"Völkermord", "Heuchelei"

Vor Nations League: Zoff zwischen Irland und Israel eskaliert komplett

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Demonstrierende in Dublin forderten einen Boykott der Spiele gegen Israel. (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)
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22.09.2026 | 14:23 Uhr
Erst sollte es einen Boykott geben, dann folgten "Völkermord"-Vorwürfe: Irlands Nationalelf befindet sich im Streit mit der israelischen, bevor es überhaupt zu den zwei Nations-League-Partien gekommen ist. Nun keift der israelische Verband aggressiv zurück.

Die bevorstehenden Duelle in der Nations League zwischen Irland und Israel werden zunehmend von politischen Debatten und schweren Vorwürfen überschattet. Nachdem Irlands Nationalcoach Heimir Hallgrimsson zunächst mit einer "Völkermord"-Aussage hatte aufhorchen lassen, übte der israelische Fußballverband (IFA) nun scharfe Kritik.

"Wir haben in unzähligen Bereichen einen Beitrag für die Welt und die Menschheit geleistet und dabei eine beeindruckende Anzahl von Nobelpreisen gewonnen", schrieb der Verband via Social Media: "Leider haben wir noch kein Heilmittel gegen die Dummheit, Ignoranz und Heuchelei gefunden, die der Nationaltrainer Irlands an den Tag legt. Wir spielen nicht mit Ignoranz, Heuchelei und Dummheit - wir spielen gegen den Trainer, der all das verkörpert."

Hallgrimsson hatte bei der Bekanntgabe seines Kaders für die anstehenden Nations-League-Spiele, in deren Rahmen Irland auch zweimal auf Israel trifft, gesagt: "Wir spielen nicht mit Völkermord, wir spielen gegen Völkermord. Wir spielen gegen Israel, wir spielen nicht mit Israel."

Als Reaktion auf die Aussagen des Isländers gab es am Montagabend zudem eine Protestaktion vor dem irischen Mannschaftshotel. Der irische Fußballverband FAI hat auf das Statement des israelischen Verbandes bislang nicht reagiert. Die Aufeinandertreffen zwischen den Teams der beiden Länder finden am Sonntag (in Ungarn) und am 4. Oktober (in Serbien) jeweils auf neutralem Boden statt, die zweite Partie wird zudem unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen.

Irland dachte über Boykott nach

In Irland war zunächst gar über einen Boykott der Spiele nachgedacht worden. Mehr als 160 irische Sportlerinnen und Sportler hatten einen offenen Brief mit einer entsprechenden Forderung unterzeichnet. Die Generalversammlung der FAI stimmte im Juli jedoch mit einer Mehrheit für die Austragung der Partien.

Am 7. Oktober 2023 hatte die radikalislamische palästinensische Gruppe Hamas Israel angegriffen, dabei waren mehr als 1200 Menschen getötet worden. Israel reagierte auf die Terrorattacke mit massiven Angriffen im Gazastreifen, bei dem nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mehr als 73.000 Menschen getötet wurden. Trotz einer im Oktober vergangenen Jahres in Kraft getretenen Waffenruhe geht Israel weiter militärisch im Gazastreifen vor. Nach Zahlen des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, welche die UNO für vertrauenswürdig hält, wurden seitdem 1300 weitere Menschen getötet.

Israel hat laut eines UN-Berichts vom Juni im Gazastreifen und im Westjordanland gezielt Kinder ins Visier genommen. Diese Attacken zählten als Völkermord, als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen, erklärte eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen. Israel hat die Vorwürfe des Berichts vehement zurückgewiesen. Laut dem Bericht der Kommission sind seit Oktober 2023 bis zum Waffenstillstand vom Oktober 2025 mindestens 20.179 Kinder im Gazastreifen als direkte Folge des militärischen Konflikts getötet worden, darunter mindestens 5.031 Kinder bis zum Alter von vier Jahren. Mehr als 44.000 Kinder seien verletzt worden, hieß es.

Verwendete Quellen: ntv.de, dbe/sid