UEFA wartet, Infantino eilt

Kann nur David Beckham die Fußball-Welt retten?

imageVon Jonas Gerdes und Tobias Nordmann
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Erfolgsmensch: David Beckham. (Foto: picture alliance / firo Sportphoto)
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16.10.2026 | 19:13 Uhr
Das FIFA-Council endet für Gianni Infantinos Gegner unbefriedigend. Der Chef des Weltverbands liefert keine Antworten auf heikle Fragen und reüssiert trotzdem. Ein starker Gegner ist dringender denn je nötig, um seine Wiederwahl zu verhindern.

Gianni Infantino heißt der große Sieger des FIFA-Councils. Mit seinem ihm eigenen Houdinismus windet sich der Boss des Fußball-Weltverbands erneut aus der Bredouille. Erstmals war er mit seinen erbitterten Gegnern nach dem angestrebten Verkauf der WM-Rechte zusammengetroffen. Die UEFA hatte ein ganzes Paket an heiklen und kritischen Fragen dabei. Und bekam keine Antworten. Nur eine Entschuldigung des Schweizers, der seine eigene Kommunikation geißelte und sonst die Welt in den Arm nahm. So wie er es gerne tut, um seine Macht an der Spitze abzusichern.

Im kommenden Jahr will Infantino seine Position verteidigen. Er möchte zum vierten Mal gewählt werden. Die UEFA und ihre Verbündeten aus dem CONCACAF wollen das unbedingt verhindern, während der Schweizer genüsslich die entrückte Welt zurückerobert. Er hat dabei leichtes Spiel. Denn außer dem Druck der Europäer muss er derzeit kaum etwas aushalten, das ihn wirklich aufhält. Ein geeigneter Gegenkandidat wäre das. Und der soll nach wie vor unbedingt her, auch wenn das Unterfangen der Machtablösung immer aussichtsloser erscheint.

Wer hat die nötige Strahlkraft?

"Bisher halten wir daran fest, natürlich, das ist das Ziel, dass wir an der Spitze der FIFA eine andere Person sehen möchten", sagte DFB-Boss Bernd Neuendorf nach dem ernüchternden Council: "Dazu gehört natürlich auch, dass man einen Gegenkandidaten platziert." Am 18. November endet die Frist zur Aufstellung, bekannt sind seit dem Gipfel der europäischen Verbandsbosse in der Vorwoche in Berlin nur die Kriterien für einen möglichst mehrheitsfähigen Kandidaten.

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Warum nicht Beckham als Infantino-Alternative?

"Der Weltfußballverband braucht eine neue Führung: eine geachtete und verbindende Persönlichkeit aus den Kreisen des Fußballs, die über visionäres Denken und Führungserfahrung sowie die Fähigkeit verfügt, über die Konföderationen hinweg Vertrauen zu schaffen und sich kompromisslos für die Fußballentwicklung, Reformen, Integrität und Unabhängigkeit einzusetzen", so hieß es von der UEFA, nachdem sie sich zuletzt in Berlin zu einer Krisensitzung getroffen hatte. Immer wieder fiel dabei das Wort Strahlkraft. Doch wer hat die und davon so viel, dass sie Infantino in den Schatten stellt?

Gerüchte um Arsène Wenger

Mehrere naheliegende Kandidaten haben bereits abgesagt: UEFA-Chef Aleksandar Ceferin hatte eine Kandidatur ausgeschlossen, auch der Katarer Nasser Al-Khelaifi steht nicht zur Verfügung. Dies gilt laut Medienberichten auch für Victor Montagliani, Chef des Verbandes für Nord- und Mittelamerika und die Karibik. Der möchte, wie Ceferin, sein Amt gerne behalten und wiedergewählt werden.

"Wir brauchen eine integre Persönlichkeit, von der wir annehmen dürfen, dass sie dem Verband eine Reputation zurückgibt, die er definitiv verloren hat", sagte Neuendorf nun in Zürich: "Wenn sich so eine Person findet, dann wird die Debatte, denke ich, auch nochmal einen ganz anderen Drive kriegen. Wir gehen auch davon aus, dass das passiert."

