"Tüchtig auf den Sack!"

Als ein norwegischer Reporter gegen England komplett eskalierte

Ben-RedelingsVon Ben Redelings
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Bjørge Lillelien (Foto: IMAGO/NTB)
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12.07.2026 | 18:57 Uhr
Anders als bei der WM 2026 schlägt Norwegen die Engländer vor 45 Jahren - und TV-Kommentator Bjørge Lillelien wird unsterblich. Er ruft der englischen Premierministerin zu: "Ihre Jungs haben heute tüchtig einen auf den Sack bekommen."

Zwei Minuten lang schwiegen alle live im TV. Damals vor dem Anpfiff eines Länderspiels der Norweger gegen die DDR. Sie ehrten mit dieser außergewöhnlichen Aktion einen Mann, der in Norwegen ein Held ist. Bjørge Lillelien wurde durch seine emotionalen Radiokommentierungen und TV-Reportagen unsterblich. Vor allem wegen eines bis heute unvergessenen Spiels gegen England im September vor 45 Jahren.

Lillelien war ein Mann des Wortes. Laut, mit viel Gefühl und stets einer besonderen persönlichen Note veränderte er die Art der gewohnten Kommentierungen von Sportereignissen nachhaltig - in Norwegen und weltweit. So wie es Lillelien machte, war einfach speziell. Als sich die norwegische Fußballmannschaft für die Olympischen Spiele in Moskau qualifizierte, schrie der Reporter mehrmals voller Begeisterung in sein Mikrofon: "Genosse Breschnew, hier kommen wir!" Leonid Iljitsch Breschnew war damals das Staatsoberhaupt der Sowjetunion und als "kalter Krieger" gefürchtet. Doch bei dem norwegischen Sportreporter überwog die Vorfreude auf das Turnier - und die Hoffnung, dass der olympische Geist alle politischen Verwerfungen dieser Tage wenigstens für die Dauer des Wettbewerbs in den Schatten stellen mochte. Leider ein Fehlglaube, wie wir heute wissen.

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"Wir sind die Besten der Welt!"

Unsterblich machte sich Lillelien schließlich am 9. September 1981 in Oslo. "Your boys took a hell of a beating", rief der TV-Kommentator an diesem unvergesslichen Abend in sein Mikrofon - "Ihre Jungs haben heute tüchtig einen auf den Sack bekommen!" Sein Land hatte gerade in der WM-Qualifikation ein Spiel gewonnen. Eine Partie, könnte man meinen, ohne großen Wert. Das Schlusslicht Norwegen hatte bereits vor der Begegnung gegen England in der Gruppe 4 kaum noch eine Chance auf die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Spanien. Doch das alles zählte nicht.

Als das Spiel am Ende mit 2:1 gewonnen war, gab es für Lillelien kein Halten mehr. Sein Kommentar - ein Mix aus Norwegisch und Englisch - von diesem Abend ist eine Legende: "Wir sind die Besten der Welt! Wir sind die Besten der Welt! Wir haben England mit 2:1 geschlagen - im Fußball. Es ist einfach nicht zu glauben. Wir haben England geschlagen. England, das Geburtsland solcher Giganten wie Lord Nelson, Lord Beaverbrook, Sir Winston Churchill, Sir Anthony Eden, Clement Attlee, Henry Cooper, Lady Diana - wir haben sie geschlagen. Wir haben sie alle geschlagen."

Und dann richtete er sich direkt an die damalige britische Premierministerin: Maggie Thatcher, können Sie mich hören? Maggie Thatcher, ich habe eine Nachricht für Sie. Jetzt gerade mitten im Wahlkampf. Ich habe eine Nachricht für Sie: Wir haben England aus dem Wettbewerb gekegelt. Maggie Thatcher, lassen Sie es mich in Ihrer Sprache sagen, in der Sprache der Boxing Bars rund um den Madison Square Garden in New York: Ihre Jungs haben heute tüchtig einen auf den Sack bekommen. Your boys took a hell of a beating!"

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Ein Kommentar, der in Deutschland in seiner Wirkung vergleichbar ist mit den Worten von Herbert Zimmermann beim WM-Finale 1954 ("Schäfer nach innen geflankt. Kopfball - abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen - Rahn schießt - Tooooor!") und in England mit den unsterblichen Sätzen von BBC-Kommentator Kenneth Wolstenholme vor dem alles entscheidenden 4:2 im WM-Finale 1966: "Some people are on the pitch. They think it's all over. It is now!"

Nachahmer bis heute

Bereits sechs Jahre nach seiner legendären Reportage starb Lillelien an Krebs. Seine Worte leben jedoch bis heute in zahlreichen Abwandlungen und Parodien weiter. Als England 2005 Australien beim Cricket schlug, hieß es beispielsweise: "Kylie Minogue! Steve Irwin! Holly Valance! Crocodile Dundee! Natalie Imbruglia! Ian Thorpe! Mrs. Mangel! Can you hear me? Your boys took a hell of a beating!"

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Und als Schottland 2005 in Oslo Norwegen besiegte, nutzte der schottische "Daily Record" die Gunst der Stunde für diesen Streich: "King Olaf, Roald Amundsen, Liv Ullmann, Edvard Munch, Vidkun Quisling, Thor Heyerdahl, Henrik Ibsen, Edvard Grieg, Monty Python's Norwegian Blue, Morten Harket und Anni-Frid from ABBA. Your boys took a hell of a beating!"

Auch beim dramatischen 1:2 im Viertelfinale der WM 2026 werden sie in Norwegen wieder an ihren Bjørge Lillelien gedacht haben. Und tatsächlich waren die Wikinger um Erling Haaland drauf und dran England "tüchtig auf den Sack zu geben". Es kam anders.

Verwendete Quelle: ntv.de