Fußball

Hainer folgt auf Hoeneß Der neue starke Mann des FC Bayern

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Herbert Hainer tritt beim FC Bayern in "riesige Fußspuren". Es sind die von Uli Hoeneß.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Auf den ersten Blick wirkt der neue Bayern-Präsident wie ein Gegenentwurf zu Uli Hoeneß. Doch den früheren Adidas-Chef Herbert Hainer und den scheidenden Vereinspatron eint eine ganze Menge. Von beiden gibt es vor dem Amtswechsel ein großes Versprechen.

Beim Empfang des FC Bayern in der Staatskanzlei hielt sich der künftige Präsident Herbert Hainer dezent zurück, beim Münchner Oktoberfestbesuch mochte der 65 Jahre alte Nachfolger von Uli Hoeneß nicht für Fotos posieren. Die Zeit im Hintergrund ist für den neuen starken Mann an der Spitze des Rekordmeisters von nun an aber vorbei. Der langjährige Adidas-Chef soll von den Vereinsmitgliedern zum Klub-Oberhaupt gekürt werden. "Ich halte ihn für einen Mann, der für diese Position absolut perfekt geschaffen ist. Er ist ein Mann des Sports, er hat viel Ahnung vom Sport, er hat viel Ahnung von Wirtschaft", rühmte Hoeneß seinen guten Freund. "Herbert Hainer gebe ich keine Ratschläge, der ist ein gestandener Vollprofi."

Eine Profi-Vergangenheit in rot-weiß wie Hoeneß oder Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kann der frühere Landesligafußballer Hainer aber nicht vorweisen. "Ich war relativ schnell, aber meine technischen Fähigkeiten waren limitiert. Dafür habe ich immer bis zur letzten Minute gekämpft und nie aufgegeben", sagte Hainer. "Ich glaube, das hat mich auch später in meinem Berufsleben ausgezeichnet: Ich sehe in erster Linie die Chancen, nicht die Probleme."

Der schon als "Herr der drei Streifen" titulierte Hainer bringt 15 Jahre Erfahrung als Chef eines Global Players mit. Fordernd, zielstrebig und teamorientiert führte der 1954 einen Tag vor dem WM-Gewinn beim "Wunder von Bern" in Niederbayern geborene Hainer den Sportartikelkonzern in die Moderne. Der Börsenwert wurde in der Zeit verfünffacht, der Umsatz mehr als verdoppelt. "Einer, der Adidas führen kann, kann auch den FC Bayern führen", sagte Hoeneß. Man könnte es aber auch anders herum formulieren: Einer, der ein Milliarden-Imperium gelenkt hat, traut sich sicher den FC Bayern zu.

"Als Fan habe ich den FC Bayern immer schon geliebt"

Hoeneß hinterlasse "riesige Fußspuren", sagte Hainer, für den der Klub auch eine Herzensangelegenheit ist. "Als Fan habe ich den FC Bayern immer schon geliebt, als Aufsichtsrat habe ich außerdem sehr zu schätzen gelernt, wie professionell dieser Verein aufgestellt ist", sagte Hainer, der schon 18 Jahre im Kontrollgremium der Münchner ist. "Der Unterschied zu anderen Aufsichtsratsmandaten sind die Emotionen, wenn wir bei den Sitzungen über die vorangegangenen Spiele diskutieren."

Anders als von Hoeneß, dessen emotionale und impulsive Art in der Liga berühmt und gefürchtet ist, sind vergleichbare Hainer-Momente nicht überliefert. Der Geschichte, dass er in einem eigenen Spiel beim Stand von 8:0 nach einem Elfmeterpfiff in der 90. Minute den Schiedsrichter attackiert haben soll, widerspricht er im Vereins-Magazin "51" aber nicht. "Die Geschichte liegt an meinem Gerechtigkeitssinn", sagte der "Freund offener Worte". "Und dann rege ich mich auch in einer 90. Minute bei einem 8:0 auf."

Wie Hoeneß stammt Hainer aus einer Metzgerfamilie. Von der Freundschaft rückte er nicht ab, als Hoeneß wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis war. "Und als unsere Tochter gestorben ist, war er der Erste, der anrief und fragte, wie er helfen kann. Entscheidend ist nicht, wer mit dir lacht, wenn es dir gut geht. Da hat man viele Freunde. Entscheidend ist, wer mit dir weint, wenn es dir schlecht geht", sagte Hainer. Seine Tochter wurde 23 Jahre alt. Seitdem "gibt es tatsächlich nicht mehr viel, was mir Angst macht."

Kein Mann für den Nachtisch

Im Gegensatz zu Hoeneß wirkt der begeisterte Jogger Hainer, dessen Bruder für den TSV 1860 München spielte, fast schon asketisch. Beim Essen verzichtet er meistens auf den Nachtisch, "um über die Jahre nicht aus dem Leim zu gehen", verriet der Sportfanatiker. Vor seiner großen Wirtschaftskarriere arbeitete er als Wirtshaus-Betreiber, stand im letzten Studienjahr selbst am Zapfhahn.

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Hoeneß und Hainer verstehen sich blendend.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Hainer ist durch seine 15 Jahre an der Adidas-Spitze von 2001 bis 2016 bestens vernetzt. Phasenweise galt er sogar als Kandidat für das Präsidentenamt des DFB. "Ich musste mich beeilen, dass ja nichts dazwischenkommt", sagte Hoeneß im Sommer. Zusammen mit Oliver Kahn als künftiger Vorstandschef soll Hainer die Erfolgsstory des FC Bayern fortschreiben. "Ich bin überzeugt, dass diese Kombination aus fußballerischem und wirtschaftlichem Background sehr gut funktionieren wird", so Hainer. "Ich kann jedem versprechen, dass ich alles tun werde, um den FC Bayern auf der Erfolgsspur der letzten 20, 30 Jahre weiterzuführen."

Ruhe wünscht sich Hainer beim Fußballschauen - vermutlich ein frommer Wunsch, solange Hoeneß und der bis 2021 im Amt fungierende Rummenigge dabei sind. "Uli kann bei gewissen Situationen explodieren. Karl-Heinz hingegen könnte auch als TV- oder Radiokommentator arbeiten - noch dazu als einer mit gewaltigem fußballerischem Sachverstand", sagte Hainer. Und lachte.

Quelle: ntv.de, Christian Kunz, Klaus Bergmann und Manuel Schwarz, dpa