Olympia

Erschrocken von russischer Kälte Walijewa-Skandal "verstört" IOC-Boss Bach

Das Drama des russischen Eislauf-Teenies Kamila Walijewa geht um die Welt – und sorgt für Entsetzen. Statt Trost bekommt die 15-Jährige nach ihrer verpatzten Kür Vorwürfe von ihrer erbosten Trainerin. IOC-Boss Thomas Bach findet klare Worte – und ist offen für eine Regeländerung.

Die verstörenden Bilder ließen Thomas Bach auch am Morgen danach nicht los. Mit "Erschrecken" habe er verfolgt, wie das russische Wunderkind Kamila Walijewa unter der Last der Dopingaffäre auf dem Eis zusammengebrochen war und wie "kalt" sie danach von ihrem Team empfangen wurde. Bach zeigte bei seinem Auftritt zwei Tage vor dem Ende der Winterspiele Mitgefühl und griff Walijewas Umfeld an - eigene Verantwortung für den größten Skandal in Peking stritt der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees ab.

"Diejenigen, die ihr diese Droge verabreicht haben, sind die Schuldigen", sagte Bach über den aufsehenerregenden Fall der 15-Jährigen, die trotz einer positiven Dopingprobe am olympischen Einzelwettbewerb teilnehmen durfte. Oder musste. Das IOC habe sich an den Rechtsweg gehalten und Einspruch beim CAS gegen die Aufhebung der Suspendierung eingelegt, sagte Bach und sprach von einem "Dilemma". Das überschattete die ohnehin fragwürdigen Spiele in China.

Trainerin sorgt für Empörung

Am TV hatte Bach Waljiewas Kür verfolgt - wie Millionen andere auf der Welt. Der Eiskunstlauf der Frauen ist stets ein Publikumsrenner bei Winterspielen, diesmal aufgeführt mit einem Drama um ein Jahrhunderttalent und Bösewichtern an der Bande. Trainerin Eteri Tutberidse hatte Walijewa nach den Stürzen auf dem Eis nicht in den Arm genommen, sie hatte ihr Vorwürfe gemacht. "Warum hast Du alles aus den Händen gegeben?", fragte Tutberidse. "Sag es mir!"

Walijewa ist kein Einzelfall, auch ihre Teamkollegin Alexandra Trussowa war trotz Silber dem Nervenzusammenbruch nahe. "Ich hasse diesen Sport. Ich hasse diesen Sport. Ich hasse alles daran", hatte die 17-Jährige gesagt. "All das", sagte Bach, gebe ihm "nicht viel Zuversicht in Kamilas engstes Umfeld", gegen das eine Untersuchung der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA läuft.

Die hatte Russland für den massiven Betrug bei und nach den Winterspielen 2014 in Sotschi aus dem Weltsport ausgeschlossen, allerdings sind die Sanktionen bis zur Unkenntlichkeit aufgeweicht worden. In Peking starten Hunderte Russen ohne Fahne und Hymne unter dem Namen des Nationalen Olympischen Komitees. Sie haben bislang 26 Medaillen gewonnen - eine mehr als das deutsche Team.

Spiele werden doch noch politisiert

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Die Diskussionen über Walijewa, ein Mindestalter für Athletinnen und Athleten oder den russischen Kulturwandel, den es nie gegeben hat, überlagerten auch die Fragen nach der Politisierung der Spiele. Mit der olympischen Scheinwelt der politischen Neutralität ist es seit Donnerstag endgültig vorbei, als Yan Jiarong vom Organisationskomitee BOCOG die Bühne für zwei Partei-Statements nutzte. Das demokratische Taiwan, behauptete sie, sei weltweit anerkannter Teil von China und die Berichte über Zwangsarbeit und Inhaftierungslager in Xinjiang seien "Lügen".

Es ist ein Verstoß gegen die IOC-Regel 50.2, die jegliche "politische Propaganda" verbietet, doch Bach blieb bei seiner Linie: kein kritisches Wort gegen die Gastgeber. Am Freitag sagte er nur: IOC und BOCOG "hatten nach der Pressekonferenz sofort Kontakt", beide hätten die Zusage bestätigt, "im Rahmen der olympischen Charta politisch neutral zu bleiben". In all der Krisenkommunikation ging Bachs Lob für die chinesische Null-Covid-Strategie beinahe unter. Die abgeschottete Blase sei "einer der sichersten Orte auf dem Planeten gewesen, wenn nicht der sicherste", sagte er und sprach - wenig überraschend - von "sehr erfolgreichen Winterspielen", die jedoch auch für Bach selbst "verstörende" Bilder hinterlassen.

Quelle: ntv.de, tno/sid

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