Wirtschaft
Frauen und Minijobber sind besonders häufig betroffen.
Frauen und Minijobber sind besonders häufig betroffen.(Foto: dpa)
Mittwoch, 06. Dezember 2017

Studie offenbart Zahlen: Arbeitgeber tricksen beim Mindestlohn

Sieben Prozent der Arbeitnehmer verdienen einer aktuellen Studie zufolge weniger als den Mindestlohn. Rechnet man Selbstständige und Auszubildende hinzu, sind es mehr als doppelt so viele. Deshalb wird nun der Ruf nach strikteren Kontrollen laut.

1,8 Millionen Beschäftigte in Deutschland verdienen einer Studie zufolge weniger als den gesetzlichen Mindestlohn. Das entspreche sieben Prozent aller anspruchsberechtigten Arbeitnehmer, geht aus einer Auswertung der für 2016 vorliegenden Daten durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Universität Potsdam hervor. Damals galt eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro je Stunde.

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Wird der tatsächliche Stundenlohn betrachtet - also auf Basis der tatsächlichen statt der vertraglichen Arbeitszeit gerechnet - dann arbeiten laut Befragung sogar 2,6 Millionen Menschen unterhalb des Mindestlohns, obwohl sie einen Anspruch darauf haben. In diesem Fall steht im Vertrag der Arbeitnehmer zwar ein Stundenlohn von 8,50 Euro brutto, sie arbeiten effektiv aber so lange, dass dieser Stundenlohn niedriger ist. Und berücksichtigt man zudem auch die nicht unter Mindestlohnregeln fallenden Erwerbstätigen - etwa Selbstständige, Auszubildende und Beschäftigte in Branchen mit längeren Übergangsfristen - verdienen 4,4 Millionen weniger als diesen Stundenlohn.

"Offensichtlich - und keineswegs unerwartet - wird das Mindestlohngesetz nicht in jedem Betrieb eins zu eins umgesetzt", erklärte Studienautorin Alexandra Fedorets. "Ergebnisse der Zollkontrollen und zahlreiche Medienberichte weisen auf Umgehungsstrategien durch intransparente oder inoffizielle Arbeitszeitvereinbarungen hin."

Auffällig sei, dass einige Gruppen besonders betroffen seien. "Das trifft auf Mini-Jobber, Beschäftigte in kleinen Firmen und Ausländerinnen und Ausländer zu", betonte Co-Autor Marco Caliendo von der Universität Potsdam. "Auch sind Frauen stärker betroffen als Männer und Beschäftigte im Osten stärker als im Westen."

Nachbesserung bei Kontroll- und Sanktionsmechanismen gefordert

Die Autoren sehen deshalb politischen Handlungsbedarf. Sie fordern erhebliche Nachbesserungen bei der Dokumentation sowie bei Kontroll- und Sanktionsmechanismen. Derzeit seien Zollkontrollen aus Kapazitätsmangel flächendeckend nicht möglich. Eine striktere Aufzeichnungspflicht der Arbeitszeiten könne die Effizienz der Kontrollen erhöhen.

Auch Grüne und Linke im Bundestag forderten "endlich" mehr Kontrollen. Der zuständigen Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) fehle dafür ausreichend Personal, kritisierte Beate Müller-Gemmeke von den Grünen. 900 Stellen seien nicht besetzt. Susanne Ferschl von den Linken forderte, die Mindestlohnkommission sollte schleunigst ihre Datengrundlage korrigieren und sich für verstärkte Kontrollen einsetzen.

Die Studie macht laut Müller-Gemmeke auch deutlich, wie wichtig die Dokumentationspflicht beim Mindestlohn ist. "FDP und Union wollen die Dokumentationspflicht reduzieren. Das geht gar nicht." Ohne eine Pflicht, Anfang, Ende und Dauer der Arbeitszeit zu dokumentieren, sei ein Mindestlohn nichts wert.

Quelle: n-tv.de

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