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"Im nationalen Interesse" Ungarn unterstützt türkische Syrien-Offensive

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Außenminister Peter Szijjarto und Ministerpräsident Viktor Orban.

(Foto: imago/PuzzlePix)

Die EU verurteilt geschlossen die türkische Offensive in Nordsyrien. Ungarn bildet jedoch die Ausnahme. Der Militäreinsatz sei wichtig, damit Ungarn nicht von Millionen Flüchtlingen überrannt wird, ist sich Außenminister Szijjarto sicher.

Das EU-Land Ungarn unterstützt die weltweit kritisierte Militäroffensive der Türkei gegen die Kurdenregion in Syrien. Es sei "im nationalen Interesse Ungarns", dass Ankara die Migrationsfrage in Richtung Syrien löse und nicht in Richtung Europa, erklärte der ungarische Außenminister Peter Szijjarto nach Angaben der staatlichen ungarischen Nachrichtenagentur MTI in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Ungarn ist damit das einzige EU-Land, das die international kritisierte Militäroffensive der Türkei derart offen befürwortet.

"Das ungarische nationale Interesse diktiert es, dass wir es vermeiden, dass mehrere hunderttausend oder gar Millionen illegale Migranten an der Südgrenze Ungarns auftauchen", fügte Szijjarto hinzu. Die Türkei begründet ihre Militäroffensive auch damit, dass sie im Norden Syriens eine sogenannte "Sicherheitszone" entlang der türkischen Grenze schaffen will. Dorthin möchte sie syrische Flüchtlinge bringen, die sich derzeit in der Türkei aufhalten. Die EU lehnt diese Pläne entschieden ab.

Szijjarto äußerte sich nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu in Baku. Der Ungar nimmt dort zusammen mit dem rechts-nationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban an einem Gipfeltreffen der Turkstaaten teil. Ungarn hat keine kulturellen oder sprachlichen Verbindungen zu den Turkvölkern. Ultra-rechte Ideologen in Ungarn konstruieren aber seit dem 19. Jahrhundert eine derartige, wissenschaftlich nicht belegbare "Verwandtschaft".

Die ungarische Regierung ist bemüht, die Beziehungen mit Ankara zu intensivieren. Der ungarische Botschafter in Ankara, Janos Hovari, äußerte bereits 2014 den Wunsch, sein Land für die Türkei zur "Brücke nach Europa" zu machen. Dies würde den bereits dynamischen Tourismus nach Ungarn weiter ankurbeln. Orban pflegt darüber hinaus ein freundschaftliches Verhältnis zum autokratischen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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