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Gianni Infantinos Auftritt enttäuscht Kritiker

In den britischen Medien tauchte plötzlich der Name des großen Arsène Wenger auf. Der ehemalige Erfolgscoach des FC Arsenal, der seit 2019 als FIFA-Direktor mit Infantino eng zusammenarbeitet, soll der Wunschkandidat mehrerer Fußballbosse aus Europa sein. Ob er sich wirklich auf Kampfkandidatur einlässt? Fraglich. Er kennt erstens die Macht von Infantino und kommt zweitens aus dessen Kreis. Wie glaubwürdig würde Wenger für den angestrebten Neuanfang bei der FIFA stehen?

Immerhin: Wenger hatte sich von Infantinos gescheiterter Investorenidee distanziert, er sah sich gar zu einer öffentlichen "Klarstellung" genötigt. "Ich war an diesem Plan nicht beteiligt und habe erst aus der Presse von diesem Vorhaben erfahren", sagte er. "Die Entscheidung, das Projekt zurückzuziehen, war absolut notwendig und unumstritten." Völlig offen ist allerdings, ob der FIFA-Direktor seine Position für einen Wahlkampf gegen seinen Chef aufs Spiel setzen würde.

Die "Times" berichtete, dass der 76-Jährige als potenzieller Kandidat zwar sehr umworben werde. Der "Guardian" schrieb dagegen, dass Vorschläge wie Wenger oder Michele Kang, milliardenschwere Investorin im Fußball der Frauen und Besitzerin von Olympique Lyon auch bei den Männern, bereits zurückgewiesen worden seien.

Viele Kandidaten fallen direkt raus

Grundsätzlich stellt sich zudem die Frage, woher ein Kandidat denn eigentlich kommen müsste. Aus Afrika? Aus Südamerika? Was wäre mit Legenden wie dem Liberer George Weah oder Brasiliens Ronaldinho? Wahrscheinlich aussichtslos. Beide Kontinente stehen geschlossen hinter Infantino und seinem Weg. Einen Mann aus "ihren" Reihen braucht es nicht, um die eigenen Interessen, die sich mehrheitlich nur ums Geld drehen, stärker durchzuboxen. Unter Infantino ist die FIFA zu einer Gewinnmaximierungs-Maschine geworden, die zahlreiche Profiteure kennt. Auch in den arabischen Ländern, weswegen auch dorther kein Gegenkandidat aufgebaut werden müsste.

Bleibt als mächtiger Kontinent nur Europa. Anführer Ceferin ist raus. Bei Wenger ist alles vage. Bliebe angesichts der aufgerufenen Kriterien eigentlich nur noch ein Mann. Einer, der bislang praktisch nirgends gehandelt wird: David Beckham.

Die englische Legende besitzt die internationale Strahlkraft, die unbedingt gefordert ist. Als Fußballer bei Manchester United und Real Madrid hat er sich das Renommee eines Weltstars erarbeitet. Er besitzt durch seine Frau, das Ex-Spice-Girl Victoria, einen gewaltigen Glamour-Faktor und hat nicht zuletzt durch sein exzellentes Netzwerk im Weltfußball mit Inter Miami einen Fußball-Klub aufgebaut. In Asien steht Beckham auch durch viele Reisen ins Reich der Mitte hoch im Kurs, seit März 2013 ist er zum Beispiel Botschafter des chinesischen Jugendfußballs und der obersten Spielklasse der Profis.

Zudem hat sich die britische Ikone schon 2015 FIFA-kritisch geäußert und die Korruptionsskandale des Weltverbands als "widerlich" gebrandmarkt. Als Milliardär stünde er nicht im Verdacht sich selbst auf FIFA-Kosten bereichern zu wollen - und noch wichtiger: Er könnte einen Wahlkampf gegen Infantino auch finanziell locker mitfinanzieren. Kurzum: Beckham ist Fußballer, Erfolgs-Manager und international bestens vernetzt. Er hat eine Vita, die dem gegnerlosen Infantino gefährlich werden kann. Wenn er gebeten würde, würde er es machen, so erzählt man es sich hinter vorgehaltener Hand in den Hotellobbys der Fußball-Funktionäre. Sir David Beckham - den Ritterschlag hat er schon - jetzt könnte er den Weltfußball verändern.

Verwendete Quelle: ntv.de