Heiß und schwül ist es in Atlanta, Georgia, im Südosten der USA. Tropische Stürme suchen dieser Tage die Region heim. Während bei den WM-Spielen an vielen Orten sengende Hitze herrscht, fordern Klimaaktivisten - darunter ehemalige und aktive Profisportler - die FIFA dazu auf, ihre Verbindungen zur Öl- und Gasindustrie zu kappen. Besonders im Fokus: Der Deal mit Saudi Aramco, dem exklusiven Energiesponsor des XXL-Turniers - der zugleich der weltweit größte Verursacher von Kohlenstoffdioxid- beziehungsweise Treibhausgasemissionen unter den Unternehmen ist.
Kaum eine Entscheidung im Weltfußball findet noch ohne das Mitwirken Saudi-Arabiens statt. Und so mischt das Land auch bei dieser WM mit. Die enge Verbindung mit der FIFA und dem Turnier zeigt sich zusätzlich in der Entscheidung, den saudischen Staatsfonds (PIF), der unter dem Vorsitz des allmächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman steht, zum offiziellen Turnierpartner in Nordamerika und Asien für das Turnier zu ernennen.
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Die Vereinbarung baut nicht nur auf der Partnerschaft des PIF mit dem Weltverband im Rahmen der Klub-Weltmeisterschaft 2025 auf, sondern unterstreicht auch die sich vertiefenden wirtschaftlichen Verbindungen Saudi-Arabiens zum globalen Fußball. Diese will das Königreich im Vorfeld der Heim-Weltmeisterschaft 2034 unbedingt auch in den USA, Mexiko und Kanada ausbauen.
Offener Brief gegen Saudi-Sponsoring
Die Netze werden weiter ausgeworfen. Und somit steht vor dem zweiten Auftritt der Grünen Falken, in Atlanta fordert die saudische Nationalelf Spanien heraus (18 Uhr MESZ/MagentaTV und im Liveticker auf ntv.de), nicht nur der Fußball im Fokus. Aramco, das weltweit profitabelste Unternehmen und der größte Ölproduzent, gehört zu 97 Prozent dem saudi-arabischen Staat und dem PIF. Deshalb wird auch gegen das Königreich demonstriert, wenn an diesem Sonntag an fünf WM-Stadien Proteste gegen die umweltunfreundlichste Firma der Welt stattfinden, bei denen ein Ende der Sponsoring-Aktivitäten durch die fossile Brennstoffindustrie gefordert wird.
Vor gut einem Monat unterzeichnete eine Gruppe von Experten aus den Bereichen Gesundheit, Klimawissenschaft und Sport einen offenen Brief, in dem sie das WM-Sponsoring durch Aramco kritisierten und argumentierten, dass die "aktive Förderung" fossiler Brennstoffe "einen Interessenkonflikt mit dem Schutz des Wohlergehens der Spieler" darstelle.
Die FIFA, die eine eigene Klimastrategie besitzt und sich dazu verpflichtet hat, bis 2040 CO2-Neutralität zu erreichen, hat das 2024 in Kraft getretene Sponsoring durch Aramco bisher stets verteidigt. Bei dieser WM äußerte der Weltverband sich bisher nicht zu dem Thema, erklärte aber im Jahr 2024, er "schätze die Partnerschaft mit Aramco und seinen zahlreichen anderen kommerziellen Partnern und Rechtepartnern".
WM 2034 als größtmöglicher Preis
Nachdem sich die Saudis zum Auftakt mit einem 1:1-Unentschieden gegen Uruguay einen "psychologischen Schub" (Trainer Georgios Donis, der die Mannschaft erst zwei Monate vor der Weltmeisterschaft übernommen hatte) erkämpften, soll es sportlich weiter nach oben gehen. Seit der PIF in der Saudi Pro League damit begonnen hat, mit Geld um sich zu werfen, um große Namen wie Cristiano Ronaldo oder Neymar anzulocken, aber auch Trainingszentren und andere Strukturen zu verbessern, hat sich die Leistung der Nationalmannschaft stetig verbessert. 20 Jahre nach der demütigenden 0:8-Pleite gegen Deutschland bei der WM 2002 gab es etwa in Katar einen weltweit für Aufsehen sorgenden Sieg zum Auftakt gegen Lionel Messis Argentinien, den späteren Weltmeister.
Bis zur WM 2034, dem Turnier, das die FIFA Saudi-Arabien vor die Füße legte, sollen die Grünen Falken noch wettbewerbsreifer mit den Großen werden. Um als nationales Symbol eines selbstbewussten und starken Landes aufzutreten. Denn Sport ist im Königreich längst ein wichtiger - und umstrittener - Bestandteil seines gestiegenen internationalen Ansehens. Unter der Führung des de facto Herrschers Bin Salman und seiner Vision 2030 tätigte Saudi-Arabien erhebliche Investitionen in verschiedenste Sportbereiche. Der Fußball ist in dieser Hinsicht das wichtigste Werkzeug, die WM 2034 der größtmögliche Preis.
Menschenrechtsorganisationen werfen dem Königreich vor, sich damit die mit Menschenrechtsverbrechen besudelte Weste reinwaschen zu wollen. Bin Salman erklärte 2023, solche Sportswashing-Vorwürfe seien ihm "egal". Er weiß, dass sein Plan aufgeht. Schon länger ist die ehemals laute Kritik an den nach Saudi-Arabien eingekauften Sportevents größtenteils verstummt. Manch Fußballfan freut sich nach dieser über drei Länder auseinandergezerrten WM (2030 wird es mit Spanien, Portugal, Marokko und Uruguay noch schlimmer) sicher auf ein Turnier in einem einzigen Land.
Enge Verbindung mit Trump-Familie
Und so schickte der Kronprinz nicht nur die Fußballer, sondern auch etliche saudische Amtsträger, darunter Vertreter des Sportministeriums und des Fußballverbands, zu dieser WM. Hände werden geschüttelt, vielleicht ein paar Deals geschlossen. Mit Donald Trump, seiner Familie und der US-Regierung pflegt man ohnehin beste Beziehungen, auch wenn diese zuletzt hauptsächlich transaktional und geschäftsmäßig ausgefallen sind. Die bestehenden Geschäfte und Investitionen gehen in die Milliarden.
Auch wenn Saudi-Arabien natürlich ebenfalls den diesjährigen Gastgebern etwas über die Schulter schauen will: Das Königreich hat bereits bei der WM 2026 die Finger im Spiel, pflegt das eigene Image und baut die Soft Power weiter aus. So wird etwa vor dem Anstoß die saudische Flagge aus religiösen Gründen als einzige Fahne der 48 Teams am Mittelkreis nicht auf den Boden gelegt, sondern von den Volunteers in der Luft gehalten (die des Gegners bei den Saudi-Spielen ebenfalls).
Dass die staatliche Ölfirma Aramco das Turnier sponsert und damit seine Werbung nutzt, um sein Image während des größten Sportereignisses der Welt aufzupolieren, während sie zeitgleich versucht, wirksame Klimaschutzmaßnahmen zu verhindern, sorgt für Protest. Bei der FIFA und bei den WM-Organisatoren scheint es jedoch niemanden zu interessieren.




