Wirtschaft

Die Party geht weiter Hobby-Zocker drücken Silberpreis in die Höhe

In Internet-Foren organisiert sich ein Flashmob und treibt den Silberpreis nach oben. Bisher ist die Attacke erfolgreich. Doch sie bleibt riskant.

Erst die Gamestop-Aktie, dann eine Digitalwährung und nun ein Rohstoff: Hobby-Spekulanten haben Silber für sich entdeckt und treiben den Preis durch konzertierte Käufe nach oben. Alleine heute sprang der Preis für eine Feinunze um 7 Prozent auf rund 29 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit sechs Monaten. Seit Donnerstag hat der Preis damit um satte 14 Prozent zugelegt. Zur Einordnung: Gold verteuerte sich im gleichen Zeitraum gerade einmal um 1 Prozent. Der weltweit größte Indexfonds auf Silber verzeichnete am Freitag Zuflüsse im Wert von fast einer Milliarde Dollar, wie dessen Verwalter Blackrock mitteilte.

Silber, Feinunze
Silber, Feinunze 23,09

Auslöser der Rally waren Nutzer der Online-Plattform Reddit, die sich dort in Foren organisieren - das einflussreichste ist "Wallstreetbets". Dort wurde in Beiträgen dazu aufgerufen, Aktien von Silberminen-Betreibern, börsennotierte Silber-Fonds und physisches Silber zu kaufen. Die Begründung: Wie bei der Gamestock-Aktie würden Banken und Hedgefons beim Edelmetall durch "Short-Positionen" auf einen Kursverfall wetten und den Preis dadurch künstlich nach unten drücken.

Bei Gamestop hatten Trader Hedgefonds ins Visier genommen, die auf einen fallenden Aktienkurs spekuliert hatten. Sie sorgten durch massenhafte Käufe dafür, dass der Kurs durch die Decke ging. Hedgefonds verzeichneten immense Verluste, weil sie dadurch gezwungen wurden, ihre Wetten aufzulösen.

Beim Silber wird nun ein ähnlicher Versuch unternommen. Durch Käufe wollen sie die Bestände des Edelmetalls verknappen und so den Preis nach oben treiben. Die Logik dahinter: Silber-Fonds bilden die Entwicklung des Silber-Preises ab - und einige sind mit physischem Silber gesichert. Wenn der Preis also kräftig steigt, müssen sie das Edelmetall kaufen. Durch die zusätzliche Nachfrage steigt der Preis weiter.

"Es wird sich jemand wehtun."

Ob das allerdings eintritt, ist offen. Das liegt zum einen daran, dass sich die großen Akteure über den Terminmarkt absichern und damit Käufe in die Zukunft verschieben können. Bis dahin kann der Silberpreis wieder kräftig gefallen sein. Der Einfluss der Reddit-Zocker ist zudem sehr viel kleiner als bei Gamestop, denn Silber ist eines der meistgehandelten Edelmetalle. Zudem kann zusätzliche Nachfrage - im Gegensatz zu Aktien - unter anderem dadurch befriedigt werden, indem mehr Silber gefördert oder auf den Markt geworfen wird. Zur Einordnung: Alleine in London lagert Silber im Wert von 48 Milliarden Dollar. Gamestop war an der Börse 1,4 Milliarden Dollar wert, als die Reddit-Attacke auf Hedgefonds begann.

Zudem sind Zweifel an der Behauptung von Reddit-Nutzern angebracht, dass Hedgefonds und Banken im großen Stil auf einen fallenden Silberpreis spekulieren und deshalb gezwungen sein werden, Silber zu kaufen, um ihre Verluste zu begrenzen. Bloomberg zufolge gibt es seit Mitte 2019 unter dem Strich mehr Wetten auf einen steigenden als auf einen fallenden Silberpreis. Silber hat im vergangenen Jahr rund 60 Prozent an Wert gewonnen.

Die Frage ist also: Wie lange halten diejenigen durch, die nun den Silberpreis nach oben treiben? Einige der einflussreichsten Mitglieder von "Wallstreetbets" empfehlen mittlerweile, sich nicht daran zu beteiligen. Manche von ihnen weisen darauf hin, dass eines ihrer Feindbilder einer der größten Anteilseigner beim beliebten Silber-Indexfonds von Blackrock ist - und vom Kursanstieg massiv profitiert. Dabei handelt es sich um den Hedgefonds Citadel von Ken Griffin, gegen den sich die Gamestop-Attacke vor allem richtete.

Einige Händler erwarten derweil ein böses Erwachen für Angehörige der Reddit-Armee. "Es ist ein vergeblicher Versuch", sagte Ross Norman, ein Edelmetall-Veteran, der "Financial Times" mit Blick auf den Versuch, den Silberpreis immer höher zu drücken. "Das ist finanzielle Anarchie. Es wird sich jemand wehtun."

Quelle: ntv.de

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