Kurioses Fußball-Sponsoring

Als der "Kaiser" mit Tütensuppen den Fußball revolutionierte

imageVon Ben Redelings
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Anke Engelke und Franz Beckenbauer machten Werbung.
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29.08.2026 | 08:02 Uhr
Vor 60 Jahren startet Franz Beckenbauer mit einer unvergessenen Werbung endgültig die Kommerzialisierung des deutschen Fußballs. In den Folgejahren wird nicht nur ein Löwe auf der Brust des BVB für denkwürdige Geschichten sorgen.

Die Weltmeisterschaft in England war gerade vorbei, als der neue Jungstar Franz Beckenbauer mit seinem ersten großen Werbevertrag begann den deutschen Fußball zu revolutionieren. Die Werbespots für den Tütensuppen-Hersteller Knorr aus dem Sommer 1966 sind bis heute legendär. Vor einer rustikalen Schrankwand saß damals der junge Nachwuchs-Kaiser und sprach mit einem rollenden "R" den bis heute unvergessenen Satz: "Kraft in den Teller - Knorr auf den Tisch". Nicht nur die Suppe schmeckte Beckenbauer in diesen denkwürdigen Tagen ganz "prima", auch zu den 12.000 Mark, die sein emsiger Manager Robert Schwan für ihn ausgehandelt hatte, sagte der Jungstar sicherlich "mmmhh".

Franz Beckenbauer konnte es damals nicht wissen, aber nach der Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 war dieser Werbedeal mit einem Lebensmittelhersteller in Deutschland so etwas wie der Türöffner für immer größer und spezieller werdende Partnerschaften zwischen dem Fußball und Unternehmen. Nachdem schließlich auch noch Günter Mast im Frühjahr 1973 mit "Jägermeister" die Trikotbrust für Firmen geöffnet hatte, wurde das Treiben immer kurioser, wie man recht schnell beispielweise im schönen Herne erfahren musste.

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Ein gewisser Erhard Goldbach hatte plötzlich sein Herz für die Westfalia entdeckt und butterte Hunderttausende von Deutschen Mark in den Klub hinein. Vorne auf den Jerseys prangte fortan nun in güldenen Lettern der Name seiner Firma: Goldin. Der Mineralölhändler und Chef der Tankstellenkette kam zum Stadion am Schloss Strünkede, als der Verein gerade ziemlich unauffällig im Mittelfeld der 2. Bundesliga herumdümpelte. Trotzdem wurden im großen Stil Trainer ("Herne ist gut für Rentenkasse", Ivica Horvat) und Spieler verpflichtet und mit üppigen Gehältern ausgestattet.

Profi fährt mit Tanklastwagen zum Tanken vor

Sogar kostenlos tanken durften die Profis. Anfangs füllten die Spieler nur ab und zu einige Kanister zusätzlich für Freunde und die Familie ab. Doch eines Tages fuhr schließlich ein Profi mit einem ganzen Tanklastwagen vor und ließ diesen dann über die Grenze in seine Heimat fahren. Ohne Frage: Es waren irre Zeiten in Herne. Denn der "Ölkönig von Wanne" schien keine Grenzen zu kennen, und die kleine Ruhrgebietsstadt stand einfach nur noch Kopf.

Man bewunderte den großen Mäzen, der den schwierigen Zeiten der Mineralölkrise erfolgreich zu trotzen schien. 1977 gelang es ihm schließlich sogar, den Klub in "SC Westfalia Goldin 04 Herne" umbenennen zu lassen. Ganz langsam stellten sich dann auch die ersten Erfolge ein. In der Tabelle ging es nach oben. Westfalia Herne war auf dem Weg in eine glorreiche Zukunft, bis am 24. Juni 1979 innerhalb von Sekunden das ganze Kartenhaus in sich zusammenfiel. Goldbach hatte seit Jahren keine Mineralölsteuer mehr gezahlt. 140 Millionen Mark Steuerschulden, so sagte man, waren mit der Zeit angelaufen. Das Zollamt schloss Goldbachs Mineralöllager, legte die Tankstellen trocken und ließ damit auch den Geldstrom an die Westfalia endgültig zum Versiegen kommen. Der DFB entzog daraufhin umgehend dem Westdeutschen Meister von 1959 die Lizenz für die 2. Bundesliga. Der bis heute andauernde Abstieg eines Traditionsklubs war nicht mehr aufzuhalten.

