Wirtschaft

Nachdenken über Kaufprogramm Fed will Firmenanleihen wieder verkaufen

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Die Leitzinsen sollen trotz Wirtschaftwachstum und Preisdruck weiter niedrig bleiben.

(Foto: REUTERS)

Die US-Wirtschaft hat ihr Wachstum zuletzt noch einmal beschleunigt. Die Notenbank will einige Firmenanleihen, die sie in der Krise gekauft hatte, wieder auf den Markt werfen. Das große Kaufprogramm für Staatsanleihen läuft zwar noch weiter. Doch auch da deutet sich ein Kurswechsel an.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) will mit dem Verkauf von Firmenanleihen beginnen, die sie im vergangenen Jahr während der Corona-Pandemie zur Stützung der Märkte erworben hat. Die Veräußerung der Bonds und börsennotierten Fonds, die aus der sogenannten SMCCF (Secondary Market Corporate Credit Facility) stammten, solle "langsam und planmäßig" erfolgen, teilte die Zentralbank mit. Die New Yorker Fed, die die Fazilität verwaltet, wolle mehr Details zu den Verkäufen am Donnerstag bekannt geben.

Ziel dieses Kredit-Vehikels war es, in der Corona-Krise für Stabilität und Liquidität an den Finanzmärkten zu sorgen. Die Unternehmen sollten möglichst bequem an frisches Geld gelangen. Die SMCCF wurde kaum genutzt und Ende Dezember 2020 geschlossen. Bis zum Jahresende will die Fed das Portfolio vollständig verkauft haben. Die Fazilität umfasst Kredite im Volumen von knapp 14 Milliarden Dollar.

Weiter kauft die Fed im Umfang von 120 Milliarden Dollar monatlich dagegen vor allem US-Staatsanleihen im Rahmen ihrer geldpolitischen Bemühungen, Finanzierungskosten und Zinsen am Finanzmarkt niedrig zu halten. Mit der fortschreitenden Erholung der Wirtschaft beginnen führende Fed-Vertreter aber, laut über eine Verringerung auch dieses Anleihekaufprogramms nachzudenken. Die Notenbank plane, die Leitzinsen lange niedrig zu halten, sagte der Präsident des Fed-Ablegers von Philadelphia, Patrick Harker, auf einer virtuellen Veranstaltung. Aber es könnte Zeit sein, sich zumindest damit zu befassen, darüber nachzudenken, wie sich die monatlichen Anleihekeäufe abschmelzen lassen.

Preisdruck nimmt zu

Die US-Wirtschaft hat sich dem heute im "Beige Book" der Fed veröffentlichten Konjunkturbericht zufolge von Anfang April bis Ende Mai moderat, aber schneller als in der vorangegangenen Berichtsperiode zugelegt. Mehrere Distrikte hätten die positiven Effekte der höheren Impfraten und der Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen auf die Wirtschaft hervorgehoben. Als gegenläufige Effekte wurden Störungen der Lieferketten angegeben.

Seit dem vorherigen Konjunkturbericht habe sich der Preisdruck weiter erhöht, heißt es weiter. Die Input-Kosten seien durchweg gestiegen, vor allem seien starke Preiserhöhungen bei Rohstoffen für Bau und Produktion gemeldet worden. Es werden in den nächsten Monaten weitere Kostensteigerungen erwartet.

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Mit Blick auf den Arbeitsmarkt meldeten zwei Drittel der Notenbank-Distrikte einen moderaten Aufbau von Arbeitskräften. Das betraf mit dem Lockern der Corona-Einschränkungen vor allem Dienstleistungen in den Bereichen Restaurants, Hotels und Handel. Aber auch Produzenten stellten in mehreren Distrikten ein.

Mit dem Beige Book bereitet die US-Notenbank die jeweils nächste Sitzung vor. Für das Treffen am 15. und 16. Juni werden aber noch keine Beschlüsse erwartet. Die Fed hatte in der Vergangenheit eine "Reihe von starken Jobdaten" zur Voraussetzung für einen geldpolitischen Kurswechsel erklärt.

Quelle: ntv.de, mbo/rts/dpa

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