Politik

Saudi-Arabien bestätigt Tötung Trump glaubt neueste Khashoggi-Version

Nach Wochen des Rästelratens um das Schicksal von Jamal Khashoggi gibt Saudi-Arabien die Tötung des Regimekritikers zu. US-Präsident Trump zeigt sich zufrieden, doch aus dem US-Kongress kommt harsche Kritik.

Saudi-Arabien hat zugegeben, dass der vermisste Journalist Jamal Khashoggi im Konsulat des Königreichs in Istanbul getötet worden ist. In einer ersten Reaktion auf das Eingeständnis nannte US-Präsident Donald Trump die Version Saudi-Arabiens vom Tod Khashoggis glaubwürdig. "Es ist noch früh, wir haben unsere Überprüfung oder Ermittlung noch nicht beendet", fügte er hinzu. Es handele sich aber um einen "sehr wichtigen ersten Schritt".

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Im Falle von US-Sanktionen gegen Riad würde er es vorziehen, "dass wir als Strafe nicht Arbeit im Wert von 110 Milliarden Dollar annullieren", sagte der US-Präsident in Arizona mit Verweis auf ein großes Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien. Es sei "zu früh, um zu sagen", wie die USA reagieren. Weiter hieß es in dem Statement des Weißen Hauses, man sei betrübt über die Bestätigung des Todes Kashoggis und kondoliere den Angehörigen.

Deutlichere Reaktionen gab es aus dem US-Kongress. Der republikanische Senator und Trump-Verbündete Lindsey Graham bezweifelte die Glaubwürdigkeit der saudiarabischen Behörden. "Zu sagen, dass ich skeptisch gegenüber der neuen saudiarabischen Geschichte über Herrn Khashoggi bin, ist eine Untertreibung", schrieb Graham bei Twitter. "Erst haben wir erzählt bekommen, dass Herr Khashoggi das Konsulat angeblich verlassen hat, und es gab ein pauschales Dementi jeglicher saudischer Verstrickung", schrieb Graham. "Jetzt bricht ein Streit aus und er wird im Konsulat getötet, alles ohne Wissen des Kronprinzen."

Der Abgeordnete Eliot Engel, der ranghöchste Vertreter der Demokraten im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, teilte mit: "Die Erklärung der saudischen Behörden von heute Nacht ist einfach nicht glaubwürdig, besonders, weil sich die Geschichte in den vergangenen Tagen so stark geändert hat." Er forderte die US-Regierung auf, Druck für eine "gründliche und transparente Untersuchung" auszuüben.

Keine Entschuldigung für Mord

Der demokratische Senator Bob Menendez forderte Sanktionen gegen saudiarabische Staatsbürger, die am Tod des Journalisten beteiligt waren. "Selbst wenn Khashoggi wegen einer Auseinandersetzung starb, ist das keine Entschuldigung für Mord", twitterte der Außenexperte. "Wir müssen den internationalen Druck aufrecht erhalten", fügte er hinzu.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich "zutiefst beunruhigt" über den gewaltsamen Tod Khashoggis und kondolierte der Familie des Journalisten. "Der Generalsekretär verweist auf die Notwendigkeit einer sofortigen, gründlichen und transparenten Untersuchung der Todesumstände", sagte sein Sprecher Stephane Dujarric. Zudem müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.  

Die Türkei hat bisher kaum Einzelheiten zu den Ermittlungen im Fall Khashoggi bekannt gegeben, Medien veröffentlichen jedoch ständig neue Details von der Polizei. Laut Medienberichten verfügen die Ermittler über Audioaufnahmen aus dem Konsulat, auf denen zu hören sein soll, wie Khashoggi gefoltert und ermordet wird.

Schlägerei eskalierte

Nach tagelangem Dementi hatte Saudi-Arabien in der vergangenen Nacht eingeräumt, dass Khashoggi im Konsulat in Istanbul getötet wurde. Ein Streit zwischen Khashoggi und Männern im Konsulat habe sich zu einer "Schlägerei" entwickelt, "die zu seinem Tod führte", erklärte der saudiarabische Generalstaatsanwalt Scheich Saud al-Modscheb. Der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur Spa zufolge war "der Verdächtige" - dessen Identität nicht aufgeklärt wird - nach Istanbul gereist, um Khashoggi zu treffen. Es habe Anzeichen gegeben, dass dieser möglicherweise zurück nach Saudi-Arabien zurückgehen werde.

Das Treffen im Konsulat allerdings sei nicht "wie erwartet" verlaufen und endete in Khashoggis Tod. Die Täter hätten danach versucht, die Tötung zu vertuschen. Türkische Ermittler gehen von einem 15-köpfigen saudischen Spezialkommando aus, das für den Mord an dem dem Journalisten in die Türkei reiste. Zudem wurde nach Angaben von Spa der Vizepräsident des Geheimdienstes, Ahmed al-Asiri, auf Befehl des Königs von seinem Posten entbunden. Al-Asiri gilt als enger Vertrauter von Kronprinz Mohammed bin Salman.

Der im US-Exil lebende Regierungskritiker Khashoggi hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für seine Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Er ist seitdem verschwunden.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa/AFP