Politik

Angriff auf Iran zum Abschied? Trump erkundigt sich nach Militäroptionen

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Die Atomanlage in Natanz wäre das wahrscheinlichste Ziel eines Militärschlags.

(Foto: picture alliance / dpa)

Am 20. Januar muss Donald Trump das Weiße Haus verlassen. Seinem Nachfolger Joe Biden überlässt er womöglich einen militärischen Konflikt mit dem Iran. Nachdem ein neuer Atombericht Zweifel an der Transparenz des Iran aufwirft, fragt der Präsident bei seinen Beratern nach Angriffsoptionen.

Donald Trump überlegt anscheinend, vor seinem Auszug aus dem Weißen Haus einen Krieg mit dem Iran zu beginnen. Die "New York Times" berichtet, dass der abgewählte US-Präsident seine engsten Berater am vergangenen Donnerstag im Oval Office gefragt habe, welche Möglichkeiten er hätte, in den kommenden Wochen iranische Atomanlagen anzugreifen. Den Angaben zufolge wurde der Termin anberaumt, nachdem die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) tags zuvor ihren jüngsten Bericht über den Iran veröffentlicht hatte.

Dem Bericht zufolge waren bei dem Treffen unter anderem Vizepräsident Mike Pence, Außenminister Mike Pompeo und der amtierende Verteidigungsminister Christopher C. Miller anwesend. Sie haben Trump davon abgeraten, einen Militärschlag gegen den Iran anzuordnen, weil dieser in den letzten Wochen der Präsidentschaft einen größeren Konflikt auslösen könnte. Am 20. Januar 2021 übernimmt der neugewählte Präsident Joe Biden die Amtsgeschäfte.

IAEA wartet auf Erklärungen

In ihrem vierteljährlichen Atombericht hatte die IAEA mitgeteilt, dass der Iran noch nicht erklärt habe, wie Uran-Teilchen in eine nicht als Atom-Standort deklarierte Einrichtung gelangt sind. Die Spuren waren vergangenes Jahr entdeckt worden. Ihre chemische Signatur soll der von pakistanischen Zentrifugen ähneln, die der Iran importiert hatte. Pakistan gehört zu den neun weltweiten Atommächten.

Nach Angaben der IAEA reichert der Iran außerdem weiter Uran an und besitzt mittlerweile das Zwölffache der im Atomabkommen erlaubten Menge. Darin hatte sich das Land 2015 zu Transparenz verpflichtet. Das Abkommen soll das von schiitischen Klerikern beherrschte Land am Bau einer Atombombe hindern.

Laut NYT gehen die Trump-Berater davon aus, dass ein Militärschlag gegen den Iran nach dem Treffen im Oval Office vom Tisch ist. Demnach könnte der scheidende Präsident alternativ iranische Verbündete wie Milizen im Irak bestrafen. Sollte es doch zu einem Angriff kommen, gilt die Atomanlage Natanz als wahrscheinlichstes Ziel. Dort reichert der Iran seit mindestens 2002 Uran an.

Die USA waren 2018 einseitig aus dem internationalen Atom-Vertrag ausgetreten und haben seither zahlreiche Sanktionen gegen den Iran verhängt, welche die Wirtschaft des Landes belasten. Im Gegenzug hatte Teheran nach und nach die Erfüllung seiner Verpflichtungen aus dem Abkommen zurückgefahren. Die verbliebenen Vertragspartner, darunter Großbritannien, Frankreich und Deutschland, hoffen, dass es nach der Amtsübernahme von Joe Biden einen neuen diplomatischen Anlauf im Atomkonflikt gibt.

Quelle: ntv.de, chr

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