Wirtschaft

"Das ist ein Ausrutscher" Deutsche Exporte sinken unerwartet stark

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Container im Hamburger Hafen.

(Foto: dpa)

Fünfmal in Folge stiegen die deutschen Exporte an - nun gibt es einen Rückgang. Es ist das größte Minus seit zwei Jahren. Doch Experten sehen das gelassen. Schließlich sei die Stimmung weiterhin prächtig.

Die deutschen Exporte sind im Juni so kräftig gesunken wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Sie schrumpften nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 2,8 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Mit dem größten Minus seit August 2015 endete eine Serie von fünf Anstiegen in Folge. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen kalender- und saisonbereinigten Rückgang von 0,3 Prozent erwartet, nachdem es im Mai noch um 1,5 Prozent nach oben gegangen war. Die Importe fielen sogar um 4,5 Prozent und damit so kräftig wie seit Januar 2009 nicht mehr.

"Für mich sind die enttäuschenden Daten für Juni im Kontext mit dem Sommerbeginn zu sehen", sagte Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. "Das ist ein Ausrutscher, der in den kommenden Monaten wettgemacht werden dürfte." Schließlich belebe sich der Welthandel, Auftragseingänge und -bestände signalisierten eine enorm solide Situation für die deutsche Wirtschaft."

Für Carsten Brzeski von der ING signalisieren starke Stimmungsindikatoren eine Fortsetzung des Aufschwungs. "Der Aufwärtstrend bleibt intakt", sagte auch der Deutschland-Chefvolkswirt der Großbank UniCredit, Andreas Rees, angesichts prall gefüllter Auftragsbücher. "Der Welthandel dürfte sich weiter erholen."

Daran wird dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zufolge auch die Aufwertung des Euro nichts ändern, die Waren "Made in Germany" teurer macht. "Der anziehende Euro ist vor allem Ausdruck für die steigende Drehzahl der europäischen Konjunktur", sagte DIHK-Außenwirtschaftsexperte Ilja Nothnagel. "Davon profitieren deutsche Exporteure."

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht aber auch Risiken: "Die deutschen Exportunternehmen sind verunsichert", sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. "Unter anderem könnten sich die jüngsten Sanktionen der USA gegen Russland und Iran auf deutsche und europäische Unternehmen negativ auswirken." Zudem schwächelt Exportweltmeister China ein wenig, der als erster Großkunde der deutschen Wirtschaft bereits Außenhandelszahlen für Juli veröffentlichte. Die Ausfuhren wuchsen dort mit 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich langsamer als erwartet, ebenso die Importe mit elf Prozent.

Größter Überschuss seit einem Jahr

Insgesamt verkauften die Unternehmen Waren im Wert von 107,2 Milliarden Euro ins Ausland, was einer Zunahme von 0,7 Prozent im Vergleich zum Juni 2016 entspricht. Gut liefen die Geschäfte mit den anderen Euro-Ländern, die um 2,7 Prozent zulegten. Die Ausfuhren in die Länder außerhalb der Europäischen Union - von den USA bis China - nahmen dagegen um 1,7 Prozent ab. Viele Staaten - darunter der nach den USA größte Exportkunde Frankreich - befinden sich in einem Aufschwung.

Die deutschen Exporte übertrafen die Importe saison- und kalenderbereinigt um 21,2 Milliarden Euro. Das ist der größte Überschuss seit August 2016. Deutschland steht wegen seines enormen Leistungsbilanzüberschusses international am Pranger. Experten wie die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) sehen darin auch einen Hinweis darauf, dass Deutschland zu Hause zu wenig investiert, was langfristig das Wachstum dämpfen könne. Scharfe Kritik am deutschen Handelsüberschuss übte wiederholt auch US-Präsident Donald Trump.

Ungeachtet dessen dürfte Europas größte Volkswirtschaft im zweiten Quartal so kräftig zugelegt haben wie seit Ende 2014 nicht mehr. Sowohl das Ifo-Institut als auch die Deutsche Bank rechnen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,8 Prozent, nachdem es zu Jahresbeginn 0,6 Prozent waren. "Viele Indikatoren deuten auf ein wirklich starkes zweites Quartal", sagte Ifo-Konjunkturexperte Timo Wollmershäuser. Das Statistikamt veröffentlicht am 15. August eine erste Schätzung.

Im ersten Halbjahr zogen die Exporte insgesamt um 6,1 Prozent auf mehr als 638 Milliarden Euro an. Damit ist die Branche auf gutem Wege, ihren erst 2016 erzielten Rekord zu brechen. Gut liefen die Geschäfte in den ersten sechs Monaten mit den anderen Euro-Ländern. Hier gab es ebenfalls ein Plus von 6,1 Prozent. Die Ausfuhren in Länder außerhalb der Europäischen Union - von den USA bis China - legten sogar um 7,0 Prozent zu.

Quelle: n-tv.de, mli/rts

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