Da schmerzt die DFB-Seele

Zidane flippt nach Olises sensationellem Solo völlig aus

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29.09.2026 | 10:55 Uhr
Michael Olise rettet Frankreich gegen Belgien. Wann immer der Superstar des FC Bayern gebraucht wird, ist er da. Für seine Nationalmannschaft, für seinen Klub. Die Sehnsucht des DFB-Teams nach solch einem Spieler ist groß.

Zinedine Zidane konnte sein Glück kaum fassen und rastete einfach mal aus. Wie von Sinnen rannte Frankreichs Fußball-Legende, seit ein paar Wochen Nationalcoach, die Seitenlinie entlang und haute einen Ball ins Nirwana. Da hatte sich was angestaut. Und das brauchte ein Ventil. Ein Ball ist da immer eine gute Idee. Früher streichelte er ihn, jetzt wemste er ihn robust von dannen. Was Zidane so sehr erregt hatte? Das Glück, das den Namen Michael Olise trägt. Der Starspieler des FC Bayern hatte die große Nation gegen Belgien gerettet. In der 88. Minute traf er.

Aber er traf nicht einfach so. Ihm fiel der Ball nicht vor die Füße und er musste nur noch vollenden. Der Weg zum Siegtor (1:0) war lang, sehr lang. In der eigenen Hälfte nahm das Spielgerät an und in vollem Speed mit. Ein Gegner hängte sich an ihn, egal. Olise rannte weiter, zog von der rechten Seite nach innen, fand den freien Raum zentral vor dem Tor und schloss aus gut 16 Metern ab. Er legte den Ball so präzise und elegant mit der Innenseite in die lange Ecke, das sich Keeper Senne Lammens, die belgische Nummer eins von Manchester United, vergeblich streckte. Trotz 193 Zentimetern. "Er ist ein absolutes Naturtalent und liebt es einfach, Fußball zu spielen. Das sieht man", sagte Zidane über den Star von Bayern München: "Er fühlt das Spiel. Ich freue mich, an seiner Seite zu sein."

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"Jürgen Klopp kann nicht zaubern"

Olise, Mr. Nonchalent, drehte entspannte ab, während Zidane eskalierte. Olise tat Olise-Dinge und verzwergt sie zur Normalität. Der französische Flügelstürmer bewirbt sich Woche für Woche um den Ballon d'Or. Und wäre da nicht sein Münchner Teamkollege Harry Kane, es gäbe niemanden, der ihm die Auszeichnung streitig machen könnte. Wenn der Maßstab Unterschiedsspieler schlechthin ist.

Gleich zwei davon haben die Münchner unter Vertrag. Ein dritter Kandidat war auf dem Weg dorthin, ehe er von Gianluigi Donnarumma übel ausgebremst worden war. Italiens gigantischer Torwart war bei der Klub-WM auf den Unterschenkel von Jamal Musiala gefallen und hatte dessen Karriere so einen herben Bruch versetzt. Seither kämpft das Ausnahmetalent um seine beste Verfassung. Immer wieder blitzt auf, was er kann. Immer wieder bremst ihn die Gesundheit aus. In der Vorbereitung und zu Beginn der Saison sorgte er mit seinen Zusammenbrüchen auf dem Feld für schockierende Bilder. Er leidet an "temporären, aber gut behandelbaren Absencen".

FC Bayern kann's kompensieren, DFB-Team nicht

Der FC Bayern kann bislang gut kompensieren, dass Musiala immer wieder ausfällt und Form sucht. Weil er Olise hat, weil er Kane hat. Und in vielen Momenten auch Luis Diaz. Oder auch Serge Gnabry, ehe der sich im Vorfeld der vergangenen Fußball-WM ebenfalls verletzt hatte. Die DFB-Elf dagegen kommt gar nicht damit klar, dass ihr Musiala fehlt. Zusammen mit Florian Wirtz, der seit dem Wechsel zum FC Liverpool mit einem chronischen Leichtigkeitsmangel kämpft, hatte er bei der EM 2024 den Kontinent erobert. Es sollte zwei Jahre später die ganze Welt werden. Mit Kai Havertz hatte Julian Nagelsmann einen gefährlichen Dreizack geformt, der an Marc Cucurellas Hand gescheitert war.

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"Mit der Bild-Zeitung entschieden" - Finke spottet über Wahl für Klopp

Deutschland hatte sich beim Heim-Turnier im Sommer vor zwei Jahren in die Nationalmannschaft verliebt. Und ein kleines bisschen auch in Julian Nagelsmann, der das Land mit einer bewegenden Rede nach dem Viertelfinal-Knockout durchgerüttelt hatte. Im tiefen Frust wuchsen große Freude und noch größere Ambitionen. Nagelsmann rief den WM-Titel aus. Und scheiterte. Daran, dass er sich selbst auf dem Weg verlor, dass seine Unterschiedsspieler außer Dienst waren und dass er die Leute im Land kommunikativ alleine gelassen hatte. Deutschland rief nach Veränderung, nach Jürgen Klopp.