Tabakkonzern steigt beim BVB ein

Der Fußball, den gerade auch ein so smarter wie sympathischer Akteur wie Franz Beckenbauer salonfähig gemacht hatte, zog das Geld mittlerweile nur so an - und sorgte für immer seltsamere Geschichten. So wartete Borussia Dortmund 1976 mit einem viel beachteten Paukenschlag auf. Als Trikotsponsor präsentierte man am Borsigplatz zur neuen Saison niemand Geringeres als den niederländischen Tabakkonzern Samson. Aber ging das überhaupt? Werbung fürs Rauchen und für Fußball?

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Anscheinend klappte es sogar so gut, dass man fortan einen Löwen namens "Sambo" als Vereinsmaskottchen führte und auch das Klubwappen für den neuen Sponsor großzügig veränderte. Zum Start der Spielzeit 1976/77 prangte nun - wie im Samson-Firmenlogo - ein Löwe in der Mitte des kreisrunden Emblems. Eine Aktion, die - wie konnte man es auch anders erwarten - keine Begeisterungsstürme bei den Fans auslöste. Und so verabschiedeten sich die Holländer 1978 bereits wieder Richtung Nordseeküste, und das Wappen wurde durch das klassische schwarze "BVB 09" auf gelbem Grund ersetzt.

Der nächste Sponsor der Borussia war übrigens ein Hersteller für Autolacke und Dichtungsmaterialien. Die Firma mit dem schönen Namen "Prestolith" sorgte fortan beim BVB für einen neuen Anstrich und geschlossene Abwehrreihen. Trikots aus diesen Jahren sind bei den Fans so beliebt, dass sich im Jahr 2002 die damalige klubeigene Herstellerfirma goool.de dazu entschloss, Retrohemden aus den längst vergangenen Zeiten zu produzieren.

Beckenbauer bei RWE?

Zur Saison 1977/78 vermeldete Rot-Weiss Essen dann einen überraschenden Neuzugang: Franz Beckenbauer wurde Partner der Mannschaft von der Hafenstraße. Allerdings nur indirekt. Denn der adrette Star des deutschen Fußballs hatte mal wieder einen neuen Werbepartner - und dieser, die Firma des revolutionären Selbsthaarschneiders "Hairmatic2000", war auch der neue Trikotsponsors von RWE. Deutschlandweit lief in allen Kaufhäusern in den 1970er-Jahren den lieben langen Tag ein Spot mit Franz Beckenbauer auf klobigen TV-Apparaten rauf und runter. Der Clou des praktischen, orangefarbenen Plastikteils war die eingelegte Rasierklinge, die es dem kostenbewussten Verbraucher ermöglichte, sich selbst die Haare zu schneiden. Der richtige Durchbruch gelang dem wundersamen Gerät mit dem unschlagbar schönen Namen allerdings nie - und auch Rot-Weiss Essen half das Selbsthaarschneider-Geld nicht wirklich weiter.

Und Franz Beckenbauer? Der wurde nach dem erfolgreichen Start mit "Knorr" zu seiner echten Werbeikone. Legendär und unvergessen ist bis heute sein Spruch für ein Mobilfunkunternehmen, der sprichwörtlich wurde: "Ja ist denn heut schon Weihnachten?" Kurios wurde es allerdings, als er nur wenige Jahre später zusammen mit Anke Engelke und Dieter Bohlen für eine Konkurrenzfirma auflief und anfangs den Spruch recycelte. Verständlicherweise ging das dem ersten Werbepartner zu weit. Doch das wurde im nächsten Spot elegant umschifft. Bohlen: "Franz, dann sag's halt schon." Beckenbauers launige Antwort: "Ich würde ja gerne. Aber ich darf ja nicht." Darauf eine kraftvolle Tütensuppe: "Mmmhh!"

Verwendete Quelle: ntv.de