Fußball

DFL erwartet hitzige Debatten Gentleman-Präsident Rauball tritt ab

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Seit 2007 stand Reinhard Rauball der Deutschen Fußball Liga vor.

(Foto: imago images / Contrast)

Zwölf Jahre lang führt Reinhard Rauball die Deutsche Fußball Liga. Zum Abschied gibt es viel Lob für den 72-Jährigen, der sich einen Namen als Vermittler gemacht hat. Die Aufgabe für seine Nachfolger ist brisant, weil die kleinen Klubs als Sieger aus der Versammlung hervorgehen.

Als Reinhard Rauball unter lautem Beifall die große Fußball-Bühne verließ, applaudierten die Bosse der Profiklubs dem Brückenbauer der Vergangenheit. Ob der neue starke Mann Christian Seifert die Herausforderungen ähnlich stilvoll bewältigt wie "Gentleman-Präsident" Rauball, werden schon die bevorstehenden Auseinandersetzungen bei den wichtigen Zukunftsthemen zeigen.

Rauball richtete bei der Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) mahnende Worte an die Delegierten. "Trotz der Unterschiede zwischen Ligen, Klubs und DFB" dürfe die Einheit des deutschen Fußballs "nie zur Diskussion stehen", sagte der 72-Jährige, der am Mittwoch in Berlin zum DFL-Ehrenpräsidenten gewählt wurde. Einen Amtsnachfolger für Rauball gibt es nicht, ein Präsidium tritt an die Stelle eines einzelnen Präsidenten.

DFL-Geschäftsführer Seifert schloss sich den Ausführungen an und forderte kurz danach die Vereinsvertreter auf, keine Grabenkämpfe zwischen Bundesliga und 2. Liga zu führen. "In den vergangenen Wochen wurde viel über Solidarität und Miteinander geredet. Ich hatte manchmal das Gefühl, es geht eher um ein Gegeneinander", sagte Seifert. Der 50-Jährige sah sich sogar genötigt, den früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln zu zitieren: "Jedes Haus, das in sich uneins ist, wird nicht bestehen."

Kleinere Klubs fordern mehr Geld

Angesichts der Zusammensetzung des neuen Präsidiums, dem Seifert als Sprecher vorsteht, dürften bei so brisanten Themen wie der Verteilung der TV-Milliarden aber hitzige Diskussionen programmiert sein. Denn die vermeintlich kleinen Klubs, die stets mehr vom Kuchen abhaben wollen, sind (erneut) stark vertreten - sie gehen als Sieger aus der Generalversammlung hervor. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund hatte den Trend schon vor den Wahlen erkannt und seine Kandidatur zurückgezogen.

Künftig werden Oliver Leki (SC Freiburg), Alexander Wehrle (1. FC Köln), Rüdiger Fritsch (Darmstadt 98), Oke Göttlich (FC St. Pauli) sowie Steffen Schneekloth (Holstein Kiel) die Interessen der "Kleinen" mindestens ebenso stark vertreten wie Jan-Christian Dreesen (Bayern München) und Peter Peters (Schalke 04) die der Großen. Zudem gehört DFL-Direktor Ansgar Schwenken dem Gremium an. Dieses hatte Rauball zwölf Jahre lang äußert galant geführt und heikle Themen gekonnt moderiert. "Er hat Position mit großer  Verlässlichkeit, persönlichem Engagement, diplomatischem Geschick  und viel Loyalität geprägt", lobte Seifert.

Der "kleine Doktor" ist ein "ganz Großer"

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte bei seiner Laudatio: "In Dortmund nennen sich dich liebevoll den 'kleinen Doktor', aber im Fußball warst du ein ganz Großer." Rauball sei stets ein Gentleman-Präsident, ein geborener Diplomat und großer Stratege gewesen, so Rummenigge weiter. Kalkül und kluge Entscheidungen werden von der DFL auch ohne Rauball fortan notwendig sein. Neben der deutschen Positionierung in der Frage einer Europacup-Reform muss die Verteilung der Gelder für den kommenden Medienvertrag (Spielzeit 2021/22 bis 2024/25) geregelt werden.

Bis zum Ende der laufenden Saison will die DFL den neuen TV-Vertrag unter Dach und Fach haben. Rund 1,2 Milliarden gibt es derzeit für die nationalen Rechte pro Spielzeit. Ab der Saison 2021/22 soll es nach dem Willen der Vereine noch mehr sein. Im November 2016 hatten sich die Klubs auf den derzeit gültigen Verteilungsschlüssel geeinigt, der zu 70 Prozent auf der Fünfjahreswertung fußt. Große Einheit herrschte zumindest schonmal bei der Frage, wie in Zukunft die Trainer bei unsittlichem Verhalten bestraft werden sollen. Nach vier Gelben Karten, entschied die überwältigende Mehrheit der Generalversammlung, sind die Coaches für ein Spiel gesperrt.

Quelle: ntv.de, Nikolaj Stobbe und Nicolas Reimer, sid

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