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Montag, 25. Juli 2016

Bombe im Biergarten explodiert: Wirt schildert Anschlag von Ansbach

Von Heidi Ulrich

Mitten in einem Biergarten in Ansbach sprengt sich ein Mann in die Luft. Der Wirt muss miterleben, wie einige seiner Gäste schwer verletzt werden. Auch den Täter sieht er noch kurz vor dem Anschlag. Seinen Mut lässt sich Norbert Imschloß aber nicht nehmen.

Norbert Imschloß kann nicht glauben, was vor seinem Lokal passiert ist. Seit neun Jahren ist er der Pächter von "Eugens Weinstube" in der Pfarrstraße. "Sowas hab ich noch nicht erlebt", sagt er n-tv.de nach dem Anschlag in Ansbach. Mitten in seinem Biergarten vor seinem Lokal hat sich in der vergangenen Nacht ein 27-jähriger Syrer in die Luft gesprengt. Zu dem Zeitpunkt sei er gerade hinten im Lokal gewesen. Er habe einen "Riesenknall" gehört, so Imschloß. Kurz darauf seien mehrere Leute hereingekommen, die verletzt waren und bluteten. Der Wirt rief sofort die Polizei. "Das war ganz schnell klar, das war so laut, das kann kein Böller sein."

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Als der Täter die Bombe zündete, saßen demnach etwa 20 Menschen im Biergarten. "Es hat zum Glück nicht alle erwischt." Insgesamt wurden durch die Explosion 15 Menschen verletzt, vier von ihnen schwer. Den Attentäter hatte der Pächter kurz zuvor noch gesehen. Er sei kurz in das Lokal hereingekommen, aber dann wieder gegangen. Imschloß hatte nicht den Eindruck, dass sich der Mann habe setzen und etwas trinken wollen. Er sei vielmehr "herumgewandert". Ungewöhnlich sei das aber nicht, wenn in direkter Nähe eine Großveranstaltung ist. Der Mann sei deshalb auch nicht besonders aufgefallen. Er sei "unscheinbar" gewesen.

"Eugens Weinstube" liegt direkt neben der "Reitbahn". Dort lief gestern Abend ein Festival und das war offenbar das ursprüngliche Ziel des Attentäters. Der 27-Jährige versuchte, auf das Gelände zu kommen. Weil er aber keine Eintrittskarte hatte, wurde er abgewiesen. "Da hat er sich das Nächstmögliche gesucht und das war leider bei mir im Biergarten", sagt Imschloß mitgenommen. Seit Jahrzehnten engagiere er sich in der Friedensbewegung, "und dann passiert es bei mir, das ist nicht nachvollziehbar". Was den 27-Jährigen dazu gebracht hat, ist bisher nicht klar. Dass er andere Menschen mit in den Tod reißen wollte, ist offensichtlich. Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hatte der Mann schon zwei Selbstmordversuche hinter sich. Doch ob er tatsächlich ein Terrorist war, wie Herrmann vermutet, ist bisher nicht geklärt.

Der Wirt ist nach dem Anschlag vor allem eins: Sehr traurig. "Wut bringt einen nicht weiter", sagt er. Von dieser furchtbaren Nacht will er sich nicht unterkriegen lassen. Auch hat er jetzt nicht mehr Angst vor Terror. "Absolute Sicherheit gibt es nirgends, im ganzen Leben nicht", sagt er. "Ich werde weiterhin versuchen, so es mir möglich ist, positiv mit dem Leben umzugehen." Imschloß will sein Lokal morgen wieder aufmachen. Es werde dann aber kein Tag wie jeder andere sein.

 

Quelle: n-tv.de