Superlaune fast überall

"Macht, was ihr wollt": Klopp kapituliert in der K-Frage

us-passbildVon Sebastian Schneider, Thessaloniki
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Die Laune ist nach dem ersten Sieg prächtig: Jürgen Klopp und Aleksandar Pavlović lachen gemeinsam. (Foto: picture alliance/dpa)
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03.10.2026 | 22:14 Uhr
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht vor der letzten Partie der XXL-Länderspielpause. Bei Bundestrainer Jürgen Klopp ist die Laune vor dem Griechenland-Rückspiel prächtig - nur bei einem Thema nicht.

Deutsche Trainer genießen in Griechenland einen ausgezeichneten Ruf, seit Otto Rehhagel dem Land das größte Fußballwunder seiner Geschichte beschert hat. Ähnlich angesehen scheint auch Bundestrainer Jürgen Klopp bei den griechischen Journalistinnen und Journalisten zu sein: Auf der Pressekonferenz vor dem Nations-League-Duell am Sonntag (20.45 Uhr/RTL und ntv.de-Liveticker) kommen sie aus dem Fotografieren und Filmen gar nicht mehr heraus. Denn er ist tatsächlich da: mit Mütze, dem Klopp-Lachen und allem Drum und Dran.

Nur sind auch die deutschen Journalistinnen und Journalisten da - und damit ebenfalls eine Frage, bei der Klopp schon im Ansatz den Kopf hängen lässt. Es geht, klar, um Joshua Kimmich. Während die Klopp-Elf beim 2:0-Erfolg gegen Serbien ihren bisher besten Auftritt zeigte, war der Kapitän nicht auf dem Feld. Sondern Kimmich saß in München auf der Tribüne zwei Plätze von Schlagerstar Heino entfernt. Schließlich gehörte er nur dem ersten Kader an.

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"Ich gebe auf. Macht, was ihr wollt."

Damit wurde der Mittelfeldspieler nach Abpfiff zum Thema, obwohl er gar nicht gespielt hatte. Das ist mittlerweile mehr als zwei Tage her, also: Will der Bundestrainer noch irgendwas dazu sagen? Muss er ihn irgendwie verteidigen? Klopp hebt den Kopf wieder und antwortet zunächst: "Nö." Schiebt aber noch hinterher: "Ich bin happy. Ich freue mich, dass Jo Kimmich deutscher Nationalspieler ist - und alle anderen auch."

"Ich gebe auf"

Im Keller der Münchner Arena war es Donnerstagnacht so: Klopp stellte sich bei der obligatorischen Pressekonferenz den Fragen der anwesenden Medienschaffenden. Und gleich die erste drehte sich um das Kimmich-freie Mittelfeld: Ob die Alternative aus Aleksandar Pavlović und Tom Bischof dem kriselnden Florian Wirtz hilft, besser zu spielen? Also: Der Name Kimmich fiel gar nicht.

Doch die kloppschen Antennen sind bei diesem Thema sehr scharf eingestellt: Klopp witterte die Debatte, die dahintersteckt. Natürlich geht es dabei irgendwie auch um Kimmich, der hatte ja gefehlt. Also statt sein Mittelfeld zu loben (das machte er dann erst später), verweigerte er mehr oder weniger die Antwort, um die Debatte zu verhindern.

Was das angeht, ist der Bundestrainer anders als sein Vorgänger. Klopp beißt gerne (manchmal präventiv) auch zurück. Also kürzlich ihn ein Journalist nach seiner Red-Bull-Zeit fragte und dabei anmerkte, dass er auch Trainer entlassen habe, begann Klopp seine Antwort mit einem Seitenhieb zurück: "Trainer rausschmeißen, sehr nett. Das muss man erstmal bringen."

In Thessaloniki reichte er nun in der Kimmich-Frage die Kapitulation nach: Er sei sehr zufrieden mit der Situation im Mittelfeld. Er brauche "Führungsspieler, laufstarke Spieler, kreative Spieler", man brauche "alles Mögliche". Er freue sich "auf die Zukunft mit den Jungs". Und abschließend zur Debatte: "Ich habe keine Chance, die Frage so zu beantworten, dass ihr es nicht schafft, daraus trotzdem den Dreh zu machen. Also, ich gebe zu dem Thema auf. Offiziell. Jetzt schon. Macht, was ihr wollt."

"Ohne Otto wäre das nicht passiert"

Ansonsten ist die Stimmung nicht nur beim Bundestrainer nach dem ersten Sieg prächtig. Pavlovic löste das Rätsel seiner stinkenden Schuhe auf (er hatte sie im Ofen getrocknet) und Torwart Jonas Urbig bekommt sein zweites Länderspiel (quasi ein "All-Inclusive-Paket", so Klopp). Nach der eher dürftigen Leistung in Augsburg ist die DFB-Elf im Toumba-Stadion von Thessaloniki auf Revanche aus. Vor einer Woche hatte "Kader I" des 44er-Doppelaufgebots daheim nur selten sein Talent zeigen können und mit 0:1 verloren. "Kader II" hatte indes gegen Serbien gezeigt, dass er sein Potenzial auch auf den Platz bringen kann.

Zur Freude der anwesenden Griechinnen und Griechen lobte Klopp noch einmal ihre Nationalelf. Denn aus dem antiken Trümmerhaufen, der seit zwölf Jahren bei keinem großen Turnier mehr war, ist eine Mannschaft geworden, die in der Nations-League-Gruppe mit dem DFB-Team, der Niederlande und Serbien bislang ungeschlagen ist - und damit die Tabelle anführt.

Klopp erkennt bei den Griechen eine "goldene Generation". Immerhin können "die alle kicken" und seien im richtigen Alter, um sich noch weiterentwickeln. Zwar fehlt für das Duell gegen die DFB-Elf ihr Starspieler Christos Tzolis, dennoch ist genügend Qualität vorhanden - allen voran bei BVB-Neuzugang Konstantinos Karetsas. Klopp erinnerte daran, dass das griechische Team auch seiner Mannschaft vor gar nicht mal so wenigen Tagen noch Problemen bereitet hatte.

Ach ja, gesungen wurde dann noch, wieso auch nicht. An den griechischen Triumph 2004 könne er sich nicht erinnern, sagte Klopp. Soweit reiche sein Archiv dann doch nicht zurück. Wenig Ballbesitz - und am Ende hat Angelos Charisteas das Ding reingehauen, fasste Klopp die EM vor 22 Jahren zusammen. Zum Abschied ergänzte er das noch einmal um den selbstgedichten Fangesang: "Ohne Otto wäre das nicht passiert" - und bat die Dolmetscherin das auch singend zu übersetzen. Hoffentlich hält die gute Laune auch nach dem Spiel noch.

Verwendete Quelle: ntv.de