Der riss die Fußball-Nation aus der Depression. Klopps Aura, Kandidat für das Unwort des Jahres, blendete für Momente über alles hinweg, was der deutsche Fußball an Problemen mit sich schleppt. Die gute Leistung gegen die Niederlande, in der das DFB-Team mit Leidenschaft überzeugt hatte, kaschierte vieles. Die kreativen Probleme gegen gut organisierte Gegner. Und drei Tage später legte Griechenlands goldene Generation alles offen. Nur Leidenschaft, das reicht eben nicht. Der Frust über Leistung und Niederlage in der Nations League (0:1) waren so groß, dass ARD-Experte und DFB-Ikone Bastian Schweinsteiger eine "Mittelmaß"-Diskussion anstieß.

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Tah über Klopp: "Seine Ansprache war schon was Besonderes"

Noch ist nicht abschließend gerichtet. Aber der Druck auf den Erlöser Klopp steigt. Sollte er auch gegen die Serben am Donnerstag nicht gewinnen können, wäre er der erste Bundestrainer in der langen DFB-Geschichte, der in seinen ersten drei Spielen ohne Sieg blieb. Er selbst blendet die Macht der Zahlen aus und hatte seine Einstiegsmission mit vier Spielen clever gegen Kritik abgesichert. 44 Spieler hatte er nominiert, auf zwei Kader. Da geht es ums Sichten und nicht ums Richten. Der Weg fand große Zustimmung, weil die ratlose Fußballrepublik ohnehin keine Alternative zur Hand hatte.

Was ist mit Kimmich?

Mitten im Casting läuft aber im DFB-Team nicht nur die Suche nach tauglichen Spielern für die nächsten Aufgaben, sondern auch nach Unterschiedsspielern, die einen Krampf auch mal alleine lösen können. Der erneut verletzte Musiala konnte nicht helfen, der vorgezogene Wirtz mit wenigen Minuten gegen Griechenland auch nicht. Er ist aber im "Kader II" dabei und bekommt zwei Chancen wie auch Gnabry. Und Lennart Karl, der nächste potenzielle Unterschiedsspieler des FC Bayern. In seinem ersten Jahr in München riss er Boss und Coach Vincent Kompany phasenweise von den Sitzen mit rasanten Dribblings und eiskalten Abschlüssen. Auch Said El Mala trägt große Hoffnungen. Er ersetzt Karim Adeyemi, der den FC Barcelona verrückt macht und Deutschland verzweifeln lässt.

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Klopp schützt Offensivstar: Wirtz "über jeden Zweifel erhaben"

Nicht mehr dabei ist auch Joshua Kimmich. Wie geplant muss er nach zwei Spielen seinen Platz räumen, auch wenn er das nicht ohne schweres Herz tut. Gerne wäre er dabei geblieben. Auf Zwang möchte der Kapitän endlich mit dem DFB-Team reüssieren. Er droht das Gesicht einer verlorenen Generation zu werden, der Jahrgang 95/96 galt als einst als goldene Generation, lief aber bislang blechern gegen die Wand. Warum er im DFB-Team als Sechser und Quarterback nicht so funktioniert, wie beim FC Bayern, wo ihm regelmäßig Weltklasse attestiert wird, bleibt ein großes, ungelöstes Mysterium. Vielleicht weil er im Zentrum zu dominant ist, zu viel Last mit sich herumschleppt? Vielleicht aber auch, weil die Mannschaft um ihn herum nicht funktioniert?

Matthäus zählt DFB-Spieler an

Lothar Matthäus versteht das nicht. Der Chef-Experte der Nation wundert sich und klagt die DFB-Spieler an: Das System von Klopp sei "ähnlich wie das des FC Bayern", führte Matthäus in seiner Sky-Kolumne aus. "Er erwartet die gleichen Dinge von seinen Spielern wie die Vereinstrainer. Deswegen nehme ich nicht nur den Bundestrainer in die Pflicht, sondern auch die Spieler. Sie bringen Qualität und Erfahrung mit, aber wenn sie diese Qualitäten nicht zeigen, funktioniert es nicht."

Matthäus sprach von einem "Rucksack" und fragte: "Warum haben unsere Spieler in ihren Klubs Lösungen, aber nicht im DFB-Team?" Vielleicht, weil sie im Verein mit Harry Kane oder Lamine Yamal zusammenspielen. Aber Kimmich spielt im DFB-Team nicht mit Ballon-d'Or-Kandidaten, sondern mit fraglos talentierten Spielern, die aber meist erst eine oder zwei Saisons im Rampenlicht stehen.

Unterschiedsspieler sind immer dann mit großen Momenten zur Stelle, wenn eine Mannschaft sie braucht. So wie Frankreich. So wie Olise. Das DFB-Team könnte diese Hilfe dringend gebrauchen.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno