Sport

Kritik an Manipulateur Mark S. Doping-Beichte ist nur "Selbstverteidigung"

Blutdoping-Prozess gegen Erfurter Arzt Mark S.

Das mangelhafte Geständnis des Erfurter Arztes Mark S. sorgt für viel Kritik.

(Foto: dpa)

Vor dem Landgericht München II hat der Hauptangeklagte Mark S. im Dopingprozess ein Geständnis abgelegt. Doch daran gibt es bereits Kritik. Einer seiner ehemaligen Doping-Kunden entlastet den Sportmediziner - und lobt ihn auf bizarre Art und Weise sogar.

Während die Anwälte von Mark S. auch am Mittwoch im Dopingprozess vor dem Landgericht München II um ein möglichst mildes Urteil für ihren Mandanten kämpften, gab es aus Sport und Politik heftige Kritik am Geständnis des Hauptangeklagten. Zu wenig Aufklärung habe der Erfurter Sportmediziner geleistet, nach dem Motto: Nur das zugeben, was ohnehin nicht mehr abzustreiten ist. Teilweise herrschte bei den Beobachtern sogar "Fassungslosigkeit".

"Ich will dem Urteil durch eigene Interpretationen nicht vorgreifen, aber die Art des Geständnisses des Hauptangeklagten lässt leider viele wichtige Fragen offen und dient erkennbar in erster Linie der Selbstverteidigung und nicht der wichtigen Aufklärung des gesamten Szenarios rund um den Arzt", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann auf SID-Anfrage. Er hoffe nun im weiteren Prozessverlauf auf "wertvolle Informationen" und eine "sachgerechte Strafe".

Auch Sportrechtler Michael Lehner war von der Aussage des Hauptangeklagten nicht überzeugt. "Das war ein Geständnis in Anführungszeichen. Mark S. hat nur das eingeräumt, was ihm ohnehin schon zu 100 Prozent nachgewiesen ist. Wenn jemand gesteht, dann muss er wahrheitsgemäß und in vollem Umfang auspacken", sagte Lehner, der den Kronzeugen Johannes Dürr als Anwalt beriet, dem SID.

"Das wird ihm niemand glauben"

Am Dienstag hatte Mark S. eine halbstündige Erklärung durch seine Anwälte verlesen lassen. Dabei betonte er ausdrücklich, er habe nicht aus finanziellen Motiven gehandelt. Zudem sei es ihm wichtig gewesen, dass es keine gesundheitlichen Schäden bei den Sportlern gebe. "Die Aussage von Mark S. ist nur zu verstehen, wenn man in das Gesetz schaut und guckt, wo sind die Strafverschärfungen", sagte Lehner. Im Anti-Doping-Gesetz sind für gewerbsmäßige Taten oder bei der Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung eine Höchststrafe von bis zu zehn Jahren vorgesehen.

"Das wird ihm niemand glauben, da wird man ihm das Gegenteil beweisen können. Da kommt er rein objektiv nicht raus. Dieses Abstreiten in der Hoffnung, man kann es ihm nicht nachweisen, halte ich für unklug", sagte Lehner weiter. Und: "Wenn ich höre, er hätte mit seinen Dopinghandlungen nichts verdient, dann kann ich das nicht glauben."

Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, äußerte sich ähnlich. "Altruistische Motive wären in der Szene ja mal etwas ganz Neues. Ich denke, dass er damit den juristisch relevanten Tatbestand der "Gewerbsmäßigkeit" vom Tisch schaffen will", sagte die SPD-Politikerin, die die Aussage "mit weitgehender Fassungslosigkeit" aufnahm: "Wenn er den Sport tatsächlich lieben würde, hätte er reinen Tisch gemacht, alle Involvierten benannt und Reue über den Verrat an den sauberen Athlet*innen gezeigt."

Für Lehner war die Aussage von Mark S. aber noch aus anderer Sicht eine vergebene Chance. "Ich denke, dass die Beteiligten, die überführt sind, eine ganz große Verantwortung haben, für junge Sportler ein Vorbild zu sein in der Art: 'Schaut, ich bin da reingeraten. Passt auf, dass es euch nicht so geht'", sagte er: "Mark S. verursacht nur Konsterniertheit bei allen. Nach dem Motto: 'Versuch' einfach nur, dich nicht erwischen zu lassen.'"

"Seriös, gewissenhaft und professionell"

Der frühere Langläufer Johannes Dürr hat dem Arzt derweil keine Schuld an der eigenen Dopingvergangenheit gegeben und den Mediziner stattdessen sogar für dessen Vorgehen bei den Blutmanipulationen gelobt. "Ich habe selbst entschieden zu dopen, und Mark hat mir dabei geholfen. Mark ist nicht dafür verantwortlich, dass ich zum Doping gekommen bin", sagte der Österreicher bei seiner Zeugenaussage im Doping-Strafprozess gegen den Erfurter Arzt und vier von dessen Komplizen am Mittwoch vor dem Landgericht München II.

Der 33 Jahre alte Wintersportler wurde von Mark S. mit Blutdoping und Wachstumshormonen versorgt, wie er berichtete. Dürr hatte bereits oft ausgesagt, unter anderem in einem Strafprozess gegen sich in Innsbruck. Dort wurde er Anfang dieses Jahres wegen Dopings zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Dürr sagte aus, dass er von Mark S. ab 2014 vor allem mit Blutdoping versorgt worden ist. Er sei nach Jahren im Metier und nach Gesprächen mit einem ehemaligen Trainer zum Entschluss gekommen, dass Doping zum Erfolg nötig sei. "Ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass ich im Spitzensport jemanden betrogen habe", sagte er. "Für mein Gefühl habe ich keinen anderen Athleten im Wettkampf betrogen."

Mark S. habe er vertraut. "Ich habe mich bei Mark in sicheren, professionellen Händen gefühlt", sagte Dürr. Anders als in Berichten über eine "dunkle, verruchte Szene" habe er den Arzt "seriös, gewissenhaft und hochprofessionell" erlebt.

Quelle: ntv.de, dbe/sid