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Neue Details zu Attentäter Stephan B. hatte finanziellen Unterstützer

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Stephan B. sagt aus, er habe allein gehandelt. Ein Unbekannter unterstützte ihn aber finanziell.

(Foto: picture alliance/dpa)

Stephan B. will bei dem Attentat in Halle vollkommen allein gehandelt haben. Ein Medienbericht macht nun bekannt, dass ein Unbekannter dem Täter finanziell geholfen haben soll. Auch an der Waffe wurde B. offenbar ausgebildet - von der Bundeswehr.

Nachdem der Attentäter von Halle ein umfangreiches Geständnis abgelegt hat, sind neue Details aus seiner Aussage bekannt geworden. Stephan B. soll gegenüber dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs erklärt haben, dass er völlig allein gehandelt habe, berichtet der "Spiegel". Auch seine Waffen habe er selbst hergestellt, aus einfachen Mitteln und für wenig Geld. Einmal habe er jedoch von einer ihm unbekannten Person Geld erhalten, berichtet das Magazin. Mit der Person habe er im Internet kommuniziert und von ihr 0,1 Bitcoin - aktuell rund 750 Euro - bekommen.

B. hatte am Mittwoch zunächst versucht, sich mit Waffengewalt Zutritt zu einer Synagoge in Halle zu verschaffen. Als ihm dies nicht gelang, erschoss er eine Passantin und einen Mann in einem Döner-Imbiss. Wie der Anwalt von Stephan B. gegenüber dem Südwestrundfunk (SWR) sagte, sei die Tat aus dessen Sicht "schiefgegangen". Zielrichtung sei eine andere gewesen; die Opfer, die es gegeben habe, seien nicht vorgesehen gewesen. In einem Bericht des "Spiegels" heißt es, B. habe nach Angaben seines Verteidigers gegenüber dem Richter erklärt: "Ich habe Menschen getötet, die ich nicht treffen wollte." Nach den Worten seines Anwalts bedauere er dies und hoffe, dass die schwer verletzten Personen, die er bei seiner Flucht angeschossen hatte, überleben werden.

Der Verteidiger sagte dem SWR, sein Mandant Stephan B. sei intelligent, wortgewandt, aber sozial isoliert. Den Auslöser der Bluttat sieht er in dessen Hang zu Verschwörungstheorien. "In seinem Weltbild ist es halt so, dass er andere verantwortlich macht für seine eigene Misere", sagte Hans-Dieter Weber dem SWR. B. sehe Kräfte am Werk, die im Verborgenen wirkten, aber sehr einflussreich seien und auf die Politik einwirken könnten.

Bei der Bundeswehr laufen derweil ebenfalls interne Ermittlungen zum Attentäter, wie der "Spiegel" berichtet. B. soll demnach vor acht Jahren seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr absolviert haben und dabei an verschiedenen Waffen ausgebildet worden sein - darunter das Sturmgewehr G36. Die Akte des Attentäters soll allerdings unauffällig sein und keine Hinweise zu seiner rechtsextremen Gesinnung offenbaren. Zuvor war bekannt geworden, dass B. in seinem Geständnis ein rechtsextremistisches und antisemitisches Motiv bestätigte.

Bericht: Taten monatelang vorbereitet

B. wird seine Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt in Halle antreten. Das sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe auf Anfrage. Ein Hubschrauber mit dem Täter an Bord startete demnach am Nachmittag in Karlsruhe Richtung Halle. In Karlsruhe war der 27-Jährige am Donnerstagabend dem Haftrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt worden, der Haftbefehl erließ. Dieser legt ihm zweifachen Mord und siebenfachen Mordversuch zur Last. Nach Einschätzung der Ermittler wollte er bei dem Anschlag am Mittwoch ein Massaker anrichten und Nachahmer zu ähnlichen Taten anstiften.

Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden hatte B. bei seinem Angriff auf die Synagoge vier Schusswaffen und mehrere Sprengsätze bei sich. Ermittler fanden in Wohnräumen des Tatverdächtigen einen 3D-Drucker, was den Verdacht untermauert, er habe seine Waffen selbst hergestellt. Nach "Spiegel"-Informationen stellten die Ermittler auch eine Festplatte sicher.

Wie Zeit Online berichtete, bereitete B. seine Taten spätestens seit dem Frühsommer vor. Die vorläufige Auswertung der Geldbewegungen seines Sparkassen-Kontos ergab demnach, dass er Teile des Zubehörs für seine Waffen im Internet kaufte und über seinen PayPal-Account bezahlte. Unter anderem soll er im Mai Material für einen 3D-Drucker erworben haben. Im Juli schloss er demnach den Vertrag für das Handy ab, mit dem er seine Taten filmte. In einem Zimmer des 27-Jährigen wurden mehrere Zettel mit der Aufschrift "Niete" gefunden. Die Behörden haben die Vermutung, dass B. mit den Durchsuchungen gerechnet hatte und damit die Polizei verhöhnen wollte.

Quelle: n-tv.de, ibu/dpa/AFP

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