Wirtschaft

"Zunehmend wahrscheinlich" Coronavirus könnte zu Rezession führen

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Die Wirtschaft bekommt schon jetzt die Auswirkungen der Corona-Epidemie zu spüren.

(Foto: REUTERS)

Die Ökonomen der Deutschen Bank warnen vor schweren Zeiten: Die Virus-Epidemie in China, heißt es, könne Deutschland im Winterhalbjahr in eine technische Rezession drücken. Mit Spannung wird eine erste Wachstumsschätzung für das Schlussquartal 2019 erwartet.

Was genau rollt da aus Asien auf die deutschen Wirtschaft zu? Die Konjunkturexperten der Deutschen Bank halten aufgrund der rasanten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in China eine Rezession in Deutschland nicht mehr nur für möglich, sondern sogar für "zunehmend wahrscheinlich".

"Wir rechnen damit, dass das Coronavirus das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,2 Prozentpunkte dämpfen wird, sodass eine technische Rezession im Winterhalbjahr nunmehr zunehmend wahrscheinlich ist", heißt es in einer Studie. Da die Wirtschaftsleistung bereits Ende 2019 wegen der anhaltenden Industrieschwäche geschrumpft sein könnte, wäre dies das zweite Minus-Quartal in Folge.

Ökonomen sprechen in einem solchen Fall von einer "technischen Rezession". Ob die düsteren Annahmen zutreffen, wird sich noch in dieser Woche klären: Eine erste Schätzung für das Schlussquartal 2019 will das Statistische Bundesamt an diesem Freitag veröffentlichen.

"Das Coronavirus bringt beträchtliche Risiken für unsere Prognose einer Erholung der Weltwirtschaft mit sich, da wir bis dato von einer Konjunkturbelebung in China ausgingen", betonten die Ökonomen. "Dies gilt insbesondere für Deutschland, dessen Exporte sich nicht zuletzt aufgrund der schwachen Nachfrage aus China im Jahr 2019 verlangsamten."

Dauer der Epidemie entscheidend

China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner im außereuropäischen Ausland: Der gegenseitige Warenaustausch zwischen der Volksrepublik und Europas größter Volkswirtschaft summierte sich 2019 auf mehr als 200 Milliarden Euro.

Die Experten halten es für möglich, dass Verluste im China-Geschäft schnell wieder aufgeholt werden können. "Wenn die Verbreitung des Coronavirus wie erwartet bald ihren Höhepunkt überschreitet, verlagert sich die Nachfrage möglicherweise schlicht in den späteren Jahresverlauf 2020", erklärten die Ökonomen der Deutschen Bank. Aufgrund der überdurchschnittlichen Margen in China schlage sich aber selbst ein vorübergehender Rückschlag auf den Gewinnen nieder, was die Unternehmen noch vorsichtiger werden lassen dürfte.

Taiwan kappt BIP-Prognose

In Asien stellt sich die vor dem chinesischen Festland gelegene Industrienation Taiwan bereits auf wirtschaftliche Beeinträchtigungen ein. Die Regierung in Taipeh kappte die Wachstumsprognose für 2020 wegen möglicher Folgen des Coronavirus auf die eigene, ebenfalls stark exportorientierte Wirtschaft. Das taiwanesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde wohl nur um knapp 2,4 Prozent zulegen und nicht wie bisher erwartet um gut 2,7 Prozent, hieß es.

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Taiwans Wirtschaft ist ein wichtiger Teil der globalen Lieferkette rund um Elektronik und die Chipindustrie. Die Coronavirus-Epidemie in China schürte zuletzt auch weltweit vermehrt Konjunktursorgen. Die gesamte Wirtschaft Taiwans wuchs nach Angaben des nationalen Statistikamts 2019 um 2,7 Prozent. Im Schlussquartal zog die Konjunktur zum Vorjahresquartal um 3,3 Prozent an - und damit so stark wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Grund war vor allem eine wieder steigende Nachfrage nach Elektronik-Produkten, da sich Ende 2019 eine Entspannung im Zollstreit zwischen den USA und China abzeichnete.

Quelle: ntv.de, ddi/rts