Dümmstes Foul der WM

Frankreichs überforderte Superstars fallen in Schockstarre

imageVon Tobias Nordmann
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15.07.2026 | 06:12 Uhr
Frankreich fliegt sang- und klanglos raus: Im WM-Halbfinale erwischen die "Les Bleus" einen ganz schwachen Abend. Gegner Spanien raubt der Superstar-Truppe alle Stärken. Ein absurd dummes Foul ebnet den Weg zum Sieg für die Iberer.

Im Gesicht von Kylian Mbappé regte sich nichts mehr. Das erste WM-Halbfinale zwischen seinen Franzosen und Spanien war gerade abgepfiffen worden, da fuhr dem Superstar die Schockstarre in die Glieder. Aus, vorbei, der Traum vom nächsten WM-Titel war geplatzt. Überraschend jäh. Mit 0:2 (0:1) war der Topfavorit gescheitert. Das kann gegen Spanien passieren. Aber so? Nein, so nicht. Frankreich war chancenlos. Sang- und klanglos aus dem Turnier gepfeffert worden. Das offensiv brillanteste Team der Welt brach sich die hochbegabten Beine.

Kuriose Szene: Kult-Schiri sorgt für Lacher

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Sie hätten an diesem Nachmittag (Ortszeit) in Dallas ewig weiterspielen können, ob sie jemals ein Tor erzielt hätten? Fraglich. Unwahrscheinlich. Spanien raubte der Mannschaft von Didier Deschamps einfach alles. Und so stellt sich beim Urteilsspruch über dieses Spiel die berühmte Frage nach der Henne und dem Ei. War Frankreich so schlecht oder waren die Spanier einfach über alle Maßen gut? Für beides gibt es Argumente. Den Willen konnte man der "Equipe Tricolore" nicht absprechen. Aber die Mannschaft wirkte von Beginn an hypernervös.

War die Last des Topfavoriten zu groß?

War die Last des Topfavoriten doch zu groß? Kaum vorstellbar. So viele Spieler schultern sie Woche für Woche in ihren Vereinen. Mbappé bei Real Madrid, Ousmane Dembélé bei Paris St. Germain, Michael Olise beim FC Bayern. Doch sie alle waren nicht zu sehen. Wie kleine Insekten krabbelten sie der spanischen Spinne blind in die Falle. Die hatte ein unsichtbares Netz über das Feld gespannt, in der sie reiche Beute machte. Im Mittelfeld stellten der brillante Rodri und der unfassbar gute Fabian alle Räume zu und kontrollierten bei Ballbesitz einfach alles. Mit Dani Olmo hatten sie einen edlen, offensiven Verbindungsspieler an der Seite. Frankreich fand niemanden, der den Maschinenraum erobern konnte. Aurelien Tchouameni und Adrien Rabiot wirkten überfordert.

Traumhafter Spielzug lässt Frankreich verzweifeln

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Ebenso wie Lucas Digne. In der 20. Minute raubte sein Blackout Frankreich früh die Hoffnungen. Gegen die beste Defensive des Turniers war ein Rückstand ein Schreckensszenario. Das sich nun eben erfüllte. Digne wollte einen Ball im Strafraum klären. Bekam aber offenbar nicht mit, dass der forsche Superteenie Lamine Yamal hinter ihm lauerte. Der 19-Jährige hatte den Franzosen vor dem Spiel erklärt, wie viel Angst sie vor Spanien haben müssten. Eine mutige Ansage, die sich aber offenbar in die Köpfe der "Les Bleus" geschlichen hatte. Digne traf nun zwar auch den Ball, tritt aber auch tüchtig gegen den Körper von Yamal. Elfmeter, 0:1 durch Mikel Oyarzabal.

Dignes fataler Blackout

Es war eines der dümmsten Fouls des Turniers. Vielleicht sogar darüber hinaus. Es war aber auch eins mit Ansage. Schon zuvor hatten sich die Franzosen zwei Leichtsinnsfouls erlaubt. Eines führte zu einem Freistoß in bester Position. Spanien ließ die Szene ungenutzt. Ein Wachsamkeitsblitz durchfuhr die Franzosen nicht. Das Team blieb passiv, ratlos, manchmal fast ängstlich. Zu keiner Zeit konnten sie den Staub, der auf ihnen lag, abschütteln. "Wir haben nicht das Spiel gemacht, das wir machen wollten, weder taktisch, noch technisch, noch in Bezug auf das Gesamtlevel, das wir gezeigt haben. Und wenn du in einem WM-Halbfinale nicht das machst, was du machen sollst, gewinnst du nicht", sagte Mbappé beim französischen Sender M6: "Es war ein Traum für uns, ins Finale zu kommen. Wenn man gewinnt, gewinnt man mit erhobenem Haupt, also muss man, wenn man verliert, auch mit erhobenem Haupt verlieren."

