WM-Spitzenreiter Andrea Kimi Antonelli hat sensationell den Großen Preis von Italien gewonnen: Wegen einer Strafe nur von Rang 19 gestartet, jagte der 20-Jährige wie entfesselt durchs Feld, fing kurz vor Rennende noch seinen Mercedes-Rivalen George Russell ab und triumphierte. Dritter wurde Max Verstappen im Red Bull. Antonelli ließ sich auch nicht beirren, als ihn Russell vier Runden vor Schluss in der ersten Schikane nach einem Fahrfehler ins Kiesbett drängte. Dafür raste der Puls von Teamchef Toto Wolff in die Höhe.
"Das fühlt sich wie ein Traum an", funkte ein vor Glück aufgelöster Antonelli nach seinem siebten GP-Sieg. Wolff adelte ihn zu "unserem italienischen Helden". Beim Siegerinterview schallten "Kimi-Kimi-Kimi"-Sprechchöre durch den Königlichen Park. "Unglaublich, mir fehlen die Worte. Mein Puls ist ganz oben im Himmel", krächzte Papa Marco. Einen weiteren Weg vom Startplatz bis zum Sieg hatte in der Formel 1 bislang zudem erst einer hingelegt: 1983 fuhr John Watson in den USA von Rang 22 nach ganz vorne.
Ferrari erlebte beim Heimspiel auf dem Autodromo Nazionale einen Tag zum Vergessen. Charles Leclerc schied nach einem heftigen Crash schon in der dritten Runde aus. Superstar Lewis Hamilton belegte auch wegen einer verpatzten Reifenstrategie lediglich Platz sechs. Die Trauer der Tifosi über den Doppelsieg der Silberpfeile auf rotem Territorium linderte einzig Antonellis Parforceritt. Er ist der erste Italiener seit 60 Jahren, der in Monza gewonnen hat. Mit dem Sieg baute Antonelli seine Führung in der Fahrer-WM vor Russell auf 66 Punkte aus.
Heftiger Ferrari-Crash schockt die Tifosi
Den Tifosi auf den Rängen fuhr schon früh der Schreck in die Glieder. Das Heck von Leclercs Ferrari brach in der superschnellen Parabolica aus, der Monegasse krachte in die Bande. Leclerc kletterte selbstständig und unverletzt aus dem Wrack, ließ sich tief enttäuscht auf dem Rasen abseits der Strecke nieder, wirkte benommen. Ferrari gab nach dem Besuch im Medical Centre schnell Entwarnung, Leclerc sei okay. Zunächst kam das Safety Car auf die Strecke, wenig später wurde der Grand Prix mit Roter Flagge für rund eine halbe Stunde unterbrochen.
Zuvor war Leclerc nach dem Start in Kurve eins mit Hamilton aneinandergeraten. "Charles hat mich abgedrängt!", meckerte der Engländer. Für Hamilton lief das Rennen nicht wie erwünscht: Schon früh wurde er vom anstürmenden Antonelli geschluckt, später konnte er die Pace von Mercedes und Red-Bull-Mann Verstappen nicht halten. Weil ihm Ferrari während eines virtuellen Safety Cars keine frischen Reifen aufzog, hatte er letztlich mit "furchtbaren" Pneus auch gegen die McLaren-Boliden von Lando Norris (4.) und Oscar Piastri (5.) das Nachsehen.
Der Franzose Pierre Gasly, der am Samstag im Alpine völlig überraschend auf Pole Position gerast war, überzeugte als Siebter. Audi-Fahrer Nico Hülkenberg verpasste die Punkteränge: Der einzige Deutsche im Feld beendete das 13. Saisonrennen auf Rang zwölf.

