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Überraschender Rücktritt beim FCB Müller-Wohlfahrt zoffte sich mit Rummenigge

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Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist auch für die deutsche Nationalmannschaft tätig.

dpa

Der langjährige Vereinsarzt Müller-Wohlfahrt tritt nach fast 40 Jahren beim FC Bayern zurück. Der 72-Jährige begründet seinen Schritt mit einem "beschädigten Vertrauensverhältnis". Ein Streit nach dem Spiel in Porto bringt das Fass zum Überlaufen.

Der Ärztestreit beim deutschen Fußball-Rekordmeister FC Bayern München ist eskaliert: Einen Tag nach der 1:3-Niederlage im Viertelfinale der Champions League beim FC Porto hat Mediziner-Ikone Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nach fast vier Jahrzehnten hingeschmissen. In einer Mitteilung sprachen der 72 Jahre alte Vereinsarzt und drei seiner Kollegen von einem "geschädigten Vertrauensverhältnis".

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll es nach dem Porto-Spiel in der Kabine zu einer Auseinandersetzung zwischen Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und dem Vereinsarzt gekommen sein. Streitpunkt seien die zahlreichen verletzten Spieler im Team und deren zu langsame Genesung gewesen.

Nach der Pleite in Porto, wo Medhi Benatia (Muskelfaserriss), Franck Ribéry (Knöchelprobleme), Arjen Robben (Bauchmuskelriss), Javi Martinez (Kreuzbandriss) und David Alaba (Innenbandriss) verletzt gefehlt hatten, kam es nun offenbar zum Bruch. Das Ärzte-Quartett sieht "dadurch das für eine erfolgreiche medizinische Arbeit notwendige Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigt".

Nationalmannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt, sein Sohn Kilian sowie Peter Ueblacker und Lutz Hänsel erklärten, die medizinische Abteilung sei "aus ihnen unerklärlichen Gründen für die Niederlage hauptverantwortlich gemacht" worden. Die Bayern wurden vom Schritt der Mediziner völlig überrascht. "Wir haben von dieser Pressemitteilung keine Kenntnis, insofern können wir sie nicht kommentieren", sagte Mediendirektor Markus Hörwick.

Verhältnis zu Guardiola angespannt

Auch das Verhältnis des Mannschaftsarztes zum Bayern-Trainer ist gestört. Zwischen Müller-Wohlfahrt, der seit 1977 für die Bayern arbeitete, und Trainer Pep Guardiola hatte es im Laufe der Saison angesichts der Verletztenmisere des Bundesliga-Spitzenreiters spürbar gekriselt. Zuletzt schien sich das Verhältnis aber normalisiert zu haben.

Die tägliche Arbeit mit der Mannschaft hatte seit Anfang des Jahres Kilian Müller-Wohlfahrt geleistet. Guardiola soll zuvor darüber verärgert gewesen sein, dass die Spieler bei Blessuren stets den langen Weg zu Müller-Wohlfahrt Senior in die Münchner Innenstadt zurücklegen mussten.

Schon einmal war Müller-Wohlfahrt in seiner langen Bayern-Karriere beim Rekordmeister zurückgetreten: Nach einem Streit mit Jürgen Klinsmann im Jahr 2008 kehrte er allerdings unmittelbar nach dessen Entlassung zurück.

"Er hat goldene Hände"

In einem Alter, in dem für die meisten längst der Ruhestand begonnen hat, ist Müller-Wohlfahrt immer noch aktiv. Weiterhin gilt der Arzt aus München als Institution, als Guru der Prominenz. Sogar Supersprinter Bolt, der Doppel-Olympiasieger von London, bedankte sich nach seinem Sieg über 100 Meter ausdrücklich beim "Doc". "Er ist ein großer Mann. Er hat meine Muskeln behandelt, aber er war mehr als ein Arzt für mich", sagte der Jamaikaner und fügte an: "Er hat eine sehr wichtige Rolle gespielt."

Diese Rolle spielt und spielte Müller-Wohlfahrt aber nicht nur bei Bolt. In der Praxis in der Münchner Innenstadt geben sich Stars aus allen Bereichen des Lebens die Klinke in die Hand. Da taucht dann schon einmal spontan ein Bruce Springsteen auf, weil seine Konzerttournee wegen akuter Rückenprobleme in Gefahr ist.

Warum so viele Menschen dem in Leerhafe in Ostfriesland geborenen Pastorensohn vertrauen, verdeutlicht Tennisspielerin Andrea Petkovic: "Er hat goldene Hände". Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sprach einst von "Radarfingern". Boris Becker ergänzte, dass "Mull", wie er meist genannt wird, "ein seelisches Wannenbad" sei, ein "Dr. Feelgood" (Sunday Times) eben.

Quelle: n-tv.de, wne/sid

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