Tollpatsch-Elfer schockt Frankreich - und Spanien jubelt

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Das fiel Frankreich aber sichtlich schwer. Dembélé war ein schimpfender Schatten, Olise unauffällig wie selten in den vergangenen beiden Jahren. Mbappé bemüht, aber glücklos. Der Fußball-Gigant Mbappé legte den Kopf voller Verzweiflung in den Nacken. Er räumte ein, dass "enorm viel Enttäuschung" gebe und Les Bleus gegen die Spanier "zu viele technische Ungenauigkeiten" im Spiel hatten, um "ihnen wehzutun". Wenige Minuten später trottete er geschlagen vom Feld, sein Trainer Didier Deschamps stellte sich tief enttäuscht den ersten Fragen. "Die Spieler sind am Boden. Wir waren sehr positiv gestimmt", sagte er und sprach dann einen Satz aus, den vorher so niemand erwartet hätte: "Spanien hat heute gezeigt, dass sie auf einem anderen Niveau spielen."

Beim 2:0 wurde das besonders deutlich. Das Tor von Pedro Porro war eine Lieblingserklärung an die Schönheit des Fußballs, an die Leichtigkeit des Seins. Der Torschütze leitete die Situation selbst ein, indem er ins Zentrum auf Dani Olmo spielte. Der spürte Bayern-Star Dayot Upamecano im Rücken, leitete aber geistesgegenwärtig in den Lauf seines Mitspielers weiter. Der hatte seinen Gegner locker abgeschüttelt. Im Eins-gegen-eins überwand Pedro Porro letztlich Maignan.

De la Fuente ist schockverliebt

Einen klaren Favoriten hatte dieses Spiel eigentlich nicht. Und wenn, dann eher die Franzosen. Die aber riefen zur Unzeit ihre schlechteste Leistung ab. Einmal im Turnier erwischt es jede Mannschaft. Spanien direkt zum Auftakt gegen Kap Verde. Das schärfte womöglich nochmal die Sinne. "Diese Spieler haben es einfach verdient, weil sie Leidenschaft auf den Platz bringen und solidarisch spielen und ein extrem großes Talent haben. Das, was schwer erscheint, haben sie mit Leichtigkeit bewältigt", sagte Trainer Luis de la Fuente.

Dass die Spanier die Franzosen zuletzt gleich zweimal auf großer Bühne besiegt hatten, sorgte neben Yamals Kampfansage für zusätzliche Brisanz. Sowohl im Halbfinale der EM 2024 als auch in jenem der Nations League 2025 triumphierte Spanien. Die Partie war ein epischer Schlagabtausch. Das 5:4 hatte die Hoffnung genährt, dass die WM nun ein großes Spektakel erleben würde. Diese Hoffnung zerstörte Spanien. Das zu keiner Zeit bereit war, unnötiges Risiko einzugehen. Mit ihren begnadeten Fußballern, die auf jedem Zentimeter des Feldes eine gute Lösung finden können, schnappten sie sich die Kontrolle und gaben sie nie mehr her. Die Franzosen, wenn im Ballbesitz, leisteten sich allerdings auch ungewöhnlich viele Ungenauigkeiten.

Der Traum vom dritten WM-Finale in Serie platzte für die Franzosen so auf bittere Weise. "Das Feuerwerk ist abgesagt. An diesem Dienstagabend in Dallas wurden Les Bleus von der roten spanischen Welle überrollt", schrieb "Le Parisien". Die "L'Equipe" sah im Halbfinale "beinahe eine Lehrstunde". Die spanische Zeitung "Marca" schwärmte von einer "unvergesslichen Vorstellung. Die spanische Nationalmannschaft öffnete nachts den Prado und den Louvre, um ins zweite WM-Endspiel ihrer Geschichte einzuziehen." Für den englischen "Guardian" war der Erfolg "eine spektakuläre Lehre für alle, die meinten, Spanien als Außenseiter hinzustellen. Sie haben es genossen, eine Lektion zu erteilen und Frankreich zu Statisten zu degradieren."

Verwendete Quelle: ntv.de