn der Westen weiter Waffen in das Kriegsland liefere, könnte die ukrainische Armee im Winter genauso ausgerüstet sein wie die russische. Gleichzeitig spricht sich Kassjanow gegen Gebietsabtretungen der Ukraine aus. "Ein Aggressor muss bestraft werden. Putin arbeitet gegen die Weltordnung. Aber die Ukrainer haben einen großen Kampfeswillen, die Armee ist sehr mutig. Und sobald Putin anfängt, besiegt zu wirken, wird Russland anfangen, aus sich heraus zu bröckeln", ist sich Kassjanow sicher.

Der Grund für den Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine ist für den Oppositionspolitiker klar: Putin habe nicht mehr zusehen können, wie sein Nachbarland zu einer blühenden Demokratie geworden sei, während der Wohlstand seiner eigenen Bevölkerung kontinuierlich sinke. Außerdem habe er gedacht, der Westen werde Stillhalten. "Da hat er sich verkalkuliert. Der Westen ist aufgewacht. Er hat verstanden, dass transatlantische Einigkeit notwendig ist, um die Weltordnung zu verteidigen."

Sollte Russland den Krieg doch gewinnen, fürchtet Kassjanow einen baldigen Angriff auf das Baltikum, das Putin schon jetzt als "ladoganahe-Gebiete" bezeichne, in Anspielung auf den im Nordwesten Russlands gelegenen größten See Europas.

Quelle: ntv.de

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