Formel1

Hülkenberg bestätigt F1-Aus Der Superheld, der nie gewinnen konnte

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"Ich würde gern weiterfahren. Aber wenn nicht, dann ist es so."

(Foto: imago images/HochZwei)

177 Rennen hat Nico Hülkenberg in der Formel 1 absolviert. Der Renault-Pilot hält damit den Rekord für die meisten Teilnahmen, ohne es je unter die Top drei geschafft zu haben. In Brasilien kehrt er zurück an den Ort seines größten Erfolges - zum vorerst letzten Mal in der Königsklasse des Motorsports.

Endlich weiß Nico Hülkenberg, wie er schneller durch den schrecklichen Verkehr in São Paulo kommt. Einfach per Helikopter. In der Formel 1 aber ist Hülkenberg nie der Überflieger geworden, den so mancher in ihm gesehen hat. Denn der Rheinländer kam als Gewinnertyp, ausgestattet mit den besten Empfehlungen: Sieger der damaligen A1-Rennserie, Sieger der Formel-3-Euroserie, Sieger der GP 2, der damals höchsten Rennklasse unter der Formel 1. Was will ein Rennfahrertalent mehr? Der Einstieg in die Motorsport-Königsklasse wirkte 2010 wie der logische Schritt für ihn. Und dann noch bei Williams. Für das britische Traditionsteam waren zuvor schon die Deutschen Heinz-Harald Frentzen, Ralf Schumacher, Nick Heidfeld und Nico Rosberg gefahren.

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2010 debütiert Hülkenberg im Qualifying von Sao Paulo - und fährt vor dem späteren Weltmeister Sebastian Vettel und dessen Teamkollegen Mark Webber auf Startplatz eins.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Hülkenbergs große Stunde schlägt an einem 6. November vor neun Jahren in São Paulo. Die Qualifikation wird zum großen Regenspektakel mit dem großen Gewinner namens Hülkenberg. "Ich kann es nicht glauben", sagte der gebürtige Emmericher damals. Um über eine Sekunde hatte er Sebastian Vettel im Red Bull auf Platz zwei verwiesen. "Als ich noch jung und schnell war", schrieb Hülkenberg nun rückblickend mit einem Zwinkersmiley zu einem Video von damals bei Instagram. So gut, so schön.

Wenn er nur in einem Top-Team ...

Im Rennen wurde Hülkenberg Achter, beim Saisonfinale in Abu Dhabi 16. - und dann geriet die Formel-1-Karriere des hoch gehandelten Neulings auch schon wieder ins Stocken. Im teaminternen Duell mit Routinier Rubens Barrichello hatte Hülkenberg klar das Nachsehen, sein Vertrag bei Williams wurde nicht verlängert. Er wurde für die Saison 2011 Testfahrer bei Force India, 2012 stieg er dort zum Stammfahrer auf. 2013 fuhr Hülkenberg für den Schweizer Sauber-Rennstall. Von 2014 bis einschließlich 2016 war es wieder Force India, ehe er 2017 zu Renault wechselte. Das half dem französischen Formel-1-Rückkehrer dabei, konkurrenzfähig zu werden – doch der erhoffte Anschluss an die Spitze blieb aus. Bei Renault erhielt er nach drei Jahren keinen neuen Vertrag. Die Franzosen setzen ab der kommenden Saison neben dem Australier Daniel Ricciardo auf Esteban Ocon - Franzose aus der Mercedes-Nachwuchsschule.

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Was in der Aufzählung fehlt, sind die drei großen Teams: Mercedes, Ferrari, Red Bull. Jüngst bestätigte Red Bull, dass der in der laufenden Saison von Toro Rosso beförderte Alexander Albon auch 2020 neben Max Verstappen fährt. An die zugegeben minimale Chance, doch noch bei einem Top-Team zu landen, glaubte Hülkenberg da allerdings schon nicht mehr. "Irgendwann musst du außen schauen, was das Nächstbeste ist", meinte er bereits. "Er ist der Superheld mit dem Talent, ein Rennsuperstar zu werden - wenn er nur in einem Top-Team seine Muskeln spielen lassen könnte", urteilt die Formel 1 auf ihrer Homepage über Hülkenberg, der den Spitznamen "Hulk" trägt.

Und so kommt es, dass dieser Nico Hülkenberg, der 2015 die legendären 24 Stunden von Le Mans gewann, vorerst das letzte Mal als Formel-1-Fahrer zum Großen Preis von Brasilien gereist ist. "Es ist kein Rücktritt. Es ist das Formel-1-Aus für 2020. Ob sich danach was ergibt, weiß keiner", betonte er am Donnerstag bei einer Medienrunde: "Ich liebe diesen Sport und ich werde mich bereit und fit halten, wenn es die Möglichkeit für ein Comeback geben würde." Er komme gut klar damit, betonte er, nachdem er zuvor noch mal in Erinnerungen geschwelgt hatte. "Die Pole Position 2010 war etwas ganz Besonderes", sagt er heute.

Renault setzt nicht mehr auf ihn

Auf der einzigen Runde über die gut vier Kilometer passte einfach alles. Ansonsten passte aber nicht so viel in seiner Formel-1-Karriere, um das zu schaffen, was er bei seinem Einstieg wollte: Siegfahrer, Weltmeister werden. Hülkenberg wechselte mehrmals das Management, einen Platz in einem der drei erfolgversprechenden Teams brachte ihm das auch nicht ein. Viel hätte, wäre, wenn, aber wenig Zählbares. Stattdessen ist er der Pilot mit den meisten Grand-Prix-Teilnahmen (177) in der Formel 1, ohne es jemals aufs Podest geschafft zu haben. Dreimal Vierter steht in der Sparte der besten Rennergebnisse. Mittlerweile ist Hülkenberg 32 Jahre alt.

Ohne genauen Zukunftsplan nach Brasilien gereist zu sein, ist er indes schon gewohnt. Was er beruflich im kommenden Jahr machen will, wisse er nicht. Finanziell dürfte sich der Rheinländer mit Wahlwohnsitz Monaco keine allzu großen Sorgen machen müssen. Er wolle die Gelegenheit aber nutzen, auch mal außerhalb der Hauptreisezeit in den Urlaub zu fahren, da sei es günstiger, scherzte Hülkenberg. 

Einen nicht ganz günstigen Trip hat er sich aber auch schon für nächstes Jahr vorgenommen: Hülkenberg, ein riesiger Tennis-Fan, will nach Melbourne reisen zu den Australian Open. Den Saisonauftakt der Formel 1 ein paar Wochen später in der australischen Metropole wird er höchstens vorm Fernseher verfolgen, wenn in Sebastian Vettel aller Voraussicht nach nur noch ein deutscher Fahrer am Start sein wird.

Quelle: n-tv.de, tsi/dpa