Fußball

Asyl für sieben TeammitgliederTränen und Angst bei Abreise iranischer Fußballerinnen aus Australien

11.03.2026, 05:43 Uhr
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Iranische Demonstranten am Flughafen von Sydney. (Foto: picture alliance/dpa/AAP)

Irans Frauen-Fußballteam kehrt nach seinem stillen Protest beim Asien Cup nach Hause zurück. Viele weinen bei der Abreise. Es spielen sich dramatische Szenen ab und Lebensentscheidungen werden getroffen, berichten Augenzeugen. Sechs Spielerinnen bleiben in Australien.

Einige weinten, andere umarmten sich lange, bevor sie ihre Plätze im Flugzeug einnahmen: Die Abreise der iranischen Frauen-Fußballnationalmannschaft aus Australien verlief Augenzeugen zufolge äußerst emotional. Für viele Spielerinnen dürfte damit die Chance auf Asyl in Down Under endgültig vorbei sein. Sieben Teammitglieder hatten sich zuvor entschieden, das Angebot der australischen Regierung auf humanitäre Visa anzunehmen - eine der Frauen änderte aber in letzter Minute noch ihre Meinung.

Journalisten der Zeitung "Sydney Morning Herald", die den Nachtflug von Sydney nach Kuala Lumpur begleiteten, berichteten von dramatischen Szenen. Kurz vor dem Boarding hätten mehrere Spielerinnen Tränen in den Augen gehabt. Eine Frau habe noch ein letztes Telefonat mit ihrer Familie geführt, um zu entscheiden, ob sie zu den Teamkolleginnen gehören wollte, die in Australien bleiben. Am Ende stieg sie dennoch in das Flugzeug.

Wohl großer Druck auf Spielerinnen

Die Reise der "Löwinnen", wie die Mannschaft genannt wird, steht seit Tagen im Mittelpunkt internationaler Aufmerksamkeit. Das Team war wegen eines stillen Protests beim in Australien ausgetragenen Asien-Cup in der Heimat in die Kritik geraten. Beim ersten Gruppenspiel hatten die Spielerinnen während der Nationalhymne geschwiegen - im Iran wurde das als Zeichen gegen die Führung in Teheran gewertet. Staatsmedien bezeichneten sie später als "Verräterinnen", auch wenn sie bei den folgenden Partien wieder mitsangen.

Beobachter befürchten, dass den Frauen nach ihrer Rückkehr Konsequenzen drohen. Oder dass ihre Familien unter Druck geraten, falls sie nicht zurückkehren sollten.

Irans Botschafter wartet am Flughafen

Während des Flugs saßen viele der Frauen nach Angaben des "Sydney Morning Herald" schweigend in der Economy-Kabine. Auf Fragen reagierten sie zurückhaltend. "Ich darf nicht mit Ihnen sprechen", sagte eine Spielerin den Reportern zufolge und deutete auf die Betreuer der Mannschaft.

Nach der Landung am Morgen (Ortszeit) in Kuala Lumpur wartete Irans Botschafter in Malaysia bereits am Ausgang des Flugzeugstegs. Während einige Offizielle ihn begrüßten, wirkten viele Spielerinnen still und angespannt und starrten auf ihre Handys. Von Malaysia aus soll die Mannschaft über die Türkei weiter in den Iran reisen.

Vorausgegangen waren dramatische Momente an der Gold Coast, wo die Spielerinnen während des Turniers untergebracht waren. Einige sollen aus dem Mannschaftsbus SOS-Zeichen gezeigt haben. Aktivisten forderten daraufhin die australische Regierung auf, den Frauen Asyl zu gewähren.

Pahlavi warnt vor Repressionen

Fünf Spielerinnen erhielten schließlich humanitäre Visa, nachdem sie von der australischen Polizei aus ihrem Hotel gebracht worden waren. Zwei weitere Teammitglieder entschieden sich später ebenfalls, nicht zurückzukehren. Eine der Frauen entschied sich aber laut Innenminister Tony Burke in letzter Minute, doch in den Iran zurückzufliegen.

Burke betonte, allen Spielerinnen sei vor der Abreise Asyl angeboten worden. "Wir haben dafür gesorgt, dass es keine Eile gab, keinen Druck", sagte er. Viele hätten jedoch aus Sorge um ihre Familien im Iran darauf verzichtet. Eine Spielerin erklärte schlicht: "Der Iran ist unser Zuhause."

Der im Exil lebende Oppositionspolitiker Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien, warnte jedoch vor möglichen Repressionen. Das Regime spiele oft zunächst Versöhnung vor, bevor später Strafen folgten. "Zuerst gibt es Drohungen, dann ein inszeniertes Zeichen der Barmherzigkeit - und schließlich stille Vergeltung, sobald die Kameras aus sind", schrieb er.

Quelle: ntv.de, sue/dpa

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