Wirtschaft

Stellenabbau bei Großkonzernen Arbeitsmarkt steckt Entlassungswelle weg

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VW hat bereits 2017 begonnen mehr als 20.000 Stellen allein in Deutschland abzubauen.

(Foto: picture alliance / Carmen Jasper)

Deutsche Konzerne reagieren auf die aktuelle Wirtschaftsflaute, indem sie Zehntausende Jobs abbauen. Ein Rückfall in die Massenarbeitslosigkeit droht deshalb allerdings nicht. Selbst wenn die Konjunktur weiter schwächelt, schrecken viele Unternehmen vor Entlassungen zurück.

Die Deutsche Bank will angeblich 20.000 Jobs abbauen, BASF 6000. Auch Bayer, Siemens, Thyssen, Ford und viele andere haben mit massiven Stellenstreichungen begonnen oder entsprechende Pläne angekündigt. Diese Schlagzeilen aus den letzten Tagen und Wochen zeichnen ein düsteres Bild vom deutschen Arbeitsmarkt, der jahrelang fast nur für positive Nachrichten sorgte. Inzwischen spüren vor allem die deutschen Industriekonzerne die abflauende Konjunktur in Deutschland und in wichtigen Exportmärkten und reduzieren teilweise ihre Produktionskapazitäten und die Belegschaft erheblich.

Doch so dramatisch wie es die aktuelle Welle von Stellenstreichungen und Massenentlassungen erscheinen lässt, ist die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt keineswegs. Für die gesamte deutsche Wirtschaft mit ihren mehr als 33 Millionen sozialversicherungspflichtigen Jobs fallen die in den vergangenen Wochen gemeldeten Pläne kaum ins Gewicht, zumal ihre Umsetzung sich über Monate und Jahre erstrecken wird. "Wenn große Unternehmen einen massiven Stellenabbau ankündigen, sorgt das natürlich für Schlagzeilen", sagt der Arbeitsmarktexperte des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Holger Schäfer, n-tv.de. "In der Statistik, etwa der Zahl derjenigen, die sich neu arbeitslos melden, schlagen sich diese aktuellen Meldungen allerdings noch nicht nieder." Viele der betroffenen Arbeitnehmer werden bei der Arbeitsagentur gar nicht vorstellig. Denn als qualifizierte Fachkräfte finden sie schnell neue Jobs.

Erste Anzeichen, dass sich die magere Entwicklung der Wirtschaft auch auf den Arbeitsmarkt auswirken wird, gibt es durchaus - obwohl die Zahl der Arbeitslosen auch im Juni laut Bundesagentur für Arbeit erneut gesunken ist und die der Beschäftigten weiter auf Rekordniveau liegt. So ist erstmals seit 2013 die Zahl der offenen Stellen leicht gesunken. Bereits seit mehreren Monaten setzen Unternehmen zudem weniger Zeitarbeiter ein. Deren Zahl gilt als Frühindikator für die Entwicklung des Arbeitsmarktes insgesamt.

Steht also eine Trendwende bei der Arbeitslosigkeit bevor? IW-Ökonom Schäfer bleibt gelassen. "Man muss das aus der Perspektive der vergangenen Jahre sehen. Wir sind mit dem Abbau der Arbeitslosigkeit sehr weit vorangekommen." Das werde nicht ununterbrochen so weitergehen. "Allerdings ist überhaupt nicht zu erkennen, dass wir auf dem Weg in eine Krise auf dem Arbeitsmarkt wären."

Babyboomer reißen Lücke auf dem Arbeitsmarkt

Selbst wenn sich die Wirtschaftslage, wie von vielen Experten vorausgesagt, in den kommenden Jahren weiter eintrübt, muss das nicht unbedingt zu einer steigenden Arbeitslosigkeit führen. Denn Deutschland steht vor einer großen Ruhestandswelle: die Babyboomer, die Arbeitnehmer der besonders geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente. Nicht annähernd genug Jüngere werden auf den Arbeitsmarkt nachrücken.

Die meisten Unternehmen folgen deshalb auch bei magerer Auftragslage nicht dem Beispiel der großen Konzerne. "Viele Firmen horten angesichts der zu erwartenden demographischen Entwicklung Arbeitskräfte", erklärt Schäfer. "Sie versuchen, Mitarbeiter auch in schlechten Zeiten zu halten. Denn sie wissen, wie schwer es ist, neue zu finden, wenn der Bedarf wieder steigen sollte."

Offen ist unterdessen die Frage, wie sich die Digitalisierung auf die Beschäftigung in Deutschland niederschlagen wird. Die Umstellung der Autobauer auf Elektromobilität macht viele herkömmliche Komponenten und die Mitarbeiter, die sie fertigen, überflüssig. Allein Volkswagen baut bereits mehr als 20.000 Stellen ab, unter anderem um sich für das Elektrozeitalter fit zu machen. Eine Studie sagt den Verlust von rund 100.000 Autoarbeitsplätzen durch diesen Umbruch in Deutschland voraus. Gleichzeitig entstehen - teilweise bei den Autobauern, oft aber in Startups und anderen innovativen kleineren Unternehmen - durch den technologischen Wandel neue Stellen. So wirke sich Digitalisierung zwar nachteilig auf einzelne Berufe und Branchen aus, bilanziert Schäfer "Gesamtwirtschaftlich ist das aber nicht so klar."

Quelle: n-tv.de

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