Wirtschaft

Reaktion auf Brandrodungen H&M kauft vorerst kein Leder in Brasilien

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Rinderhaltung statt Regenwald: Brasiliens Agrarlobby hat von Präsident Bolsonaro nichts zu befürchten.

(Foto: REUTERS)

Im Amazonas-Gebiet kommt es zu verheerenden Waldbränden, weil Regenwald der Rinderhaltung weichen muss. Internationale Modemarken reagieren mit Boykott, nun will auch H&M auf Leder aus der Region verzichten.

Wegen der verheerenden Brände im Amazonas-Gebiet kauft die schwedische Modekette Hennes & Mauritz (H&M) vorerst kein Leder mehr in Brasilien ein. Dies teilte das Unternehmen am Abend mit. "Angesichts der riesigen Feuer im brasilianischen Teil des Amazonas-Waldes und dem Zusammenhang mit der Rinderproduktion haben wir beschlossen, vorerst Leder aus Brasilien zu verbieten."

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"Das Verbot bleibt so lange in Kraft, bis es glaubhafte Garantiesysteme gibt, dass das Leder nicht zu Umweltschäden im Amazonasgebiet beiträgt", hieß es in der Erklärung weiter. Das Verbot gelte für alle Marken der Gruppe, zu denen neben H&M unter anderem auch Cos und Monki gehören. Vor dem schwedischen Moderiesen hatten auch schon andere Marken erklärt, vorerst kein Leder mehr in Brasilien zu ordern, unter anderem der US-Konzern VF, zu dem Timberland, Vans und The North Face gehören.

Die extensive Rinderproduktion gilt als eine der Hauptursachen für die Abholzung des Regenwaldes. Seit Jahresbeginn wurden in Brasilien mehr als 88.000 Brände registriert, davon mehr als die Hälfte im Amazonas-Becken. Die brasilianische Regierung geht nur zögerlich dagegen vor und steht deshalb international und auch im eigenen Land in der Kritik. Schon im Juli hatten lokale Medien berichtet, dass der weltgrößte Fleischwarenhersteller und Lederproduzent JBS in Brasilien Land gekauft habe, das nicht zur Weidehaltung vorgesehen ist. JBS, eine brasilianische Aktiengesellschaft, wies dies zurück.

Unterdessen hat der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro mit Augusto Aras einen neuen Generalstaatsanwalt nominiert, der in Klimafragen die gleiche umstrittene Linie verfolgt wie er selbst. Er setzte sich damit über die Empfehlungen der Nationalen Vereinigung der Staatsanwälte (ANPR) hinweg, die für den Posten eine Liste mit drei Namen vorgelegt hatte. Aras stand nicht auf dieser Liste. Er habe mit Aras bereits über die Frage des Umweltschutzes gesprochen, erklärte der Präsident. Es gehe "um den Respekt der Agrarproduzenten und auch um die Ehe zwischen der Umwelt und den Produzenten".

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa