Wirtschaft

Konzerne bauen massiv Jobs ab Entlasst besser jetzt!

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Demonstration gegen Stellenabbau bei der Deutschen Bank im Jahr 2015.

(Foto: picture alliance / dpa)

Von der Deutschen Bank über Siemens bis VW: Deutsche Unternehmen bauen derzeit Zehntausende Stellen ab. Das ist immer schlimm. Doch ein Aufschieben notwendiger Einschnitte wäre schlimmer.

Kündigen Unternehmen den Abbau von Stellen an, gibt es immer zwei Muster empörter Reaktionen. Im Fall, dass es dem Unternehmen gut geht: Wie können diese Manager nur fette Gewinne einstecken und gleichzeitig ihre Mitarbeiter auf die Straße setzen! Die zweite Reaktion im Fall, dass das Unternehmen in Schwierigkeiten steckt: Diese Manager haben es verbockt und die Angestellten sollen dafür büßen. Auch angesichts der Schlagzeilen über teils dramatische Jobkürzungen und Entlassungen bei großen deutschen Konzernen war genau diese Empörung wieder da. Sie ist sowohl sachlich als auch moralisch falsch.

Die Dynamik auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich etwas abgeschwächt. Doch die Zahl der offenen Stellen liegt weiter nahezu auf einem Rekordhoch. Die Aussichten für Fachkräfte - auch für Ältere und Quereinsteiger -, einen neuen Job zu finden, sind so gut wie seit mehreren Generationen nicht. Ein massiver Stellenabbau und im äußersten Fall Entlassungen sind immer einschneidende Schritte. Für alle Beteiligten ist jetzt aber der am wenigsten schlimme Zeitpunkt. Besser dürfte die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren wohl kaum werden.

Im Fall der Konzerne in der Krise - allen voran der Deutschen Bank - trifft es zwar zu, dass im Rahmen der Stellenstreichungen nicht diejenigen bezahlen müssen, die für die Probleme verantwortlich sind. Dennoch würde eine Verzögerung beim notwendigen Jobabbau nur die Existenz des gesamten Unternehmens und damit noch viel mehr Arbeitsplätze gefährden.

Firmen "horten" Mitarbeiter

Auch Unternehmen wie Siemens oder VW, bei denen die Gewinne derzeit sprudeln, treiben Umbaupläne voran, die den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen vorsehen. Jetzt haben sie noch die Zeit und die finanziellen Mittel, sich auf die großen technologischen Umbrüche vorzubereiten. Schöben die Unternehmen das etwa unter Hinweis auf moralische Bedenken gegen Jobkürzungen auf, würde den Managern später, wenn der Konzern in der Krise steckt und Entlassungen unumgänglich sind, die Empörung nach dem anderem Muster entgegenschlagen: Weil die Führungsetage nicht rechtzeitig gehandelt hat, dürfen nicht die Arbeitnehmer bestraft werden.

Die meisten Verantwortlichen in deutschen Unternehmen setzen Mitarbeiter nicht leichtfertig einfach auf die Straße. Dazu kommt derzeit sogar, dass manche Firmen angesichts des Fachkräftemangels sogar Arbeitskräfte "horten", die sie aktuell in der abflauenden Konjunktur nicht benötigen. So stellen sie sicher, dass sie die Produktion wieder hochfahren können, wenn sich die Auftragslage verbessert. 

Dass ein Stellenabbau manchmal notwendig ist, bedeutet keineswegs, dass die Unternehmen nicht erhebliche Pflichten gegenüber ihren Mitarbeitern haben, gerade denen, deren Arbeitsleistung sie in Zukunft nicht mehr brauchen. Betriebsräte, Gewerkschaften und auch die Politik tun gut daran, die Konzerne daran zu erinnern und zur Not auch dazu zu zwingen, etwa die Kosten für umfangreiche Qualifizierungen zu tragen und Härten mit angemessenen Abfindungen auszugleichen.

Daran, dass der Verlust des Jobs selbst in goldenen Zeiten auf dem Arbeitsmarkt in vielen Fällen einen Schicksalsschlag darstellt, besteht kein Zweifel. In manchen Branchen und Regionen Deutschlands ist die Lage keineswegs rosig. Dennoch ist es sozialer, in den Strukturwandel, zukunftsträchtige Technologien und die Qualifikation der Mitarbeiter zu investieren, als den Abbau langfristig unrentabler Arbeitsplätze aufzuschieben.

Quelle: n-tv.de

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