Politik
In Buenos Aires wird die Stolperschwelle verlegt.
In Buenos Aires wird die Stolperschwelle verlegt.(Foto: dpa)
Dienstag, 31. Oktober 2017

Zuflucht für Nazi-Flüchtlinge: Stolperstein ehrt Schule in Buenos Aires

Eigentlich erinnern sogenannte Stolpersteine in ganz Europa an die Opfer des Nationalsozialismus. Ein besonderer Stein ehrt nun jedoch eine Schule, die Geflüchteten Schutz bot - weitab von Deutschland.

Eine Stolperschwelle am Eingang der Pestalozzi-Schule in Buenos Aires ehrt die deutsche Auslandsschule als Zufluchtsstätte der Verfolgten des Nationalsozialismus. Erstmals wurde dort eine Gedenktafel der Stolperstein-Initiative außerhalb Europas gesetzt. "Die Schule hat mir ein Gefühl der Geborgenheit gegeben und das Trauma der Emigration erleichtert", ist auf der Bronzeplakette zu lesen. Das Zitat stammt von der Hamburgerin Margot Aberle Strauss, die 1938 als Zehnjährige mit ihrer jüdischen Familie vor dem Nazi-Terror nach Argentinien flüchtete und dort in die 5. Klasse der Pestalozzi-Schule kam.

Für sie wurde die Schule neue Heimat und neues Heim. "Unsere Eltern waren wegen der Lage so beunruhigt, so nervös, in der Schule fanden wir dann die Ruhe, man fühlte sich geliebt. Hier wusste ich, dass ich bleiben durfte", sagte die heute 90-Jährige.

Zwischen 1933 und 1945 wanderten rund 35.000 deutsche Juden in Argentinien ein. Auch zahlreiche politisch Verfolgte flüchteten nach Buenos Aires, unter ihnen mehrere Menschen, die dann an der Pestalozzi-Schule als Lehrkräfte tätig waren. Zu ihnen zählten der Karikaturist Clément Moreau, der Komponist und Musikwissenschaftler Kurt Pahlen und der ehemalige SPD-Reichstagsabgeordnete August Siemsen.

Die auf Initiative des Kölner Künstlers Gunter Demnig gelegten Stolpersteine erinnern an die Opfer der NS-Herrschaft, in der Regel jeweils vor dem letzten freigewählten Wohnsitz der Betroffenen. Im Fall der Pestalozzi-Schule wurde jedoch "ein Ort der Ankunft, Aufnahme und Beschützung der Opfer" anerkannt, wie der deutsche Botschafter Jürgen Mertens bei der Schwellenlegung sagte.

61.000 der Gedenktafeln wurden mittlerweile auf Gehwegen in Europa gesetzt, um die Erinnerung an die Verfolgten der NS-Herrschaft wachzuhalten. "Die Thematik der Geflüchteten ist im Moment so brandaktuell, dass wir mit der Stolperschwelle in der Pestalozzi-Schule darauf aufmerksam machen wollen: die Flüchtlinge sind auch Opfer gewesen", sagte Anna Warda vom Projekt Stolpersteine.

Die Pestalozzi-Schule war 1934 als Alternative zu den bestehenden deutschen Schulen in Argentinien gegründet worden. Die anderen Schulen waren vom nationalsozialistischen Deutschland gleichgeschaltet worden.

Quelle: n-tv.de