Nach seinem späten Tor stürmte Niclas Füllkrug wie von Sinnen zum Werder-Block und ließ jede Zurückhaltung fallen. Mit seinem Ausgleich in der Nachspielzeit hatte der Rückkehrer Borussia Dortmund die Party zum Bundesliga-Restart verdorben. Beim am Ende turbulenten 2:2 (0:0) an alter Wirkungsstätte setzte der frühere Nationalstürmer den fulminanten Schlusspunkt (90.+2).
"Fülle ist Fülle", sagte BVB-Kapitän Nico Schlotterbeck bei Sky über seinen Ex-Teamkollegen, "er hat extrem gutes Kopfballspiel, extrem gute Sprungkraft. Ich fand, dass wir ihn gut im Griff hatten. Aber dann stand er da, wo ein Stürmer stehen muss."
Vor Füllkrugs erstem Tor gegen Dortmund schien der fünfte Ligasieg des BVB bereits eingetütet. Daniel Svensson (80.) und Nico Schlotterbeck (85.) hatten auf 2:0 gestellt, Ludovit Reis (88.) Werder wieder herangeführt. Bayern München und der SC Freiburg können Dortmund am Wochenende damit von der Tabellenspitze stürzen.
BVB kommt ganz schwer ins Spiel
BVB-Trainer Niko Kovac hatte nach der "inakzeptabel" langen Länderspielpause Sorge um den Rhythmus, und in der Tat waren die Angriffe seiner Mannschaft trotz hoher Ballbesitzwerte unpräzise. Werder wartete vor 81.365 Zuschauern allerdings auch mit einer Fünfer-Abwehrkette und zu zehnt auf teilweise nur zwanzig Metern Spielfeldlänge. Nur nach Bremer Ballverlusten eröffneten sich Dortmund Gelegenheiten für mehr Dynamik.
Die Ärzte hatten "ihr Go" gegeben, wie Kovac vorab berichtete - deshalb stand der gewohnt sichere Schlotterbeck nach seiner Sprunggelenkverletzung bei der Nationalmannschaft in der Startelf. Julian Ryerson (Rippenprellung) hingegen fehlte, Konstantinos Karetsas saß nach einer Erkältung auf der Bank. Bei Werder startete Füllkrug, der 2024 mit dem BVB beinahe Champions-League-Sieger geworden wäre. "Allein das Aufwärmen" vor der Gelben Wand sei "unfassbar", sagte der frühere Nationalstürmer, der seinen ersten gefährlichen Kopfball aus Abseitsposition abgab (18.).
Fruchtloses Handballspiel
Der BVB wäre über eine Kopfballchance schon froh gewesen, denn er spielte im Handball-Stil fruchtlos um die Bremer Abwehr herum, von links nach rechts, von rechts nach links. Das Spiel war außergewöhnlich zäh - und frei von jeglicher Torchance, bis Ludovit Reis einen Werder-Konter mit einem Schuss zwei Meter neben das Tor abschloss (37.).
Das war der Startschuss zu etwas, das plötzlich nach einem ordentlichen Bundesligaspiel aussah. Zwei Minuten später verfehlte Marcel Sabitzer für den BVB mit einem 30-Meter-Freistoß ganz knapp den Winkel, und Werder-Torhüter Karl Hein rettete gegen Maximilian Beier (43.) mit einer Klasse-Parade. Unmittelbar nach der Pause war Hein gegen Distanzschüsse von Schlotterbeck (48.) und Ethan Nwaneri (49.) gefordert.
Plötzlich dominiert der BVB
Auf der Gegenseite verpasste Werder dann aus dem Nichts die Führung: Füllkrug setzte sich im Duell mit Joane Gadou durch, den Abschluss des früheren Dortmunders entschärfte Gregor Kobel in höchster Not mit dem Fuß (54.). Durch den Schock angetrieben erhöhten die Dortmunder den Druck daraufhin immer mehr. Hein parierte einen Flachschuss von Nwaneri wieder herausragend, dieses Mal mit dem Fuß (61.).
Nach der anschließenden Ecke klärte Werder in höchster Not auf der Linie, den zweiten Ball brachte Nwaneri dann per Fallrückzieher zur vermeidliche Führung (62.) im Werder-Tor unter. Wegen eines Fouls von Schlotterbeck nahm Schiedsrichter Christian Dingert das Tor aber zurück.
Borussia Dortmund - Werder Bremen 2:2 (0:0)
Tore: 1:0 Svensson (80.), 2:0 Schlotterbeck (85.), 2:1 Reis (88.), 2:2 Füllkrug (90.+2)
Dortmund: Kobel - Gadou, Anton, Schlotterbeck - Beier, Bellingham (72. Veerman), Nmecha, Svensson - Nwaneri (63. Silva), Sabitzer (72. Karetsas) - Guirassy. - Trainer: Kovač
Bremen: Hein - Pieper (19. Wojcik), Friedl, Deman - de Matos Soares (65. Weiser), Reis, Regeer (65. Stalmach), Grüll - Dinkci (81. Schmetgens), Chuki (81. Erevbenagie) - Füllkrug. - Trainer: Thioune
Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)
Gelbe Karten: Veerman (3), Nmecha - Stalmach
Zuschauer: 81.365 (ausverkauft)
Zehn Minuten vor dem Abschluss platzte dann der Knoten durch einen Konter. Daniel Svensson tauchte nach einem Ballgewinn von Maximilian Beier frei vor dem Bremer Tor auf und erzielte die 1:0-Führung (80.) für Borussia Dortmund. Der zweite Dortmunder Treffer ließ nur kurze Zeit auf sich warten. Schlotterbeck köpfte am freistehend am zweiten Pfosten (85.) zum 2:0 ein. Der Anschlusstreffer von Reis bescherte Bremen neuen Rückwind - und Füllkrug nutzte das zum Ausgleich.
"Ich mache das Tor für uns und nicht gegen sie", sagte Füllkrug bei Sky. Er sei "einfach nur glücklich, dass wir hier mit einem Punkt wegfahren". Der Stürmer schwärmte von einer "Wahnsinnsbereitschaft" der ganzen Mannschaft. "Am Ende haben wir nochmal die zweite Luft bekommen und alles rausgeholt und sind mutiger geworden."
Für die Dortmunder war die Heimpartie gegen den SV Werder Bremen der Auftakt in anstrengende Wochen. Alleine im Oktober stehen für die Schwarz-Gelben noch sechs weitere Partien in der Champions League, dem DFB-Pokal und der Bundesliga auf dem Programm. In der Königsklasse muss der BVB unter anderem nach Aserbaidschan und Norwegen reisen.
