Eine Nominierung verblüfft sehr

"Fünf Spieler aus dem DFB-Kader musste ich googeln"

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17.09.2026 | 20:27 Uhr

44 Spieler möchte Jürgen Klopp bei seinem ersten Lehrgang als Bundestrainer näher kennenlernen. 16 Fußballern winkt gar das Debüt in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Die Zukunft des DFB-Teams beginnt wieder einmal. Doch mit Klopp scheint einiges anders zu laufen. Unser Experte Arie van Lent spürt echte Hoffnung und glaubt, dass die Zeit eines Spielers endgültig abgelaufen ist. Der Tipp für das erste Länderspiel von Klopp dürfte dagegen nicht überall Freunde finden.

Hallo Herr van Lent! Jürgen Klopp schenkt Deutschland einen XXL-Kader mit einigen kaum bekannten Spielern. Was war ihre erste Reaktion?

Ich habe gedacht: Der Klopp kloppt die Knaller raus!

Das klingt sehr niederländisch! Dann mal ganz ehrlich: Wie viele Spieler mussten Sie erst mal googeln?

Fünf Namen waren es glaube ich schon. Den Rosenfelder von Freiburg, Mika Baur von Celtic oder auch Hennes Behrens von Augsburg. Da sind ja teilweise Spieler dabei, die gerade erst ihre ersten Bundesliga-Minuten gesammelt haben. Dass Klopp vier Spieler von Freiburg geholt hat, freut mich besonders. Der Klub macht einfach seit Jahren eine tolle Arbeit. Was man jetzt auch wieder bei Yannik Engelhardt sieht, den Gladbach leider nicht halten konnte und der jetzt als defensiver Mittelfeldspieler auch noch Tore schießt. Ihn im DFB-Trikot zu sehen, darauf freue ich mich sehr.

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Klopp lässt Reporter Spieler raten - und verschenkt Kappe

Auf wen freuen Sie sich denn noch?

Auch auf Said El Mala. Gefühlt die ganze Welt wollte ihn bei der Weltmeisterschaft ja schon dabei haben, ich konnte damals aber verstehen, warum Julian Nagelsmann ihn nach nur einer starken Saison nicht nominiert hat. Aber jetzt ist er beim 1. FC Köln wieder gut reingekommen und ich bin sehr gespannt, wie er sich im DFB-Team entwickelt. Ich traue ihm sehr viel zu. Das gilt übrigens auch für Chris Führich, der auf den Außenbahn zeigen kann, dass er das Zeug hat, eine tragende Säule für die Nationalmannschaft zu sein. Ach, aber da gibt es jetzt echt viele Spieler. Auch ein Younes Ebnoutalib von Eintracht Frankfurt. Das sind alles geile Kicker.

Nicht mehr dabei sind zumindest vorerst Deniz Undav und Leroy Sané? Mit beiden hatten wir ständig unsere WM-Geschichten. Nachvollziehbar, dass Klopp sie nun außen lässt?

Die Sache ist unterschiedlich zu bewerten. Undav ist sicher nicht abgeschrieben und wird wieder kommen, da bin ich mir sicher. Aber wenn man ehrlich ist, ist er derzeit nicht in Topform und hat zuletzt, so habe ich das gesehen, auch beim VfB eine andere Rolle gespielt. Von daher finde ich Klopps Entscheidung nachvollziehbar. Und Deniz ist ja auch nicht gewohnt gewesen, eine WM zu spielen. Da ist es völlig normal, dass ein Spieler erst verspätet in der Saison ankommt. Aber trotzdem, dass er unter 44 Spielern nicht dabei ist, ist schon ein Zeichen.

Ich muss kurz unterbrechen: Mit Nick Woltemade ist aber jemand dabei, der nun auch nicht gerade in Form ist. Ist das nicht ein Widerspruch von Klopp?

Ja, schon ein bisschen. Ich hätte auch drauf gewettet, dass Woltemade nicht im Kader steht. Nach seiner lange guten Form auch in der Nationalmannschaft bringt er schon länger nicht mehr das, was man sich von ihm erhofft. Ich habe bei ihm das Gefühl, dass die Dinge für ihn nach seinem überragenden Jahr beim VfB Stuttgart zu schnell gegangen sind. Aktuell ist er kein Stürmer, auf den man international nicht auch verzichten könnte.

Dann jetzt zu Sané...

Ach Herr Nordmann, wir haben doch bei der WM so oft über ihn gesprochen. Er war nicht so schlecht, wie er oft geredet wurde. Er hat sicher nicht alles richtig gemacht, aber auch nicht alles falsch. Aber ich habe mir nach dem Turnier schon gedacht, dass er bei einem Neuanfang nicht mehr dabei ist. Und so sieht es jetzt aus. Ich glaube nicht, dass er nochmal zurückkommt. Da müssten die anderen schon sehr schlecht oder Sané selbst über lange Zeit herausragend bei Galatasaray spielen.

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Klopp zu DFB-Härtefällen: "Deniz hat seine Probleme"

Mit Marc-André ter Stegen kehrt eine neue alte Nummer eins zurück. Oliver Baumann hat dagegen erneut das Nachsehen. Wie bewerten sie diese Entscheidung?

