Giganten-Duelle? Gut so

Die WM-Setzliste ist das kleinste FIFA-Problem

imageEin Kommentar von Emmanuel Schneider
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Lionel Messi bejubelt den Halbfinal-Einzug. (Foto: AP Photo/Reed Hoffmann)
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14.07.2026 | 19:45 Uhr
Die vier in der Weltrangliste top platzierten Teams treffen sich im WM-Halbfinale. Das gab es noch nie. Die FIFA ermöglicht es durch eine neue Setzliste. All das kann man machen, das eigentliche Problem liegt woanders.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026, und damit die FIFA, bekommt die Halbfinals, die sie wollte. Die Fußball-Welt zieht Bilanz und staunt: Die vier bestplatzierten Nationen der Weltrangliste stehen auch in der Runde der besten vier. Durch eine Setzliste für die K.-o.-Phase hat die FIFA diese Duelle von vornherein möglich gemacht. Die Topteams Frankreich und Spanien sowie England und Argentinien wurden auf je zwei unterschiedliche Äste des Turnierbaums gepackt, konnten also vorher nicht aufeinandertreffen.

Daran gibt es auch allerhand Kritik. Viele finden diese Modellierung des Spielplans doof, sie helfe den Favoriten, es gebe weniger Unwägbarkeiten. Viele Partien vor dem Halbfinale hätten dadurch eine ähnliche Dynamik: Es sind häufig David-gegen-Goliath-Duelle. Für einen Aufschrei taugt das aber nicht. Nun krankt es bei dieser WM, dieser FIFA, wirklich an sehr vielem, aber die Setzlisten-Regelung ist es nicht.

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Natürlich sieht die FIFA es gerne, wenn die vier stärksten Teams im Halbfinale stehen. Das gibt sie selbst zu. Die Regelung ist schon seit der Auslosung bekannt. Die Spiele zwischen Kylian Mbappé und Lamine Yamal, zwischen Lionel Messi und Harry Kane lassen sich grandios vermarkten, also damit Geld verdienen. Überrascht das irgendjemanden?

So klar waren die Halbfinals nicht

Natürlich lieben Fußball-Fans auch Überraschungen und Underdog-Storys. Dass diese Vierer-Konstellation der Favoriten entsteht, ist allerdings sportlich gerecht. Die Besten sollen sich am Ende messen. Und ist es nicht auch im Interesse der Fans, dass die vier besten Teams erst spät im Turnier aufeinandertreffen? Die allermeisten werden kräftig mitfiebern. Es ist das Beste, das der Weltfußball zu bieten hat.

Im Tennis spielten erst vor wenigen Tagen die Nummer eins der Welt, Jannik Sinner, gegen Alexander Zverev, die Nummer zwei, im Wimbledon-Finale gegeneinander. Auch das ermöglicht traditionell eine Setzliste. Ernsthaft darüber beschwert hat sich niemand. Das Finale wird gefeiert. Schon klar, Fußball ist nicht Tennis, aber das Kräftemessen der Giganten erst im Halbfinale? Eigentlich nur logisch.

Hinzu kommt: Überraschungen werden auch gar nicht ausgeschlossen. Titelverteidiger Argentinien brauchte gleich mehrere Geniestreiche von Enzo Fernandez und Messi, um ein Ausscheiden gegen Inselstaat Kap Verde und Ägypten abzuwenden. Die viel gelobten Engländer zerschellten fast an der Höhenluft in Mexiko-Stadt und dem Aztekenstadion, mussten auch danach gegen Norwegen kräftig leiden. Spanien mühte sich gegen Belgien, genau wie Frankreich gegen Paraguay. Zudem mussten die Favoriten auch erst alle ihre Gruppen gewinnen, was kein Selbstläufer ist. Im entscheidenden Gruppenspiel schonte Norwegen gegen Frankreich aber seine Stars.

Die Halbfinals hätten gut und gerne auch Marokko gegen Belgien und Norwegen gegen Schweiz lauten können. Und es wäre grandios gewesen. Dass es nun aber zur Favoritenschlacht kommt, war sicher vorherzusehen, benötigte aber trotzdem einige Zufälle.

Entscheidungen befeuern Verschwörungstheorien

Titelverteidiger Argentinien hat tatsächlich einen "einfachen" Turnierweg. Diese Diskussionen gab es auch schon früher. 2002 profitierte Deutschland zum Beispiel von einem relativ einfachen Turnierbaum. Nach Duellen gegen Paraguay, USA und Südkorea stand die DFB-Elf im Finale.

Auch können die Setzliste oder die FIFA nichts dafür, dass einstige Schwergewichte wie Deutschland, Brasilien oder die Niederlande 2026 nicht mehr mithalten. Sie hatten es in der eigenen Hand, die Top Vier aufzumischen - bizarre Schiedsrichter-Fehlentscheidungen wie dem aberkannten Tah-Tor des DFB-Teams mal beiseite.

Genau die werden aber zum großen Problem, wenn Favoriten wie Argentinien (keine Rote Karte gegen Messi im Auftaktspiel, zurückgenommenes Tor von Ägypten, kein Elfmeter) oder England (Spidercam-Gate) profitieren. Das befeuert irrlichternde Verschwörungstheorien, die die FIFA hinter wirklich allem sehen, was auf dem Platz passiert. Diese schaden nicht nur dem Weltverband und den Restbeständen der Integrität des Spiels. Nach dem "Fall Balogun" und dem intransparenten Handeln ist davon aber auch nur noch wenig bis nichts übrig. Genauso gilt es, eine noch größere XXL-WM mit 64 Teilnehmern zu verhindern und das Turnier komplett aufzublasen.

Diese Probleme muss die FIFA dringend lösen, die Setzliste kann gerne bleiben.

Verwendete Quelle: ntv.de