"Sollte sich schämen"

Über Leroy Sané entlädt sich die ganz große Wut

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Leroy Sané unterhält sich mit Hansi Flick nach der Champions-League-Klatsche für Galatasaray gegen den FC Barcelona. (Foto: REUTERS)
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16.10.2026 | 11:25 Uhr
Leroy Sané hat bei einigen Fans von Galatasaray seinen Kredit verspielt. Nach der klaren Niederlage gegen den FC Barcelona in der Champions League keimt erneut Kritik an den Leistungen des 80-maligen Nationalspielers auf.

Leroy Sané teilt ein Schicksal mit Florian Wirtz. Wann immer es nicht läuft, bekommt er von Medien und Experten tüchtig einen mit. Und bei Sané, ebenso wie bei Wirtz, läuft es nicht. Wobei der (noch) verhinderte Star des FC Liverpool zuletzt zumindest im DFB-Team starke Auftritte hatte und unter der Woche auch in der Champions League gute Momente kreierte. Anders als Sané. Dessen Verein Galatasaray fing sich eine derbe Packung gegen den FC Barcelona (1:4). Und der von Bundestrainer Jürgen Klopp nicht mehr nominierte Nationalspieler wurde in der Luft zerrissen.

Dabei war er alles andere als schuldig an der Niederlage gegen seinen Ex-Coach Hansi Flick. Beide hatten in der Nationalmannschaft und beim FC Bayern zusammengearbeitet. Mittlerweile ist Flick nach seiner wenig erfolgreichen DFB-Zeit zum Ortsheiligen in Barcelona aufgestiegen, während der Hype um den Flügelstürmer schnell erlahmt ist. Was waren das für Bilder, als Sané vor über einem Jahr in Istanbul angekommen war. Die Gala-Fans empfingen ihn wie einen Popstar. Längst vergessen.

"Ich würde ihm an die Gurgel gehen"

Sané war erst in der 58. Minute eingewechselt worden. Galatasaray lag bereits 1:3 hinten. Die Wende konnte der ehemalige Profi des FC Bayern nicht mehr einleiten. Im Gegenteil: Fehlpässe wurden im eigenen Stadion mit Pfiffen quittiert. Einige TV-Experten wählten zudem drastische Worte. Ex-Profi Sinan Engin polterte in der Show "Asist Analiz" wütend: "Leroy Sané sollte sich schämen." Der frühere Nationalspieler Tümer Metin monierte, der Angreifer habe schlichtweg zu wenig Einsatz gezeigt. Es ist ein ewiges Thema in der Vita des 30-Jährigen. "Wäre ich sein Kollege, würde ich ihm in der Kabine an die Gurgel gehen und fragen: 'Willst du uns eigentlich helfen? Ich bin vom Laufen völlig fertig!'"

Sein Verein bemüht sich derweil darum, den Star außer Dienst gegen zu große Wut und Kritik zu schützen. "Er kam erst nach dem 1:3 ins Spiel. Das war die Phase, in der die Mannschaft eingebrochen ist. Dieses Spiel sollte nicht als Maßstab dienen, um seine Leistung zu bewerten", wird Coach Orkan Buruk unter anderem von "Sport1" zitiert. Schon nach der vergeigten WM mit dem DFB-Team war er seinem Starspieler zur Seite gesprungen. Es sei "leider aber fast schon zur Mode geworden", Sané zu kritisieren, bekannte Buruk: "Ich finde es ehrlich gesagt aber fast schon ein bisschen lustig, dass man Leroy Sané jetzt zum Sündenbock macht. Er hat keine schlechte WM gespielt."

Buruk erwartete nach der WM indes viel von Sané. "Ich muss auch besonders erwähnen, dass Leroy sehr, sehr positiv aus dem Urlaub zurückgekommen ist. Er fühlt sich im Kreis der Mannschaft sehr wohl. Wir bauen ihn jetzt körperlich wieder auf und freuen uns, dann in der neuen Saison wieder mit ihm arbeiten zu können." Bislang kommt er aber nur noch als Teilzeitkraft zum Einsatz. Er wartet nach neun Pflichtspieleinsätzen noch auf seine erste Torbeteiligung. Sanés Vertrag bei Gala läuft noch bis 2028. In seiner ersten Saison am Bosporus hatte er in 43 Pflichtspielen noch ordentliche sieben Tore erzielt und neun vorbereitet, wurde mit dem Hauptstadtklub auf Anhieb türkischer Meister.

Sané wendet sich an die Gala-Fans

Seine aktuelle Form und Rolle stellen ihn selbst nicht zufrieden. Nachdem sich der Frust auf den Rängen gegen ihn entladen hatte, meldete er sich via Instagram zu Wort: "Wir stehen in guten und schwierigen Zeiten zusammen. Ich arbeite jeden Tag hart dafür, zurück auf mein Top-Level zu kommen und das zu liefern, was ihr verdient. Danke für eure Unterstützung gestern und seit dem ersten Tag. Zusammen werden wir das schaffen", schrieb er in seiner Story.

Sané steht mal wieder am Scheideweg seiner polarisierenden Karriere. Der Abgang vom FC Bayern hatte sein Standing in der Nationalmannschaft schon erschwert. Julian Nagelsmann sprach davon, dass der Flügelstürmer Außergewöhnliches in der Süper Lig leisten müsse, um seinen Platz zu halten. Am Ende handelte der Ex-Bundestrainer anders und nahm Sané mit zur WM, trotz einer bestenfalls mäßigen Saison in der Türkei. Sein Nachfolger im Amt, Jürgen Klopp, sperrte dem Gala-Profi dagegen vorerst die Tür zu und ignorierte ihn bei seinen Debüt-Kadern. "Leroy hat in der Saison noch nicht wirklich Fuß gefasst", begründete Klopp seine Entscheidung und bekannte, dass er mit dem Spieler noch nicht einmal gesprochen habe. Aber: "Ich werde mit ihm sicher noch sprechen." Wenn es etwas zu bereden gibt.

Bei der WM waren seine Leistungen eines der beherrschenden Themen. Auf einen Nenner kamen Trainer, Experten und Fans nicht. Wie so oft bei der Beurteilung von Sanés Leistungen. Die werden derzeit nicht besser und die Spielzeit immer weniger. Die Karriere droht auf bittere Weise zu kippen. Auch wenn der Klub samt Präsident Dursun Özbek laut Medienberichten weiterhin an Sané glauben und hinter ihm stehen sollen. Ein diskutierter Winter-Abschied nach bisher nur 419 Spielminuten sei demnach aktuell aber kein Thema in Istanbul. In diesem Zusammenhang nennt der Sportsender Sky eine angebliche Spur in die Saudi Pro League als definitiv kalt.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno