Bundestrainer fehlen ArgumenteDas deutsche Eishockey dreht sich verhängnisvoll im Kreis

Nach dem bitteren Aus in Zürich blickt der DEB nach vorne. Die Heim-WM mit dem geplanten Eröffnungsspiel auf Schalke wird dem Weltverband vorgestellt. Doch mit welchem Trainer geht das deutsche Team in die Mission?
Für die Eishockey-Nationalspieler hat nach der erneuten WM-Enttäuschung der Sommerurlaub begonnen, für den Verband geht dagegen die Arbeit für die Weltmeisterschaft vor eigenem Publikum in die heiße Phase. Am Donnerstag und Freitag tagt der Kongress des Weltverbands IIHF in Zürich und soll sein Okay für das Eröffnungsspiel im kommenden Jahr auf Schalke geben.
OK-Chef Claus Gröbner stellt die Planungen für die neunte A-WM in Deutschland vor, die Spiele werden nach dem Auftakt im Fußballstadion von Schalke 04 vor rund 63.000 Zuschauern in Düsseldorf und Mannheim ausgetragen. Das Budget steht, der Spielplan wird gleich nach dem diesjährigen Finale ab kommendem Montag festgelegt, der Kartenverkauf soll spätestens im Herbst starten.
Keine Argumente für Weiterbeschäftigung
Nur eine wichtige Frage ist offen, bei der der Weltverband keine Mitsprache hat: Wer steht bei der Heim-WM an der deutschen Bande? Harold Kreis hatte in Zürich mit dem erneuten Vorrunden-Aus und Platz zehn in der Endabrechnung das dritte enttäuschende Turnier in Folge zu verantworten. Argumente für eine Weiterbeschäftigung lieferte der 67-Jährige nicht.
Im Gegenteil: Seine Mannschaft, der viele Stammkräfte nicht nur wegen Verletzungen fehlten, entwickelte sich spielerisch zurück, die so wichtigen "Special Teams" für Über- und Unterzahl kamen erst zu spät oder gar nicht auf Touren, Kreis selbst wirkte passiv, dünnhäutig und nicht regelfest. Hätte er gegen die USA beim späten Ausgleich den Videobeweis gefordert, den er glaubte nicht fordern zu können, hätte es womöglich zum Sieg und am Ende zum Weiterkommen gereicht.
Wenn Sportvorstand Christian Künast, der selbst in der Kritik steht, ab Montag - mit Kreis - in die Analyse geht, steht auch die Frage im Raum: Kann der Deutsch-Kanadier ein "Aushängeschild", wie intern gefordert, für die Heim-WM sein und neue Euphorie entfachen? Bisher "ist uns das leider nicht gelungen", gab Künast zu. Aber er verwies auf die WM vor 16 Jahren in Köln und Mannheim: "2009 waren wir in der Relegation, 2010 dann im Halbfinale."
Neues Konzept wird vorgestellt
Die Weltmeisterschaft 2010, die letzte, die komplett in Deutschland ausgetragen wurde, ist in der Tat eine wichtige Orientierung für die Organisatoren der Ausgabe im nächsten Jahr. Damals kamen knapp 550.000 Zuschauer inklusive des Weltrekordspiels auf Schalke, die Auslastung der Arenen lag bei etwa 60 Prozent. Das Budget von damals 17 Millionen Euro dürfte sich nach SID-Informationen etwa verdoppeln und damit über dem der WM 2017 in Köln und Paris (25 Millionen Euro), aber deutlich unter dem der aktuellen Weltmeisterschaft in der Schweiz (55 Millionen Euro) liegen.
In der Schalker Arena wird diesmal auf die Bestuhlung im Innenraum verzichtet - aufgrund strengerer Sicherheitsbestimmungen, aber auch wegen der eingeschränkten Sicht, die 2010 bei Teilen der Rekordkulisse von 77.803 Zuschauern für Ärger gesorgt hatte. Bei den Spielen der deutschen Mannschaft soll es Stehplätze geben. Und am Ende soll ein Gewinn für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) übrig bleiben, der nicht wie 2010 (1,5 Millionen Euro) zum Schuldenabbau, sondern wie 2017 (2,0 Millionen) vor allem für die Nachwuchsarbeit verwendet werden soll.
Wie, das stellen Künast und der Vorstandsvorsitzende Frank Lurz am 13. Juni bei der DEB-Mitgliederversammlung in Ingolstadt vor, wenn sie ihr neues Konzept vorlegen. "Wir werden Dinge präsentieren, die uns hoffentlich langfristig weiterhelfen werden, aber auch kurzfristige Anpassungen", kündigte Künast an, der auch die Ligen "beim Ausbilden" verstärkt einbinden will. Dann sollten auch die Ergebnisse der WM-Analyse vorliegen - und die Antwort auf die Frage nach Kreis' Zukunft.