Wirtschaft

Aktie im Sturzflug Hedgefonds schießt gegen Wirecard-Chef

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Die KPMG-Prüfer finden keine Belege für Bilanzfälschung. Wirecard-Chef Markus Braun wirbt bei Anlegern dennoch vergeblich um Vertrauen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wirecard-Aktien erleben ein Blutbad an der Börse. Innerhalb von zwei Tagen verlieren die Papiere über ein Drittel ihres Wertes. Erst enttäuscht der Bericht der KPMG-Prüfer. Dann prügelt auch noch ein prominenter Hedgefondsmanager den Kurs mit einer Rücktrittsforderung in den Keller.

Die Anleger von Wirecard brauchen derzeit starke Nerven. Nachdem die Aktien des Dax-Konzerns bereits am Dienstag 26 Prozent abgestürzt waren, brechen sie am Mittwoch in der Spitze noch einmal um weitere 14 Prozent ein. Zeitweise wurde der Handel gestoppt, mittlerweile hat sich der Kurs zumindest etwas erholt. Doch die Skepsis bleibt.

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Für Unruhe sorgt nach der Enttäuschung über die Sonderuntersuchung der KPMG-Wirtschaftsprüfer die Forderung des prominenten Hedgefonds-Managers Chris Hohn nach einer Absetzung von Wirecard-Chef Markus Braun. "Wir sind der Ansicht, dass der Aufsichtsrat rechtlich verpflichtet ist, einzugreifen. Unserer Meinung nach besteht der notwendige Eingriff nun darin, den CEO von allen Führungsaufgaben zu entbinden", schrieb Hohn an den Wirecard-Aufsichtsrat.

Die Motive hinter seiner Forderung sind leicht zu durchschauen. TCI wettet mit Leerverkäufen auf einen Kursverfall der Wirecard-Aktie. "Das Problem ist, dass Wirecard ohne Braun nichts ist", kommentierte ein Händler. Weitere Kursverluste seien genau das, was Hohns Hedgefonds erreichen wolle. Die Forderung des Leerverkäufers trifft bei den Investoren dennoch auf offene Ohren.

KPMG-Sonderprüfung geht nach hinten los

Der Unmut über die lückenhafte Sonderprüfung der Wirecard-Bilanz ist groß - auch wenn das Ergebnis der Prüfer nicht überraschen dürfte. Der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns hatte die Wirtschaftsprüfer im Herbst selber engagiert, um die Bilanzen zu prüfen. In Berichten der "Financial Times" waren zuvor Vorwürfe aufgekommen, Wirecard habe Jahresabschlüsse bei Auslandstöchtern manipuliert.

Viele Fragen seien im Prüfbericht offen geblieben, kritisierten Analysten. Der Corporate-Governance-Experte und frühere DWS-Chef Christian Strenger sagte dem "Handelsblatt": "Der KPMG-Report stellt eher einen weiteren Zwischenbericht dar und erteilt keine umfassende Absolution. Er zeigt erneut die Wachstumsschmerzen des Unternehmens auf, da zu viele wichtige Details laut KPMG nicht ausreichend und nachvollziehbar dokumentiert sind." Die Wirtschaftsprüfer selbst hatten erklärt, die Vorwürfe hätten nicht vollständig entkräftet werden können, zudem gebe es bei Wirecard Schwächen in der internen Kontrolle.

Eine schnelle Kursberuhigung erwarten die Experten nicht. Der KPMG-Bericht und die Tatsache, dass der Vorstand die Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2019 vom 8. auf den 30. April verschoben habe, sorge für anhaltendes Misstrauen am Markt, sagte Analyst Simon Bentlage von der Bank Hauck & Aufhäuser. Bentlage nahm seine Kaufempfehlung zurück. Solange die Wirtschaftsprüfer Wirecard kein Testat ausstellten, bleibe er mit seiner Einschätzung zurückhaltend, sagte er.

Die Finanzaufsicht Bafin hat unterdessen angekündigt, die Vorgänge bei dem Konzern aus Aschheim bei München wieder unter die Lupe nehmen zu wollen. "Wir werden den KPMG-Bericht selbstverständlich in den noch laufenden Teil unserer Marktmanipulationsuntersuchung einfließen lassen", sagte eine Sprecherin. Zudem untersuche die Behörde, ob Wirecard veröffentlichungspflichtige Informationen zurückgehalten habe oder nicht richtig informiert habe.

Quelle: ntv.de, ddi/rts