Politik

"Klimakrise wie Krise behandeln" Thunberg mahnt Merkel

Angela Merkel galt einst als Klimakanzlerin. Bei heutigen Aktivisten fruchtet ihre Politik allerdings nicht. Mit Greta Thunberg und Luisa Neubauer empfängt sie nun zwei der bekanntesten Gesichter der Klimabewegung. Doch das Treffen kommt nicht bei allen Fridays-for-Future-Aktivisten gut an.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat nach ihrem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel mehr Mut und Weitsicht von Politikern und Führungsfiguren verlangt. "Wir wollen, dass Menschen aktiv werden, es wagen, ihre Komfortzonen zu verlassen, die Zukunft wichtiger zu nehmen als die Gegenwart", sagte die 17-jährige Schwedin in Berlin. "Wir wollen, dass Anführer aktiv werden und die Klimakrise wie eine Krise behandeln." Über Merkel sagte sie: "Sie hat eine riesige Verantwortung, aber auch eine riesige Chance, so eine Anführerin zu werden." Die Kanzlerin sei "nett" und "sehr freundlich" gewesen.

Thunberg war mit drei Mitstreiterinnen der Bewegung Fridays for Future genau zwei Jahre nach ihrem ersten "Schulstreik" für mehr Klimaschutz im Kanzleramt zu Gast. "Wir waren dankbar für die Gelegenheit und für die Zeit, das war sicherlich eine ziemlich lange Unterhaltung", sagte die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer nach dem Treffen. "Es wurde sehr deutlich, dass wir von verschiedenen Perspektiven auf die Situation schauen. Und wir haben deutlich gemacht, dass wir nicht mehr und nicht weniger verlangen, als dass das Pariser Klimaabkommen in Politik übersetzt wird."

Merkel selbst bezeichnete nach dem Treffen die Bekämpfung der Erderwärmung als globale Herausforderung. Beide Seiten seien sich in diesem Zusammenhang einig gewesen, dass den Industriestaaten bei der Bewältigung dieser Aufgabe eine besondere Verantwortung zukomme, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Basis dafür sei die konsequente Umsetzung des Pariser Klimaabkommens.

Kritik aus den FFF-Basisgruppen

Zentrales Thema des Gesprächs von Merkel mit Thunberg, Neubauer sowie den Belgierinnen Anuna de Wever van der Heyden und Adélaïde Charlier seien die klimapolitischen Schwerpunkte in der laufenden EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands gewesen, schrieb Seibert weiter. Als Einzelpunkte nannte der Regierungssprecher die angestrebte EU-Klimaneutralität bis 2050 sowie die Konkretisierung eines verschärften Zwischenziels für die Treibhausgas-Emissionen bis 2030. Die Kanzlerin und die Vertreterinnen von Fridays for Future hätten auch über die Bedeutung der CO2-Bepreisung sowie über nationale Maßnahmen der Klimapolitik wie den Ausstieg aus der Kohleverstromung diskutiert.

Allerdings gab es in den Reihen von Fridays for Future (FFF) in Deutschland auch Kritik an dem Treffen. "Der Termin war überhaupt nicht abgesprochen", sagte Konstantin Nimmerfroh von FFF Frankfurt am Main der "Berliner Tageszeitung". Er kritisierte, die Basisgruppen seien erst wenige Tage zuvor über das Vorhaben informiert worden. "Wir fühlen uns überrannt", sagte Nimmerfroh.

"Es ist schade, dass immer die gleichen Leute in der Öffentlichkeit stehen", kritisierte auch der Kieler Aktivist Ole Willerich. "Zweifellos macht Luisa gute Arbeit und hat viel Expertise", sagte er. "Aber durch dieses Ungleichgewicht in der Öffentlichkeit kommen andere, vielleicht auch radikalere Positionen, nicht zur Geltung." Eine andere namentlich nicht genannte FFF-Aktivistin wurde von der "taz" mit den Worten zitiert: "Es ist kein Erfolg, mit Frau Merkel zusammenzusitzen." Immerhin habe die Koalition in den vergangenen Jahren "nicht annähernd etwas gemacht, das uns dem 1,5-Grad-Ziel näherbringt".

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP