Bayern-Star vor Heim-RückkehrKompanys grausige Statistik und seltsame Stimmung warten auf Musiala
Erst das emotionale Comeback in Leipzig, daheim geht es nun weiter: DFB-Star Jamal Musiala kann sich mutmaßlich in der Champions League auf seinen nächsten Einsatz freuen. Dort wartet eine seltsame Atmosphäre und die Horror-Statistik seines Trainers.
Das Dauergrinsen vom Kurz-Comeback in Leipzig hatte Jamal Musiala auch beim Abschlusstraining vor seiner Champions-League-Rückkehr im Gesicht. Der Fußball-Nationalspieler ist nach fast 200 Tagen Leidenszeit "dankbar für jede Sekunde", die er nach seinem komplizierten Beinbruch wieder auf dem Platz stehen darf. Die nächsten Einsatzminuten sollen am Mittwoch (21 Uhr/DAZN und im Liveticker bei ntv.de) gegen Royal Union Saint-Gilloise dazukommen.
"Es gibt einen Plan, aber wir sind auch flexibel. Sind es zehn Minuten? 20 Minuten? Hat er Schmerzen?", sagte Kompany nach dem Abschlusstraining und betonte: "Wir werden das ganz ruhig angehen." Musiala möchte gegen Belgiens Meister möglichst dazu beitragen, dass die torhungrigen Münchner mit dem sechsten Sieg im siebten Spiel der Ligaphase international das erste Etappenziel erreichen. "Wir wollen die Punkte machen, die hoffentlich reichen fürs Achtelfinale", sagte Sportvorstand Max Eberl.
Ein fixer Platz in den Top 8 ist das Ziel in der Allianz Arena, in der Musiala bei seiner Rückkehr allerdings eine ungewöhnliche Atmosphäre erleben wird. Wegen einer Pyro-Strafe der UEFA nach dem Spiel gegen Sporting Lissabon am 9. Dezember (3:1) wird der komplette Unterrang der Südkurve leer sein. Über 9000 Bayern-Anhänger werden fehlen. "Das ist schade", sagte Nationalspieler Aleksandar Pavlovic zur Stimmungseinbuße.
Die Sache mit der UEFA-Strafe
Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, dem ein guter Draht zum Anhang nachgesagt wird, fand die Pyro-Aktion "naturgemäß nicht gut" und nannte sie "nicht zu akzeptieren". Einige Fans, schimpfte der Bayern-Boss, hätten "eine eigene Definition von Recht. Das ist aber nicht das richtige Recht. Es gibt Regeln, die einzuhalten sind. Und deswegen hat das da nichts zu suchen". Auch Patron Uli Hoeneß ist das ewige "Theater", zu dem er unliebsame Spruchbänder und die Kritik an Sponsorenverträgen zählt, leid.
Die Südkurve erklärte in einer Stellungnahme, sie habe sich bewusst für den Verstoß gegen die Bewährungsauflage der UEFA entschieden - aus Protest gegen die unliebsamen Kollektivstrafen des Verbandes. Pyrotechnik, hieß es, sei "ein wichtiges Element von Fankultur, das besondere Momente und Atmosphäre schafft". Kompany bedauert die Situation. "Es ist schade", sagte auch der Trainer, die Unterstützung von den Rängen habe traditionell einen großen Anteil am Erfolg. "Aber wir haben noch knapp 70.000 Fans da, die voll motiviert sind."
Mit dem Gegner, gab Max Eberl derweil schmunzelnd zu, habe er so seine Mühe. "Ich kann sie so schwer aussprechen, deswegen sage ich: gegen die Belgier - und das mit allem Respekt." Aus Gründen: Saint-Gilloise, ein Stadtteilklub aus Brüssel, hat sich seit dem Aufstieg 2021 einen hervorragenden Ruf erarbeitet. "Sie machen sehr, sehr gute Arbeit und lieben es, der Außenseiter zu sein", lobte Kompany seine Landsleute.
Der britische Unternehmer Tony Bloom, der auch an Brighton & Hove Albion oder Heart of Midlothian beteiligt ist, hob Union mit einem datengetriebenen Ansatz in die Königsklasse. Spieler wie Deniz Undav, Victor Boniface oder Mohamed Amoura und Trainer Alexander Blessin (jetzt FC St. Pauli) halfen beim Aufschwung. Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung war im vergangenen Jahr der zwölfte Meistertitel.
Kompany beschwört "andere Zeiten"
Trotz aller Vorgeschichten: Musiala dürfte den Abend trotzdem genießen. Beim 5:1 in Leipzig kam sein Moment in der 87. Minute. Der Offensivkünstler betrat den Platz - und die kurze Einsatzzeit genügte Bayerns Zehner noch, um am letzten Tor von Michael Olise beteiligt zu sein. "Super geil", schwärmte Kapitän Manuel Neuer danach: "Ich weiß, was dahintersteckt, gerade wenn man eine lange Verletzung hatte. Was alles dazu gehört, mental und auch an physischer Arbeit."
Kompany erinnerte danach noch einmal an die Dramatik des 5. Juli 2025, als sich Musiala bei der Klub-WM in den USA gegen Paris Saint-Germain so schwer am linken Bein verletzte. "Es war eine bittere Geschichte, ein Trauma für die gesamte Mannschaft. Der Junge hat lange gekämpft", sagte der Coach.
Der Kampf ist auch noch nicht endgültig gewonnen. Eberl skizzierte den Plan mit Musiala: "Im Januar Spaß haben, Minuten sammeln, Fitness sammeln, um dann in der wichtigen Phase da zu sein." Im März, April und Mai, wenn die national übermächtigen Bayern mit einem starken Musiala auch in Europa ganz oben stehen wollen. "Die Hoffnung ist groß, dass es bis ins Finale geht", sagte der ehemalige Bayern-Trainer und Bayern-Profi Jürgen Klinsmann. Mit Musiala und dem ebenfalls zurückgekehrten Alphonso Davies erhöht sich zugleich der Konkurrenzkampf.
Wie reagiert der Bayern-Trainer? Er freut sich auf den Luxus, nun auf Sicht in der Offensive aus einem hochkarätigen Kreis mit Harry Kane, Olise, Luis Díaz, Serge Gnabry, Lennart Karl, Nicholas Jackson und Musiala auswählen zu können: "Wenn Jamal wieder auf seinem Niveau ist, dann hoffe ich, dass wir ein positives Problem haben in Zukunft. Ich habe von Anfang an gesagt, ich will diese Situation genießen, ich möchte es haben - so schnell wie möglich."
Übrigens: Als Kompany in seiner Heimat Belgien Trainer des RSC Anderlecht war, verlor er vier von fünf Partien gegen den Brüsseler Lokalrivalen Saint-Gilloise. "Das waren andere Zeiten", meinte Kompany. Beim Wiedersehen mit "dem Underdog" tritt er ja mit Bayerns Starensemble um Musiala an.
