Politik

Razzia zum Facebook-Datenskandal Zentrale von Cambridge Analytica durchsucht

Im Skandal um 50 Millionen illegal ausgewertete Facebook-Konten macht die britische Datenschutzbehörde Ernst. Um Serverdaten sicherzustellen, werden Büros der beschuldigten Firma Cambridge Analytica durchsucht. Dort ist man sich weiter keiner Schuld bewusst.

Die Londoner Zentrale der Beratungsfirma Cambridge Analytica ist im Skandal um die unerlaubte Nutzung von Facebook-Daten für Wahlkampfzwecke durchsucht worden. Das bestätigte die britische Datenschutzbehörde ICO (Information Commissioner's Office). Cambridge Analytica steht unter Verdacht, Millionen US-Wähler im Internet gezielt mit verbotener Wahlwerbung für Donald Trump beeinflusst zu haben. Geholfen haben sollen dabei unrechtmäßig gesammelte Facebook-Daten.

Medienberichten zufolge verschafften sich 18 ICO-Mitarbeiter am Freitagabend Zugang zu der Firmenzentrale. Nur kurz zuvor hatte ein Gericht die Durchsuchung angeordnet. "Das ist nur ein Teil größerer Ermittlungen über die Verwendung persönlicher Daten und Analysen für politische Zwecke", hieß es in einer Mitteilung auf der ICO-Webseite. Man werde nun Beweise sichern, auswerten und bewerten, bevor Schlüsse gezogen würden. ICO-Chefin Elizabeth Denham hatte den Durchsuchungsbeschluss beantragt, weil die Firma "innerhalb einer gesetzten Frist nicht auf eine Anfrage geantwortet hat".

Cambridge Analytica will mit seiner Datenauswertung zum Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 wesentlich beigetragen haben. Auch die Rolle des Unternehmens in der Kampagne zum Brexit-Referendum im Jahr 2016 ist dem "Guardian" zufolge Gegenstand von Ermittlungen der britischen Wahlkommission. Eine ehemalige Mitarbeiterin der Beratungsfirma sagte dem "Guardian", Cambridge Analytica habe mit der Kampagne für den EU-Austritt des ehemaligen Ukip-Sponsors Arron Banks, Leave.EU, zusammengearbeitet, das aber später abgestritten.

Erpressungsaufruf vor versteckter Kamera

Die Beraterfirma war heftig unter Druck geraten, nachdem ihr Geschäftsführer Alexander Nix vor versteckter Kamera mit Versuchen zur Erpressung von Wahlkandidaten geprahlt hatte. Seine Firma könne "Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken", sagte er. Ein Reporter des britischen Senders Channel 4 hatte sich für den Vertreter eines potenziellen reichen Kunden ausgegeben, der für den Erfolg mehrerer Kandidaten bei einer Wahl in Sri Lanka sorgen wolle. Nix wurde daraufhin suspendiert.

Das Unternehmen war am vergangenen Wochenende von Facebook ausgesperrt worden. Cambridge Analytica habe unrechtmäßig erhaltene Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht, erklärte das Online-Netzwerk zur Begründung. Nach Informationen der "New York Times" und des "Guardian" sollen einige Informationen von rund 50 Millionen Facebook-Mitgliedern zu Cambridge Analytica gelangt sein. Um sie zu sammeln, wurde eine Umfrage zu Persönlichkeitsmerkmalen aufgesetzt, die bei Facebook als wissenschaftliche Forschung angemeldet wurde. Die Daten gingen dann ohne Wissen der Nutzer an Cambridge Analytica.

Facebook im Visier

Die Affäre hat international zu scharfer Kritik an Facebook geführt. Konzernchef Mark Zuckerberg entschuldigte sich am Mittwoch und räumte "Fehler" ein. Am Donnerstag befasste sich auch der EU-Gipfel mit dem Thema und forderte von Internetunternehmen, mehr für den Schutz der Privatsphäre ihrer Nutzer zu tun.

Auch Facebook geriet im Zusammenhang mit dem Datenskandal wohl bereits ins Visier der Behörden. Die US-Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission (FTC) leitete nach Informationen der "Washington Post" eine Untersuchung gegen Facebook ein. Der Vorsitzende des britischen Parlamentsausschusses für Digitales und Medien, Damian Collins, forderte Zuckerberg auf, sich den Fragen der Abgeordneten zu stellen.

Cambridge Analytica verkündete am Freitag, selbst eine Untersuchung in Auftrag gegeben zu haben, um sicherzugehen, dass die missbräuchlich beschafften Daten nicht mehr im Besitz der Firma sind.

Firmenchef Alexander Taylor entschuldigte sich in einer Erklärung für die Verwicklung von Cambridge Analytica in den Datenskandal. Die Firma habe die Daten von einem Forschungsunternehmen bekommen, das von den meisten Auskunftgebenden "nicht die Zustimmung bekommen hatte". Cambridge Analytica habe "geglaubt, dass die Daten in Übereinstimmung mit den Nutzungsbedingungen von Facebook und den Datenschutzbestimmmungen beschafft wurden".

Quelle: ntv.de, mra/dpa/AFP