Fußball

Mut, Großrotation, Rekordpleite Weltmeister Frankreich frustriert DFB-Elf

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DFB-Kapitän Manuel Neuer war bei Elfmetersiegtor der Franzosen durch Antoine Griezmann chancenlos.

(Foto: imago/Eibner)

Trotz Pausenführung und klarer Leistungssteigerung nach der Pleite gegen die Niederlande verliert die DFB-Elf auch ihr Nations-League-Spiel bei Weltmeister Frankreich. Durch die historische Niederlage droht dem Löw-Team weiter der Abstieg.

Joachim Löws Mut zur Jugend und zu lange vermissten Veränderungen wurde nicht belohnt und kommt in der Nations League zu spät. Drei Monate nach dem WM-Desaster im Sommer und drei Tage nach der herben Pleite in den Niederlanden forderte das verjüngte deutsche Team in Paris Weltmeister Frankreich auf höchstem Niveau. Doch nach dem Führungstor von Toni Kroos durch einen verwandelten Handelfmeter (14.) drehten die Gastgeber nach der Pause durch einen Doppelpack von Antoine Griezmann, der per Kopf (62.) und einen umstrittenen Elfmeter (80.) nach vermeintlichem Foul von Mats Hummels an Blaise Matuidi traf, noch die Partie.

Nach dem 1:2 (1:0) bei den starken Franzosen droht in der Nations League nun die europäische Zweitklassigkeit. Mit weiter nur einem Punkt könnte Deutschland schon vor seinem letzten Nations-League-Spiel am 19. November in Gelsenkirchen abgestiegen sein, wenn Holland (3 Punkte) zuvor gegen den Tabellenführer Frankreich (7) gewinnt. Sicher ist: Nur ein eigener Sieg gegen Oranje könnte dem DFB-Team überhaupt noch den rettenden Platz zwei sichern.

Für die lange Zeit auf Augenhöhe mit dem Weltmeister mithaltende Mannschaft könnte die Niederlage vor rund 75.000 Zuschauern in Paris dennoch zum Wendepunkt werden, auch wenn es eine historische Pleite war: Für die DFB-Elf war es bereits die sechste Niederlage im Länderspieljahr 2018 - mehr als je zuvor in der DFB-Geschichte. Für Löw war es im achten Duell gegen die Franzosen die vierte Niederlage, die damit der persönliche Angstgegner des Bundestrainers sind. Trotzdem: Unter großem Druck präsentierte sich der angeschlagene Löw drei Monate nach dem historischen WM-K.o. doch noch als mutiger Erneuerer. Dem erhöhten Druck des individuell herausragend besetzten Weltmeisters nach der Pause konnten die Gäste aber nicht standhalten.

Großrotation nach Holland-Pleite

Wie angekündigt reagierte der in die Kritik geratene Löw aber nicht nur taktisch, sondern auch personell auf die klare Pleite in den Niederlanden. Gegen den Weltmeister wechselte er die halbe Startformation vor DFB-Kapitän Manuel Neuer im Tor aus und ging dabei ein hohes Risiko. Thilo Kehrer spielte erstmals von Beginn an. Nico Schulz kam erstmals in einem DFB-Pflichtspiel zum Einsatz und Serge Gnabry bestritt als Mittelstürmer erst sein drittes Länderspiel. Löw setzte auf Jugend und Tempo. Niklas Süle als Ersatz für den verletzten Jérôme Boateng wurde zum neuen Abwehrchef in einer Dreierkette befördert. Und ausgerechnet der von vielen Fans schon lange geforderte und vor der WM von Löw noch aussortierte Leroy Sané war mit seinen Turbo-Sprints lange ein Trumpf. Thomas Müller musste hingegen bis zur Schlussphase auf seinen 98. Länderspiel-Einsatz warten.

"Nach einem 0:3 muss man wechseln. Wir haben die Lehren aus dem Spiel gezogen", hatte Löw nach der Pleite in den Niederlanden gesagt. "Wir hoffen, dass eine Energie frei gesetzt wird, die gegen Holland nicht zu sehen war", merkte Oliver Bierhoff kurz von dem Anpfiff im ARD-Interview an. Der scharf kritisierte Löw erreiche die Mannschaft weiterhin, meinte der Teammanager und die Spieler demonstrierten dies auf dem Platz.

Fehler korrigiert, Frankreich überrascht

Mit dem Mut zur taktischen und personellen Umstellung in einer Dreierkette mit Matthias Ginter, Süle und Mats Hummels und der Rückkehr zur Doppelsechs mit Kroos neben Joshua Kimmich korrigierte Löw nicht nur Fehler aus dem Holland-Spiel, sondern überraschte auch die Franzosen. Jeder Ballverlust der Équipe tricolore wurde zu einem blitzschnellen Gegenangriff genutzt - fast immer über Sané. Dieses Tempo hatte man von einer DFB-Elf seit Jahren nicht gesehen.

Auch Löw selbst wirkte an der Seitenlinie wieder viel engagierter und richtete seine jungen Akteure nach Fehlern gestenreich wieder auf. Schon nach elf Minuten musste Frankreichs Torwart Hugo Lloris einen gefährlichen Konter über Sané und Timo Werner abfangen. Kurz darauf entschied Referee Milorad Mazic auf Strafstoß als Presnel Kimpembe eine Sané-Herreingabe unabsichtlich mit dem Oberarm blockte. Kroos war der Druck anzusehen - er zitterte den Ball an Lloris vorbei ins rechte Eck. Endlich war sie da, die ersehnte Führung. Zum ersten Mal lag die DFB-Auswahl in diesem Jahr in einem Pflichtspiel 1:0 vorn. Und die Chancen zum zweiten Tor waren da. Sané und Werner konterten weiter (19.). Ginter scheiterte nach einer Ecke knapp an Lloris (24.).

Griezmann schlägt eiskalt zu

Die Franzosen waren irritiert ob des deutschen Mentalitätswandels. Erst kurz vor Halbzeit entwischte Kylian Mbappé (40.) im Rücken der Dreierkette. Der von Löw vor der Partie demonstrativ gestärkte Neuer packte aber sicher zu.

Neuer war auch nach dem Seitenwechsel schnell wieder gefordert, als er gegen Mbappé parierte. Bei Griezmanns unkonventionellem Kopfball war der Bayern-Schlussmann aber machtlos. Mit großer Intensität und viel Aufwand stemmte sich das DFB-Team gegen die nun stärker werdenden Franzosen und hatte auch die Chance zur erneuten Führung durch Sané und Gnabry (67.). Doch der späte Nackenschlag folgte nach einem erneuten Elfmeterpfiff von Mazic. Hummels' Zupfen gegen Blaise Matiudi wertete er als Foul. Griezmann verwandelte eiskalt.

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Quelle: n-tv.de, cwo/dpa

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