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Endlich mehr Mittel für Erasmus Sinnvoller kann man Geld nicht ausgeben

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Erasmus-Studenten besuchen den International Day an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

(Foto: picture alliance / dpa)

Das EU-Parlament will die Gelder für das Erasmus-Programm verdreifachen. Das ist längst überfällig, denn das beliebte Programm ist seit Jahren unterfinanziert.

London ist nicht Straßburg oder Brüssel - zum Glück. Wer dieser Tage auf die britische Hauptstadt schaut, der kann sehen, was ein Ausstieg und somit das Ende der Europäischen Union letztlich bedeuten kann: Chaos und Streit legen Großbritannien seit Monaten lahm.

Ebenfalls ein Mehrwert, auf den die Briten womöglich künftig verzichten müssten, wurde vom EU-Parlament gerade gestärkt. Nach dem Willen der Abgeordneten soll das sogenannte Erasmus-Programm massiv ausgebaut werden. 2,6 Milliarden Euro kostete das Programm 2017 die Mitgliedstaaten, bald könnte es das Dreifache sein. Die Abgeordneten stimmten am Donnerstag in Straßburg für eine Aufstockung der Mittel für das Programm im Zeitraum 2021 bis 2027.

Eine gute Nachricht kurz vor den wegweisenden EU-Parlamentswahlen. Erasmus ist das beste und erfolgreichste Projekt, das je von der Europäischen Union angeschoben wurde. Seit 1987 wurden damit mehr als fünf Millionen Studenten gefördert, um im europäischen Ausland zu studieren.

Eine Zwischenevaluierung der EU-Kommission ergab, dass sich Teilnehmer mehr als Europäer fühlen und 90 Prozent mit ihrer Teilnahme zufrieden sind. Der Bericht ergab allerdings auch, dass es in einigen Bereichen Nachholbedarf gibt: Erasmus soll attraktiver für sozial benachteiligte Gruppen werden. Nationale Erasmus-Agenturen sollen spezielle Inklusionspläne entwerfen. Deshalb will die EU jetzt richtigerweise nachziehen.

Erasmus ist eine Charakterschule

Längst fördert Erasmus weitaus mehr als nur Studenten, sondern auch Auszubildende, Praktikanten und Jugendliche. Und längst werden die meisten Anträge auf eine Förderung abgelehnt, weil die Töpfe zu klein sind. Die Zuständigen klagen seit Jahren, es brauche mehr Geld. Sogar die bisweilen etwas knauserige EU-Kommission schlägt vor, das Budget zu verdoppeln. Der Kulturausschuss des EU-Parlaments fordert sogar eine Verzehnfachung. Einig sind sich alle: Es braucht endlich mehr Geld. Überdies verliert das Programm mit Großbritannien einen fetten Nettozahler, was aufgefangen werden muss.  

Viel wurde Erasmus schon verlacht - als Partysemester an der Mittelmeerküste, und überhaupt: An den Universitäten bildeten sich Blasen von ausländischen Studenten, die vom Land selbst kaum etwas mitbekommen würden, wie Kritiker gelegentlich sagen. Tatsächlich, so zeigen Studien, ist das europäische Auslandssemester aber eine Charakterschule. Wer längere Zeit im Ausland verbringt, lernt die sozialen Mechanismen einer fremden Umgebung und damit indirekt auch sein eigenes Land besser verstehen. 48 Prozent der deutschen Teilnehmer geben an, sie wollten sich danach stärker als vorher gegen Fremdenfeindlichkeit engagieren.

Die endgültigen Regelungen für die nächste Erasmus-Generation müssen noch mit den Mitgliedstaaten ausgehandelt werden. Das wird erst nach der Europawahl im Mai erwartet. Großbritannien ist dann wohl nicht mehr Mitglied der Europäischen Union. Auch mit geregeltem Brexit läuft Erasmus 2020 dort aus. Allerdings haben die Briten die Möglichkeit, ähnlich wie die Türkei, trotzdem am Programm teilzunehmen, was dann neu verhandelt werden müsste. Die Voraussetzung: Die Briten müssen es wollen. Der nächsten Generation Europas wäre es zu wünschen.

Quelle: n-tv.de

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