Wirtschaft

E-Auto-Startup verliert Chef Audi fängt seine "Rakete" wieder ein

222364169.jpg

Der "Landjet" soll ein Auto mit einem Fahrgefühl wie ein Privatjet werden.

(Foto: picture alliance / Wolfram Steinberg)

Vor einem Jahr startet Audi ein Projekt, auf dem die Hoffnungen des VW-Konzerns ruhten. Artemis sollte nicht nur einen zukunftsweisenden "Landjet" entwickeln, sondern auch schnelle, flexible Strukturen etablieren. Doch nun wird das Startup wieder ganz in den Konzern eingegliedert, der Chef muss gehen.

Die Ambitionen, mit denen das Projekt im vergangenen Jahr unter dem Namen Artemis startete, hätten größer kaum sein können: Den langersehnten Tesla-Jäger soll das Team für den VW-Konzern serienreif entwickeln und ein ganzes "Ökosystem" inklusive Ladeinfrastruktur dazu. Ein Modell oberhalb des Audi-Flaggschiffs A8, das auch von den Konzernluxusmarken Bentley und Porsche für jeweils eigene Versionen übernommen werden sollte. Mit der Fähigkeit zum weitgehend autonomen Fahren der Stufe vier und einer Batterie-Reichweite von mindestens 650 Kilometern soll der intern als "Landjet" bezeichnete Wagen das große Vorbild und den Konkurrenten Tesla nicht nur ein-, sondern endlich überholen. Und das alles sollte bis 2024 serienreif werden.

Solch ein ehrgeiziger Zeitplan sei, so hieß es im vergangenen Jahr, innerhalb der Strukturen des VW-Konzerns nicht zu schaffen, weswegen Artemis als "agiles" eigenes Tochter-Unternehmen der VW-Marke Audi ausgegründet wurde. "Wir bauen eine Rakete", sagte Artemis-Chef Alexander Hitzinger im vergangenen Sommer noch dem "Business Insider". Inspiration für den Namen sei schließlich auch die NASA-Mission, die 2024 wieder Astronauten auf den Mond bringen soll. Audi-Chef Markus Duesmann bezeichnete Artemis als "Schnellboot", das dem Tanker Volkswagen helfen könne, den Vorsprung von Tesla vor allem im Bereich Software und autonomes Fahren einzuholen. Ziel von Artemis sei dabei viel mehr als die Entwicklung eines einzigen zukunftsweisenden Autos, sondern die Etablierung von entsprechenden Strukturen als Vorbild für den ganzen VW-Konzern.

Pate für Artemis, so hieß es damals, standen die extrem schnellen Entwicklungszyklen von Motorsportteams. Sowohl Duesmann als auch Hitzinger sammelten selbst als Entwickler in der Formel 1 Erfahrungen. Durch die Eigenständigkeit und eine Startup-Unternehmenskultur sollte Artemis nicht nur kreativer und schneller sein, sondern auch in der Lage, IT-Talente aus dem Silicon Valley anzulocken, für die ein traditioneller Autobauer als Arbeitgeber vielleicht wenig attraktiv erscheint.

Ein Jahr Verzögerung

Doch nun, exakt ein Jahr, nach seinem offiziellen Antritt als Chef der Artemis GmbH, wird Hitzinger seines Amtes enthoben und das "Schnellboot" wieder zu einem gewöhnlichen Beiboot, einem "Kompetenzzentrum" innerhalb der VW-Tochter Audi. Die Artemis GmbH arbeite fortan "enger und direkter mit der Technischen Entwicklung von Audi" zusammen, sagte Audi-Entwicklungsvorstand Oliver Hoffmann.

Mehr zum Thema

Die Arbeit am "Landjet" wird damit keineswegs eingestellt, aber es gibt zumindest eine Verzögerung. Offiziell heißt es bei Audi, das Projektteam unter Hitzinger habe die Entwicklung des Artemis-Modells "außerhalb gelernter Strukturen und Prozesse" aufgesetzt und mit Audi und der VW-Softwareschmiede Cariad einen "Grundstein für zukunftsfähige Technologien" gelegt. Nun übernähmen für die weitere Fahrzeugentwicklung Audi und für die Softwareentwicklung Cariad die Verantwortung. Ohne den bisherigen Teamleiter Alexander Hitzinger "würde das Fahrzeug nicht 2025 zu unseren Kundinnen und Kunden rollen", sagte Audi-Chef Duesmann. Das ist zwar ein Lob, aber auch das Eingeständnis einer Verzögerung von einem Jahr, gegenüber dem bis heute laut Volkswagen-Homepage gültigen Zeitplan.

Was aus den vor einem Jahr noch so hochgepriesenen Vorteilen der Unabhängigkeit von Artemis geworden ist, bleibt unklar. In unbestätigten Medienberichten hatte es aber schon in den vergangenen Monaten geheißen, dass gerade ursprünglich die Flexibilität und Kreativität zu Problemen und Missverständnissen geführt hätten und die von Artemis entwickelten Lösungen nicht immer wie erhofft mit der angestrebten Massenfertigung im VW-Konzern vereinbar gewesen seien.

Quelle: ntv.de, mbo

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.