Politik

Emotionale Thunberg bei UN "Wie können Sie es wagen?"

Mit Tränen in den Augen und erstickter Stimme richtet Klimaaktivistin Greta Thunberg eindringliche Worte an die Welt. Sie wirft den jetzigen politischen Entscheidungsträgern vor, ihrer Generation die Träume gestohlen zu haben. Jetzige Maßnahmen gegen den Klimawandel reichten nicht aus.

Klimaaktivistin Greta Thunberg hat beim UN-Klimagipfel in New York die Staats- und Regierungschefs scharf attackiert. In einer emotionalen Ansprache machte ihnen die 16-jährige Schwedin schwere Vorwürfe. "Wie können Sie es wagen?", fragte sie mehrmals auf dem Eröffnungspodium der Konferenz, das sie sich unter anderem mit UN-Generalsekretär António Guterres teilte. Sie glaube, dass die Regierungen noch nicht verstanden hätten, wie die Situation tatsächlich ist. "Ihr habt meine Träume gestohlen." Es sei falsch, dass sie jetzt oben auf dem Podium sitze und fürs Klima kämpfe, wo sie doch eigentlich zur Schule gehen müsste.

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Die Weltgemeinschaft erwarte von ihrer Generation, dass sie in Zukunft Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre filterten, mit Technologien, die es bisher nur unzureichend gebe, fuhr Thunberg mit erstickter Stimme und Tränen in den Augen fort. Die derzeitige Klimakrise könne nicht mit "business as usual" gelöst werden. Bisherige Beschlüsse für mehr Umweltschutz und zum Einsparen von Treibhausgasen, seien nicht ausreichend. "Wir werden Ihnen das nie vergessen, wenn Sie uns weiter betrügen", sagte die 16-Jährige im Namen ihrer Generation.

"Wir sind Zeugen einer massiven Zerstörung", sagte die Initiatorin der Bewegung "Fridays For Future" weiter. Die Zukunft der Jugendlichen werde gefährdet. Obwohl Wissenschaftler seit mehr als 30 Jahren vor einer massiven Erderwärmung warnten, täten die Regierungen nicht genug, sondern sorgten sich vor allem um das Wachstum der Wirtschaft. "Menschen leiden. Menschen sterben. Wir befinden uns am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, woran Sie denken können, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum."

Ihr sei ihre Jugend durch "leere Worte" der Politiker gestohlen worden. Das Verhalten der Regierungen mache sie "wütend und traurig". Sie wolle aber immer noch nicht glauben, dass die Regierungen "böse" seien. "Aber die Jungen verstehen Ihren Verrat. Die Welt wacht auf. Der Wandel kommt, ob Sie es wollen oder nicht", sagte sie.

"Das ist kein Klima-Verhandlungs-Gipfel"

UN-Generalsekretär Guterres warnte ebenfalls eindringlich vor den Folgen der Klimakrise. "Wenn wir nicht dringend unseren Lebensstil ändern, setzen wir das Leben selbst aufs Spiel", sagte Guterres zum Beginn des UN-Klimagipfels. Er zählte dabei Klimakatastrophen der vergangenen Monate auf und betonte, dass der Juli der heißeste Monat jemals gewesen sei. "Überall auf der Welt schlägt die Natur mit Wut zurück." Gletscher würden schmelzen, Dürren erzeugten Waldbrände, Wüsten breiteten sich aus und Hitzewellen nähmen zu.

Es sei genug geredet worden: "Das ist kein Klima-Verhandlungs-Gipfel. Man kann nicht mit der Natur verhandeln", sagte Guterres. Es brauche Sofortmaßnahmen, um der Klimakrise entgegenzuwirken. Das Rennen gegen den Klimawandel könne gewonnen werden. "Die Zeit ist knapp, aber es ist noch nicht zu spät."

Thunberg und 15 weitere Jugendliche aus zwölf verschiedenen Ländern reichten unterdessen bei der UNO eine Menschenrechtsbeschwerde zum Klimawandel ein. Die Mädchen und Jungen im Alter zwischen acht und 17 Jahren, darunter eine 15-Jährige aus Hamburg, richteten ihre Beschwerde an den UN-Kinderrechtsausschuss, wie das UN-Kinderhilfswerks Unicef mitteilte. Sie werfen den Staaten demnach vor, zu wenig gegen den Klimawandel zu tun und damit gegen die weltweit gültigen Kinderrechte zu verstoßen.

Die Beschwerdeführer, die von der gemeinnützigen Umweltorganisation Earthjustice und der internationalen Anwaltskanzlei Hausfeld LLP unterstützt werden, machen nach Angaben von Hausfeld unter anderem den Tod von Nachbarn durch Umweltkatastrophen, die Bedrohung traditioneller Lebensweisen, Gesundheitsrisiken und psychische Belastungen geltend.

Schutz der Kinderrechte nicht geachtet?

Den fünf G20-Mitgliedern Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich und Türkei wird angelastet, sie gehörten zu den größten Schädigern des Klimas und verstießen damit gegen die Konvention zum Schutz der Kinderrechte, zu deren Unterzeichnern sie gehörten. Dem UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes gehören 18 Kinderrechtsexperten an. Der Ausschuss wird darüber befinden müssen, ob er die Beschwerde annimmt und dann Stellungnahmen der betreffenden Regierungen einholen.

Die rechtliche Grundlage für die Beschwerde ist nach Unicef-Angaben das dritte Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonvention zum sogenannten Individualbeschwerdeverfahren, das auch Deutschland ratifiziert hat. Es handle sich um den bisher prominentesten Fall, in dem Kinder diese Beschwerdemöglichkeit an höchster Stelle nutzen.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/rts/AFP

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