Seine beiden prominenten Streithähne hat Fred Vasseur mittlerweile wieder im Griff, doch Ruhe herrscht bei Ferrari längst noch nicht. "Ich muss das Team schützen, das gehört zu meinen Aufgaben. Und genau das habe ich auch den beiden gesagt", berichtete der Teamchef mit Blick auf Lewis Hamilton und Charles Leclerc, die sich ausgerechnet beim Ferrari-Heimspiel am vergangenen Wochenende in Monza heftig in die Quere gekommen waren.
Hamilton kam nur als Sechster ins Ziel, Leclerc schied nach einem Unfall aus. Mit etwas Abstand nahm Leclerc nun die Schuld auf sich. "Ich bin zu weit gegangen. Wir haben die Situation geklärt", sagte er. Hamilton betonte, er wisse es "zu schätzen, dass er sich nicht vor diesem Gespräch gescheut hat, sondern mir gegenüber ganz offen ist."
Mehrere Probleme
Doch ob dieses klärende Gespräch die Saison retten kann? Vor dem Großen Preis von Spanien am Sonntag (15 Uhr/RTL und Sky und im Liveticker auf ntv.de) auf dem neuen "Madring" in der Hauptstadt ist Hamilton in der WM Dritter. 76 Punkte liegt er hinter dem Überflieger Kimi Antonelli zurück, Leclerc hat gar einen Rückstand von 112 Zählern. Der WM-Titel ist für Ferrari in weite Ferne gerückt.
Das hat diverse Gründe. Die Rivalität zwischen Leclerc und Hamilton, die beide den Anspruch auf die Nummer eins bei Ferrari erheben und einander wenig gönnen, ist nur ein Punkt. Zudem lag das Team mit seinen Rennstrategien mehrmals falsch. Dabei muss jedes Rädchen ineinandergreifen, damit Ferrari mit Mercedes mithalten kann.
Vasseur betonte, er habe seine beiden Fahrer "an einige Grundprinzipien meiner Teamführung erinnert." Es gebe durchaus einige "Verhaltensregeln", jedoch könne man "nicht erwarten, dass in den Verträgen sämtliche Szenarien aufgeführt sind, die auf der Strecke vorkommen können."
"Gibt hier keine Regeln"
In seiner Zeit bei Mercedes habe es schriftliche Regeln für teaminterne Duelle gegebenen, hatte Hamilton geschimpft, "hier gibt es keine Regeln."
Einige Dinge, so lassen sich Vasseurs Aussagen verstehen, müssen die Fahrer also einfach unter sich klären. Allerdings sind derlei Scharmützel unter Spitzenpiloten normal, dafür gibt es aus der Vergangenheit und Gegenwart unzählige Beispiele.
Aktuell knirscht es auch bei Mercedes zwischen Antonelli und George Russell immer wieder. Und Lando Norris' Verhältnis zu seinem McLaren-Teamkollegen Oscar Piastri ist ebenfalls nicht unbeschwert.
"Ist unvermeidlich"
"Solche Zweikämpfe sind ganz normal in unserem Sport", sagte Hamilton: "Es ist auch unvermeidlich, dass wir uns auf der Strecke wieder treffen werden. Denn er will genauso sehr ein gutes Ergebnis erringen wie ich."
Ein solches wäre für die Stimmung in Maranello dringend nötig, das Wochenende in Monza war schließlich ein absolutes Debakel für Ferrari. "Ich bin absolut davon überzeugt, dass Ferrari alles hat, was für einen Sieg nötig ist. Wir haben in diesem Jahr gute Fortschritte gemacht", sagte Hamilton: "Ich vertraue Fred. Wir müssen einfach weiter hart arbeiten und vorankommen."



