Wirtschaft

Schwierige Krypto-Geldwäsche Hacker kommen nicht an 500-Millionen-Beute

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In der Welt der Kryptowährungen sind keineswegs alle Traditionen überholt: Die Betreiber der Plattform Coincheck entschuldigen sich bei ihren Nutzern mit der in Japan üblichen tiefen Verbeugung.

imago/Kyodo News

Es ist der größte Diebstahl von Digitalgeld, den es je gab: Hacker erbeuten Kryptomünzen im Wert von 500 Millionen US-Dollar. Den riesigen Betrag zu waschen, ist jedoch schwierig. Das Cyber-Finanzsystem ist keineswegs so anonym, wie viele glauben.

Die Beute ist gigantisch: Mehr als 500 Millionen XEM, Münzen der Digitalwährung NEM, stahlen Hacker vergangene Woche von Nutzern der japanischen Plattform Coincheck. Wert zum Zeitpunkt des Diebstahls: 534 Millionen US-Dollar. Doch weit kamen die Täter mit dem digitalen Geld bislang nicht. Coincheck hat die Konten, auf die die Münzen überwiesen wurden, bereits identifiziert und mit einem Warnhinweis versehen: "Gestohlenes Geld - keine Transaktionen annehmen - Inhaber des Kontos ist Hacker". Und für den Fall, dass doch jemand die gestohlenen Münzen annehmen sollte, haben die NEM-Entwickler ein Programm, das die Spur der XEM nachverfolgen kann.

Diebstahl von und Geldwäsche mit digitalen Währungen ist ein Millionengeschäft. Experten gehen davon aus, dass rund 14 Prozent der beiden bekanntesten Währungen, Bitcoin und Etherium, in der Hand von Hackern sind. Der Schaden geht in die Milliarden. Die meisten Kryptowährungen sind allerdings keineswegs so anonym, wie manche Nutzer glauben. Die Verschleierung illegaler Finanzströme hinterlässt vor allem bei Währungen, die wie Bitcoin und auch NEM die Blockchain-Technologie benutzen, Spuren. Mit Hilfe von Spezialisten versuchen Fahnder, sie zu verfolgen, wie Geldwäsche im herkömmlichen Finanzsystem.

Der Ausgang des Katz-und-Maus-Spiels zwischen Polizei und Geldwäschern ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Vor allem bei Bitcoin haben die Gesetzeshüter in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Mit spezieller Software können die Ermittler den Weg jedes Bitcoin innerhalb der Blockchain Transaktion für Transaktion nachvollziehen und ein vollständiges Bild der Finanzaktivitäten jedes einzelnen Bitcoin-Nutzers zeichnen. Diese Daten verknüpfen sie unter anderem mit anderen Informationen von Kryptowährungsbörsen und Handelsplattformen im Darknet.

Kriminelle setzen auf Bitcoin-Alternativen

Je mehr Informationen die Gesetzeshüter zu einem Kriminellen haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie am Ende auf seine hinter den anonymen Konten verborgene echte Identität schließen können. Spätestens wenn die Kriminellen ihre digitale Beute in herkömmliches Geld umtauschen, auf Bankkonten überweisen oder als Bargeld abheben, laufen sie Gefahr, sich zu enttarnen.

Um ihren Verfolgern zu entgehen, haben auch die Geldwäscher neue Methoden entwickelt. Sie nutzen beispielsweise sogenannte Mixer oder Tumbler, Plattformen, die mehrere Transaktionen gleichzeitig anonym durchführen, sodass am Ende Zahlungen nicht mehr einzelnen Nutzern zuzuordnen sind. Riesige Summen wie die 500-Millionen-Beute aus dem Coincheck-Hack lassen sich mit Hilfe von Tumblern allerdings kaum schnell waschen, da eine entsprechend große Zahl anderer, unverdächtiger Transaktionen zum "mixen" notwendig ist.

Aufgrund der weitgehenden Transparenz bei Bitcoin werden auf Handelsplattformen für Drogen, Waffen oder Diebesgut im Darknet anonymere Währungen beliebter. Kryptowährungen wie Monero oder Dash kommen ohne eine für alle einsehbare Blockchain aus. Der Weg einzelner Münzen ist nicht nachvollziehbar.

Für Hacker auf Beutezug bieten aber trotz aller Nachteile vor allem Bitcoin weiterhin ein lohnendes Ziel. In der Währung steckt trotz zunehmender Konkurrenz durch alternative Digitaldevisen mit rund 180 Milliarden Dollar mit Abstand das meiste Geld und es zieht die meisten Anleger und potenziellen Opfer an.

Quelle: n-tv.de

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