Tatsächlich hatte ich sehr gehofft, dass Klopp ter Stegen nominiert und ihm die Chance gibt. Auch wenn er schon in einem gesunden Alter ist, hat er jetzt hoffentlich endlich die Chance, die er so lange verdient hat. Und zu Oliver Baumann: Er wurde ja, wenn man ehrlich ist, nicht von Klopp aussortiert, sondern schon von Julian Nagelsmann bei der WM. Aber darüber habe ich mich ja vor und während der WM schon ausreichend aufgeregt. Im Tor muss sich Deutschland so oder so keine Sorgen machen. Alexander Nübel und Jonas Urbig sind zwei sehr gute Keeper, dazu hat Noah Atubolu auch schon häufig gezeigt, wie gut er ist.

Kommen wir nochmal zu Klopp selbst. Wie hat Ihnen der Auftritt gefallen? Hat er Sie überzeugt?

Ja, total. Ich fand es klasse, dass er zu so vielen Spielern Statements abgegeben und seine Entscheidungen nachvollziehbar erklärt hat. Das hörte sich wirklich nach was an, nach Zukunft, nach Erfolg. Das war nicht nur der übliche Schnickschnack. Er hat uns da wirklich mitgenommen. Und wissen Sie was mir sehr gefallen hat?

Noch nicht!

Dass er gesagt, dass sie die Spieler nach dem ausgesucht haben, was sie können. Das war so positiv, so motivierend. Das war ich richtig stark.

Aber haben wir nicht bei Julian Nagelsmann auch gedacht, dass es ein Aufbruch ist?

Aber haben wir das auch so geschrieben? Ich glaube nicht. Wir haben mehr über den Kader gesprochen.

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"Was ist das denn?" - Klopp staunt über DFB-Talent

44 Spieler hat Klopp jetzt geholt, er teilt sie auf zwei Kader auf. Gute oder schlechte Idee?

Natürlich ist das ein ungewöhnlicher Plan, ein sehr ungewöhnlicher sogar. Aber es ist ja auch eine ungewöhnlich lange Länderspielperiode und es dringend Zeit für Veränderungen. Deswegen finde ich den Schritt sehr gut. Man darf auch nicht vergessen, dass einige Spieler im Sommer Turniere gespielt haben und eine Pause brauchen. So kann man das gut aufteilen.

Was erwarten Sie für einen DFB-Fußball unter Klopp?

Es wird pure Leidenschaft geben. Darauf hat er bei seiner Auswahl ja auch wert gelegt, wie er sagt. Es wird in jedem Spiel 100-prozentigen Einsatz geben. Dass fußballerisch noch nicht alles gelingen wird, ist ganz normal bei einer so großen Veränderung. Aber das er in den jeweiligen Kadern Blöcke berücksichtigt hat, macht die Sache vielleicht etwas einfacher. Und auch wenn Klopp zurecht betont, dass sein Plan Zeit braucht, so glaube ich, dass ihm die Nations League, auch wenn sie kein wichtiger Wettbewerb ist, in die Karten spielt. Wenn es um etwas geht, dann wächst eine Mannschaft schneller zusammen.

Bei der WM war eines Ihrer "Lieblingsthemen" die mangelnde Resilienz und Leidenschaft des Teams. Sehen Sie diese Baustelle nun als geschlossen?

Ja, das glaube ich tatsächlich. Diese Baustelle ist erledigt. Das haben wir in all den Jahren gesehen. Klopp steht für Vollgas, für Intensität. Ohne das funktioniert sein Fußball nicht. Klar, du wirst nicht in jedem Spiel dauerhaft anlaufen können, aber Deutschland wir hoch pressen und sehr intensiv spielen. Aber Klopp will ja vor allem, wie er gesagt hat, die Defensive stärken, auch dafür brauchst du viel Intensität.

Sein erstes Spiel bestreitet er gegen die Niederlande. Für Sie natürlich eine große emotionale Challenge Herr van Lent. Wie geht's denn aus?

Da Jürgen ja gesagt hat, dass er Zeit braucht, finde ich, dass er sich die ruhig noch bis nach dem Spiel nehmen darf. Gegen die Griechen kann Deutschland dann gerne voll loslegen (lacht). Es wird in Amsterdam aber auf jeden Fall eine Riesenstimmung sein, denn auch die Niederlande wollen unter dem neuen Bondscoach Xavi Aufbruch spüren. In diesem Spiel drücke ich Oranje nochmal die Daumen. Oh, das sollten Sie besser nicht schreiben, oder?

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Fünf Matthäus-Thesen zum ersten Klopp-Kader

Aber unbedingt! Was können die Niederländer denn von Klopp und dem DFB-Team lernen?

Ob sie wirklich was lernen können, weiß ich gar nicht. Aber was mich fasziniert, was für ein enormer Schub dank Klopp durch den deutschen Fußball geht. Aber lernen? Oh doch, warten Sie. Ich glaube diese hundertprozentige Hingabe für das Spiel, die Klopp vermittelt, das für die Niederländer sehr freuen. Und der Mut, den er nun bei der Nominierung mit den vielen jungen Spielern gezeigt hat. Da kann man sicher mal über den Teich, Pardon, über den Fluss gucken. Da werden auch die Niederländer staunen und sagen: Wahnsinn, was für enorme Talente es in Deutschland gibt. Der Fußball ist nicht tot, die Zukunft sieht sehr gut aus. Es ist gut, nicht an zu vielen ehemaligen festzuhalten, sondern diesen Weg jetzt zu gehen, vor allem mit Blick auf die Turniere 2028 und 2030.

Sonst läuft es wie in Gladbach, wo die alte Mannschaft nicht mehr funktioniert und der Trainer gegangen ist ...

Über die Borussia möchte ich nicht reden, das tut mir einfach in der Seele weh.

Mit Arie van Lent sprach Tobias Nordmann

Verwendete Quelle: ntv.de